Paris - Für die zehn in Afghanistan getöteten französischen Soldaten war es die letzte Ehre: Frankreich hat sich am Donnerstag bei einer Trauerfeier im Pariser Invalidendom von den zehn Opfern des Taliban-Angriffs vom Montag verabschiedet. Die Särge der getöteten Soldaten waren mit der Nationalflagge bedeckt.
Französische Soldaten in Kabul (Archivbild): Überlebende eines Taliban-Angriffs werfen der Nato Fehler vor
Der tödliche Angriff hat in Frankreich eine kontroverse Diskussion über den Afghanistan-Einsatz ausgelöst, sogar in der Partei von Sarkozy werden Konsequenzen gefordert: "Wir sitzen in der Klemme, die Nato-Strategie muss unbedingt geändert werden", sagte der UMP-Abgeordnete Pierre Lellouche am Donnerstag.
Der Nato-Einsatz Frankreichs wird zudem durch Aussagen überlebender Soldaten der Gefechte vom Montag belastet. Laut einem Bericht der Zeitung "Le Monde" werfen Soldaten der Nato schwere Fehler bei den Kämpfen mit den Taliban vor. Demnach sind die französischen Soldaten unter Beschuss von Nato-Verbündeten aus der Luft geraten. Die Luftangriffe hätten die in einen Hinterhalt geratenen Soldaten der Nato-Schutztruppe Isaf entlasten und ihnen die Flucht aus dem Hinterhalt ermöglichen sollen. Stattdessen seien sie selbst von den Flugzeugen getroffen worden, berichtete "Le Monde".
Außerdem hätte das Oberkommando viel zu spät auf den Angriff der Taliban reagiert, heißt es in dem Bericht. Die Soldaten seien "fast vier Stunden von den Taliban beschossen worden, ohne Verstärkung zu erhalten", sagte ein überlebender Soldat der Zeitung. "Wir hatten keine Munition mehr und konnten uns lediglich mit unseren Stumgewehren verteidigen", sagte der Soldat. Unter den Taliban-Kämpfern habe es Scharfschützen gegeben. "Sie waren zahlreicher als wir und sie haben auf uns gewartet. Wir konnten hören, wie sie ihre Waffen nachgeladen haben."
Verteidigungsminister Hervé Morin wies Vorwürfe zurück, es habe irrtümlich Luftschläge gegen die eigene Truppe ("friendly fire") gegeben. Er habe dazu keine Informationen, sagte er. Auch das Pentagon erklärte, es habe für die Darstellung keine Anhaltspunkte. "Wir wissen, dass wir keine F15- Kampfflugzeuge mit Bomben einsetzen konnten, da zwischen Taliban und französischen Truppen nicht unterschieden werden konnte", sagte Morin dem Rundfunksender RTL. "Wenn Bomben abgeworfen worden wären, hätte es schwere Kollateralschäden gegeben."
Eine schnelle Eingreiftruppe sei "15 bis 20 Minuten nach Beginn des Feuerwechsels" in Marsch gesetzt worden und habe eine knappe Stunde gebraucht, um an den Ort des Überfalls zu gelangen, sagte Morin. Anschließend seien eine zweite Einheit und Hubschrauber eingesetzt worden. Allerdings habe man für diese Operationen die Zone zunächst absichern müssen. "Die Dinge können nicht wie mit einem Zauberstab auf einen Schlag erledigt werden."
Erneut drei Nato-Soldaten getötet
Der Minister verwies darauf, dass die Attacke der radikal-islamischen Taliban gut vorbereitet gewesen sei. Bis zu hundert Aufständische hätten den Hinterhalt vorbereitet und mit extremer Gewalt durchgeführt.
Morin würdigte die neun getöteten Fallschirmjäger und einen Fremdenlegionär. "Unsere Soldaten haben ihren Beruf mit Mut, Entschlossenheit und Leidenschaft erfüllt", sagte er.
Zwei Tage nach dem schweren Anschlag auf die französischen Soldaten sind in Afghanistan erneut drei Nato-Soldaten getötet worden. Die polnischen Soldaten fuhren am Mittwoch in der zentralen Provinz Ghasni mit ihrem Auto über einen versteckten Sprengsatz, wie die polnische Nachrichtenagentur PAP am Donnerstag meldete. Unter Berufung auf Armeeoffiziere hieß es, ein weiterer Soldat sei bei der Explosion schwer verletzt worden. Ein polnischer Offizier sagte PAP, der Bombenanschlag habe sich etwa 20 Kilometer vom Stützpunkt der Soldaten entfernt ereignet.
Die Nato-geführte Internationale Afghanistan-Schutztruppe Isaf bestätigte, dass drei Soldaten getötet wurden, nannte aber wie üblich nicht die Nationalität. Polen ist an der Isaf mit 1200 Soldaten beteiligt, in den kommenden Monaten soll deren Zahl um weitere 400 erhöht werden.
hen/dpa/AP/AFP
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