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Von Gerhard Spörl
Auf CNN interviewte am Dienstag eine schöne Blondine namens Rosemary einen Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses. Nicht irgendwen, sondern Jesse Jackson junior, den Sohn des Bürgerrechtlers Jesse Jackson, der auch schon zweimal versucht hat, Präsident zu werden. Der Junior ist ein ernsthafter Mensch, ein guter Abgeordneter, ohne den Hang zu Klamauk und die Provokationen, für die der Alte immer noch gut ist.
Kampf ums Weiße Haus: John McCain und Barack Obama
Die Frage war so gut, dass Jesse Jackson junior sie gar nicht beantworten durfte. Denn die große Unbekannte in diesem Duell zwischen Barack Obama und John McCain ist der Umstand, dass der eine schwarz und der andere weiß ist. Und wann immer irgend jemand diese kluge Frage stellt, hält der Befragte entweder den Atem an, hat nur noch wenig Zeit und ist mit Gedanken anderswo oder weicht mit langen Sätzen ins Niemandsland aus.
Hält Amerika eine schwarze Familie im Weißen Haus aus?
Am Montagabend traten Michelle Obama und ihre Töchter in Denver so auf, wie Amerikaner das von der Familie der Kandidaten erwarten: als liebende, begeisterte, anfeuernde Cheerleader. Und da sie unübersehbar schwarz sind, ist die verhüllte, aber entscheidende Frage dieses Wahlkampfes nur noch schwer beiseite zu schieben: Hält es Amerika aus, dass eine schwarze Familie ins Weiße Haus einzieht und dass dieses Land fortan von einem Mann regiert wird, der sich als Schwarzer definiert, auch wenn seine Mutter eine Weiße aus Kansas gewesen ist?
Den Clintons, die Niederlagen gerne zu Intrigen oder Verschwörungen oder monumentalem Unrecht herunterreden, fällt es heute noch ungemein schwer, den Mann zu unterstützen, der sie besiegt hat. Obama war besser als Hillary, der bessere Redner, schlauer im Aufbau der Kampagne, der tolle neue Junge im Viertel. Seine Hautfarbe gab bestimmt nicht den Ausschlag im Vorwahlkampf der Demokraten, aber sie gereichte ihm auch nicht zum Nachteil.
Es kommt auf die Aufgeklärten unter den Wechselwählern an
Es ist nicht nur die veränderte Weltlage, die McCain plötzlich wieder zum ernsthaften Gegner im Wahlkampf werden lässt, die imperialen Gelüste Russlands, das sein postsowjetisches Terrain arrondiert. Es ist auch die Rassenfrage, die Obama schwächt und McCain stärkt, das alte Trauma Amerikas von seinen Anfängen an, das ungelöste, in politischer Korrektheit erstickte Dilemma dieses großen Landes. Allenfalls einem enthemmten Haudegen wie Rush Limbaugh, der mit seinen Hassgesängen im Radio die schweigende Mehrheit aufpeitscht, ist es zuzutrauen, dass er die trostlose weiße Wahrheit dieses Wahlkampfes ausspricht: Ein Schwarzer im Weißen Haus – niemals.
Dass vermutlich eine Mehrheit der republikanischen Wähler so denkt oder fühlt, liegt auf der Hand. Es kommt aber auf die Aufgeklärten unter den Wechselwählern an, ob sie am Ende davor zurückschrecken, den Schwarzen anstatt des Weißen, zu wählen. Und es kommt auf die Wankelmütigen unter den demokratischen Wählern an, die in den achtziger Jahren Ronald Reagan gewählt haben und jetzt vor der Alternative stehen, Obama oder doch lieber McCain zu wählen.
Es wird auch auf Hillary Clinton ankommen, die Gekränkte, die Besiegte, auf ihre Botschaft in Denver, in dieser brodelnden, fiebernden, wild bewegten Halle. Sie wird auch weiterhin Hof halten, und der Kandidat tut gut daran, sie zu charmieren. Denn sie ist die Leitfigur der weißen Skeptiker, die sich nur schwer mit Obama abfinden können.
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