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28.08.2008
 

Kaukasus-Konflikt

Putin schiebt USA Verantwortung für Georgien-Krieg zu

Russlands Premier attackiert die USA: Wladimir Putin hat Washington vorgeworfen, Georgien zu dem Angriff auf Südossetien ermuntert zu haben. Damit habe die Bush-Regierung John McCain helfen wollen, unterstellte Putin indirekt.

Sotschi - Wladimir Putin hat seinen Verantwortlichen für die Krise im Kaukasus gefunden - er sitzt nach Auffassung des russischen Regierungschefs nicht in Moskau oder Tiflis, sondern in Washington. Die US-Regierung habe Georgiens Führung dazu ermuntert, die Region Südossetien anzugreifen, sagte Putin in einem Interview mit dem Sender CNN.

Russlands Regierungschef Putin: Schwere Kritik an den USA
AFP

Russlands Regierungschef Putin: Schwere Kritik an den USA

Im Kampfgebiet hätten sich Amerikaner aufgehalten, die "Anweisungen ihrer Führer" umgesetzt hätten, sagt Putin. Dies nähre den Verdacht, dass "jemand in den USA diesen Konflikt geschaffen hat, um die Lage zu verschlimmern und für einen der Präsidentschaftskandidaten einen Vorteil zu erreichen", sagte Putin in vorab im russischen Fernsehen gesendeten Ausschnitten des Interviews. Putin will dies von seinen Verteidigungsexperten erfahren haben.

Einen Namen nannte Putin nicht. Es liegt aber nahe, dass er damit John McCain meint, der ebenso wie US-Präsident George W. Bush Republikaner ist. McCain gilt als erfahrener Politiker mit außenpolitischer Erfahrung, seinem demokratischer Rivale Barack Obama dagegen wird vorgeworfen, auf diesem Feld unerfahren zu sein.

Weißes Haus nennt Putins These "aberwitzig"

Das Weiße Haus wies Putins These umgehend scharf zurück: "Die Vorwürfe sind völlig gegenstandslos und aberwitzig. So einfach ist das", sagte der stellvertretende Sprecher des US-Außenministeriums, Robert Wood, am Donnerstag in Washington. Moskau müsse die Besatzung Georgiens beenden und sich an die Waffenstillstandsvereinbarung vom 11. August halten, um den Konflikt zu beenden. Russland solle "aufhören, andere für die Aggression verantwortlich zu machen, die es gegenüber einem Nachbarland gezeigt hat", sagte der Sprecher weiter.

Putin sagte in dem Interview weiter, Russland sei auf georgisches Gebiet vorgerückt, um eine menschliche Katastrophe zu verhindern, nachdem einige seiner Friedenssoldaten in Südossetien getötet worden seien. Er sei enttäuscht darüber, dass die Vereinigten Staaten nicht mehr dafür getan hätten, Georgien von seinem Angriff auf die Provinz abzuhalten.

Der Regierungschef kündigte zugleich an, dass 19 US-Geflügelexporteure ihre Ware nicht mehr nach Russland liefern dürften, weil sie Gesundheits- und Sicherheitstests nicht bestanden hätten. Gegen weitere 29 Firmen seien entsprechende Warnungen ausgesprochen worden. Diese Maßnahmen seien aber nicht im Zusammenhang mit dem Kaukasus-Konflikt zu sehen, betonte Putin.

Wird das Nuklearabkommen gekippt?

Als Reaktion auf die Georgien-Krise erwägt Washington, ein im Mai geschlossenes ziviles Nuklearabkommen mit Moskau zu kippen. Ein solcher Schritt sei "in der Diskussion", sagte Dana Perino, Sprecherin des Weißen Hauses. Man sei dabei, "das Verhältnis zu Russland neu zu bewerten".

In dem Abkommen vereinbarten die beiden Länder einen wechselseitigen Handel mit Atomtechnologie und -material sowie die enge Kooperation von Unternehmen beider Länder. Das Abkommen zielte nach US-Angaben darauf, die friedliche Nutzung der Atomenergie zu fördern und die Verbreitung von Atomwaffen zu unterbinden.

Konflikt im Kaukasus - Georgien, Südossetien, Abchasien

Georgien und die Abtrünnigen

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DER SPIEGEL
Südossetien hat sich in einem Krieg Ende 1990 bis Anfang 1992 von Georgien gelöst und ist seither de facto unabhängig. Nach Abschluss einer Waffenstillstandsvereinbarung 1992 wurde eine gemischte Friedenstruppe mit russischer Beteiligung stationiert. Ebenso wie das abtrünnige Abchasien gehört die Bergregion völkerrechtlich weiter zu Georgien, wird jedoch wirtschaftlich von Russland unterstützt. Die meisten Menschen, die dort leben, haben einen russischen Pass.

Zweimal - 1992 und 2006 - stimmten die südossetischen Einwohner für die Unabhängigkeit von Georgien. International wurden die Referenden jedoch nicht anerkannt. Georgiens Präsident Micheil Saakaschwili will die abtrünnigen Regionen wieder unter Kontrolle der Zentralregierung in Tiflis bringen. Bislang haben lediglich Russland und Nicaragua die Unabhängigkeit der beiden Provinzen anerkannt, stoßen damit aber international auf scharfe Kritik.

Stichwort Abchasien

Stichwort Südossetien

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Russlands Konflikt mit der Nato

Auch von anderer Seite wird es unbequem für den Kreml: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ist am Donnerstag wegen der Krise im Kaukasus zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengekommen. Georgien hatte das höchste Uno-Gremium um Hilfe in der Auseinandersetzung mit Russland gebeten. Es ist das erste Treffen des Sicherheitsrats seit der Anerkennung der von Georgien abtrünnigen Gebiete Südossetien und Abchasien durch Moskau. Die Sitzung fand hinter verschlossenen Türen statt, die Teilnehmer wollten sich vorab nicht äußern.

Bisher war der Sicherheitsrat wegen der aktiven Rolle Moskaus in dem Konflikt handlungsunfähig. Russland gehört zu den fünf ständigen Ratsmitgliedern und kann mit seinem Vetorecht jede Entscheidung blockieren. Die Aussichten für eine gemeinsame Resolution werden deshalb als äußerst gering eingeschätzt. Auch die EU distanzierte sich deutlich von Russland und erwägt Sanktinonen gegen Moskau.

Kreml-Chef Dmitrij Medwedew warb zudem vergeblich um Unterstützung bei seinen asiatischen Partnern. In Tadschikistans Hauptstadt Duschanbe wollte kein Mitglied der Shanghaier Kooperationsorganisation (SCO) das Vorgehen Moskaus gegen Georgien unterstützen. China und mehrere zentralasiatische Staaten gingen stattdessen in der Südkaukasus-Frage auf Distanz zu Russland: Sie forderten eine stärkere Einbindung der Uno für eine Lösung im Konflikt um die von Georgien abtrünnigen Provinzen.

Georgiens Präsident Micheil Saakaschwili forderte die europäischen Staaten zu einem harten Kurs gegenüber Russland auf. Die Vorgänge in Abchasien und Südossetien unterminierten die gesamte Ordnung in Europa, sagte Saakaschwili am Freitag im Deutschlandfunk. Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkrieges habe eine große europäische Macht versucht, "Teile des Gebietes eines Nachbarlandes zu annektieren", sagte der Präsident. Wenn Russland jetzt damit durchkomme, dann werde es an anderen Orten weitergehen. "Die denken, Europa wird jetzt ein bisschen Lärm machen, und nach einer Weile ist alles wieder vergessen", sagte Saakaschwili.

Europa müsse daher zeigen, dass es sich nicht fürchte. Schließlich sei Russland trotz seiner großen Energievorkommen wesentlich abhängiger von Europa, als dies umgekehrt der Fall sei. Russland sei "noch immer eine sehr unterentwickelte Gesellschaft", sagte Saakaschwili. Die russischen Soldaten in Georgien seien "hungrig" und "völlig mittellos" gewesen. "Auch wenn Georgien kein besonders reiches Land ist, so sieht es für die doch europäisch aus", sagte der georgische Präsident.

Das georgische Parlament forderte die Regierung in einer einstimmig beschlossenen Resolution zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Russland auf. Russland wird wegen seines Einmarsches in Georgien als "Aggressorland" bezeichnet. Von Saakaschwili gab es zunächst keine Stellungnahme zu der Aufforderung.

Georgien hat bereits zwei Diplomaten aus seiner Botschaft in Moskau abberufen, um damit gegen das militärische Vorgehen Russlands und die Anerkennung der beiden abtrünnigen georgischen Regionen Südossetien und Abchasien zu protestieren.

hen/dpa/AFP/Reuters/AP

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