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28.08.2008
 

Schwarzes Meer

Russland wirft dem Westen Kanonenboot-Show vor

Von Friederike Freiburg

Die deutsche "Lübeck" ist in der Nähe, die US Navy fährt direkt nach Georgien: Das russische Militär klagt über die Präsenz von Nato-Schiffen im Schwarzen Meer und unterstellt dem Westen heimliche Aufrüstung. Amerika weist die Kritik als unsinnig ab - und schickt ein Schiff mehr in die Krisenregion.

Hamburg - Glaubt man dem russischen Generalstab, geht auf dem Schwarzen Meer etwas äußerst Bedrohliches vor sich. "Die Nato hat zehn Kriegsschiffe ins Schwarze Meer entsandt", sagte Sprecher Anatolij Nogowizyn nach Angaben der Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Und das ist längst nicht alles: Acht weitere Schiffe seien unterwegs. Einige der Nato-Boote hätten nach Geheimdiensterkenntnissen Marschflugkörper und Schiffsabwehrraketen an Bord.

Die Stellungnahme der Nato dazu liest sich allerdings ein bisschen anders. Ja, es seien Kriegsschiffe des Verteidigungsbündnisses in den Gewässern unterwegs. Das Manöver sei allerdings eine Routineangelegenheit, seit langem geplant und habe nichts mit der aktuellen Krise im Osten des Schwarzen Meeres zu tun, hieß es in einer Stellungnahme.

An dem Manöver nehmen den Nato-Angaben zufolge vier Fregatten teil: die spanische "Almirante Juan de Borbon", die deutsche "Lübeck", die polnische "General Pulaski" und die US-amerikanische "USS Tailor". Sie sind seit dem 21. August auf dem Schwarzen Meer und befinden sich derzeit im rumänischen Konstanza. Geplant ist außerdem ein Besuch der bulgarischen Hafenstadt Warna.

Doch was ist mit den anderen sechs bis 14 Schiffen, von denen im Kreml die Rede ist? Eines davon könnte die "USS McFaul" sein, die von Sonntag bis Dienstag im Hafen von Batumi in Georgien lag und laut offiziellen Angaben Hilfsgüter ausgeliefert hat. In Batumi ist derzeit auch der US-Küstenwachenkreuzer "Dallas", der 34 Tonnen Hilfsgüter an Bord hatte. Die "Dallas" gilt zwar nicht als Kriegsschiff, wäre sie aber in den noch immer von russischen Streitkräften kontrollierten Hafen von Poti weiter nördlich eingelaufen, hätte Moskau dies als bewussten Affront interpretiert.

Ebenfalls mit Hilfsgütern beladen ist die "USS Mount Whitney", die derzeit als drittes amerikanisches Schiff auf dem Weg zur georgischen Küste ist. Sie ist das Flaggschiff der Sechsten US-Flotte, die im italienischen Galea stationiert ist.

Darüber hinaus, sagte ein Nato-Sprecher, seien nur noch einige Schiffe der Nato-Staaten Rumänien, Bulgarien und Türkei im Schwarzen Meer unterwegs. Alle drei Länder sind allerdings Anrainerstaaten. Die Vorwürfe aus Moskau, die Nato ziehe Kräfte am Schwarzen Meer zusammen, seien haltlos.

Dennoch warf der russische Ministerpräsident Wladimir Putin am Mittwoch die Frage auf, warum Hilfsgüter ausgerechnet mit Kriegsschiffen an Georgien ausgeliefert werden müssten. "Wir können nur hoffen, dass es nicht zu einem direkten Zusammentreffen kommt", sagte er. Generalstabssprecher Nogowizyn ging am Donnerstag noch weiter und nannte die Hilfslieferungen durch die US-Schiffe "teuflisch".

Die Reaktion aus Moskau

Als Reaktion auf die "Bedrohung durch die Nato" hat die russische Marine nun das Flaggschiff ihrer Schwarzmeer-Flotte, den Lenkraketenkreuzer "Moskwa", nach Suchumi geschickt. Die Hafenstadt liegt in der von Georgien abtrünnigen Region Abchasien - und ist weniger als 200 Kilometer entfernt der Stelle, an der die US-Kriegsschiffe liegen. Sollte es dann tatsächlich zu einem direkten Zusammentreffen kommen, wie es Putin anklingen ließ, müsste das schon mehr als ein Versehen sein.

Entscheidend könnte nun sein, wie sich Nato-Mitglied und Schwarzmeer-Anrainer Türkei verhält. Die Türken haben nämlich - so ist es im Vertrag von Montreux von 1936 festgelegt - die alleinige Kontrolle über den Zugang über den Bosporus zum Schwarzen Meer. In dem Abkommen ist außerdem geregelt, dass Nicht-Anrainerstaaten das Schwarze Meer nur begrenzt mit Kriegsschiffen befahren dürfen.

Aus Sicht des russischen Generalstabs ist das Kontingent der Nato und der USA mit den bereits vorhandenen Schiffen erschöpft. "Darf die Nato etwa andauernd ihre Truppen dort verstärken und mehr Kriegsgerät heranschaffen?", zitiert die russischen Nachrichtenagentur Interfax Sprecher Nogowizyn. "Es ist nun klar, dass das nicht geht", sagte er unter Berufung auf den Vertrag von Montreux.

Zwischen Russland und der Nato

Die Türkei steckt in einem Interessenkonflikt. Bislang hat sich die türkische Regierung mit Äußerungen zum Kaukasus-Konflikt sehr zurückgehalten - auch aus Rücksicht auf Russland. Schließlich ist die Türkei in hohem Maße abhängig von russischem Öl und Gas. Knapp zwei Drittel des Bedarfs decken die Türken aus russischen Importen.

Doch die Nato könnte künftig mehr Anforderungen an seinen Bündnispartner stellen. Sollte die Nato auf einem uneingeschränkten Zugang zum Schwarzen Meer bestehen, wäre die türkische Regierung unter Zugzwang. Der feste Wille der Türkei, in die Europäische Union aufgenommen zu werden, erhöht den Druck noch, sich als verlässlicher Partner beweisen zu müssen.

Die unbequeme Rolle zwischen zwei Konfliktparteien allerdings ist die Türkei noch aus früheren Zeiten gewohnt. Als direkter Nachbar grenzte das Land einst an die Sowjetunion - und galt damals als sicheres Bollwerk der Nato. Mitten im Kalten Krieg.

mit Material von AP/Reuters

Konflikt im Kaukasus - Georgien, Südossetien, Abchasien

Georgien und die Abtrünnigen

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DER SPIEGEL
Südossetien hat sich in einem Krieg Ende 1990 bis Anfang 1992 von Georgien gelöst und ist seither de facto unabhängig. Nach Abschluss einer Waffenstillstandsvereinbarung 1992 wurde eine gemischte Friedenstruppe mit russischer Beteiligung stationiert. Ebenso wie das abtrünnige Abchasien gehört die Bergregion völkerrechtlich weiter zu Georgien, wird jedoch wirtschaftlich von Russland unterstützt. Die meisten Menschen, die dort leben, haben einen russischen Pass.

Zweimal - 1992 und 2006 - stimmten die südossetischen Einwohner für die Unabhängigkeit von Georgien. International wurden die Referenden jedoch nicht anerkannt. Georgiens Präsident Micheil Saakaschwili will die abtrünnigen Regionen wieder unter Kontrolle der Zentralregierung in Tiflis bringen. Bislang haben lediglich Russland und Nicaragua die Unabhängigkeit der beiden Provinzen anerkannt, stoßen damit aber international auf scharfe Kritik.

Stichwort Abchasien

Stichwort Südossetien

Die Rolle Russlands

Die Rolle der USA

Russlands Konflikt mit der Nato

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