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Georgien-Krise Putin redet Europäern ins Gewissen

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin will die Europäer von den USA loseisen. Sie sollten endlich aufhören, auf die "Befehle aus Washington" zu hören, sagte Putin in einem Interview.

Hamburg/Moskau - Wladimir Putin versucht, die Europäer zu beschwichtigen: Russland sei die Reaktion der Europäischen Union nicht gleichgültig, sagte der russische Ministerpräsident in einem Interview mit der ARD. "Wir hoffen, dass der gesunde Menschenverstand triumphieren wird und dass es eine objektive Einschätzung der Ereignisse geben wird." Russland wolle keine Spannungen und auch kein neues Wettrüsten, sondern strebe nach gutnachbarschaftlichen Beziehungen zu allen."

Wladimir Putin: "Unabhängige Bewertung"
AFP

Wladimir Putin: "Unabhängige Bewertung"

Dass Russland wegen des Kaukasus-Konflikts international isoliert wird, befürchtet Putin nicht. Ein Land wie Russland werde nicht isoliert, "trotz des Block-Denkens unserer Partner in Europa und in den USA", sagte er. "Die Welt endet nicht in Europa oder in den USA." Daher täten die Europäer gut daran, nicht länger auf die Befehle aus Washington zu hören.

Mit den USA geht der russische Präsident hart ins Gericht: Amerika habe den Georgien-Konflikt aus Wahlkampfzwecken provoziert, sagte Putin. Die Führung in Washington habe dem Republikaner John McCain damit einen Vorteil verschaffen wollen. Bereits am Donnerstag hatte der russische Ministerpräsident derartige Vorwürfe geäußert.

Putins Ziel ist klar: Er will Sanktionen gegen Russland vermeiden, die auf dem EU-Sondergipfel am Montag diskutiert werden sollen. An Russlands Haltung zum Kaukasus-Konflikt ändert sich deshalb aber nichts: Putin bezeichnete Behauptungen als Lüge, dass Russland eigentlich Georgiens Präsident Micheil Saakaschwili stürzen wollte, um einen Nato-Beitritt der Ex-Sowjetrepublik zu verhindern. Und betonte erneut, dass Russland nicht georgisches Territorium annektieren wolle.

Am 7. und 8. August hatte die georgische Armee versucht, die Kontrolle über die von Russland unterstützte Separatisten-Region Südossetien zurückzugewinnen. Russland hatte mit einer großangelegten Gegenoffensive reagiert und Südossetien und die andere abtrünnige Region Abchasien als unabhängig anerkannt. Der Konflikt belastet die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen erheblich.

Mit Blick auf eine mögliche Vermittlerrolle Deutschlands im Kaukasus-Konflikt sagte Putin: "Wir haben sehr gute, vertrauensvolle Beziehungen, sowohl politisch als auch ökonomisch." Russland wolle in der Weltpolitik nicht nach irgendwelchen besonderen Regeln spielen, sondern sich an das Völkerrecht halten. Sein Land unterstütze einheitliche Regeln, die die Interessen aller Teilnehmer berücksichtigten, sagte Putin.

Putin kann auf Unterstützung von deutschen Politikern hoffen. Die FDP warnte bereits vor einem harten Vorgehen gegen Russland. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle lehnte im "Münchner Merkur" Sanktionen der EU gegen Russland ab. "Drohkulissen bewirken nichts, sie verhärten nur und machen den Frieden unsicherer", sagte er. Wer jetzt das Gespräch mit Russland abbreche, werde weder den Betroffenen noch dem Frieden nutzen.

cvk/Reuters/AFP/ddp/dpa

Konflikt im Kaukasus - Georgien, Südossetien, Abchasien
DER SPIEGEL
Südossetien hat sich in einem Krieg Ende 1990 bis Anfang 1992 von Georgien gelöst und ist seither de facto unabhängig. Nach Abschluss einer Waffenstillstandsvereinbarung 1992 wurde eine gemischte Friedenstruppe mit russischer Beteiligung stationiert. Ebenso wie das abtrünnige Abchasien gehört die Bergregion völkerrechtlich weiter zu Georgien, wird jedoch wirtschaftlich von Russland unterstützt. Die meisten Menschen, die dort leben, haben einen russischen Pass.

Zweimal - 1992 und 2006 - stimmten die südossetischen Einwohner für die Unabhängigkeit von Georgien. International wurden die Referenden jedoch nicht anerkannt. Georgiens Präsident Micheil Saakaschwili will die abtrünnigen Regionen wieder unter Kontrolle der Zentralregierung in Tiflis bringen. Bislang haben lediglich Russland und Nicaragua die Unabhängigkeit der beiden Provinzen anerkannt, stoßen damit aber international auf scharfe Kritik.

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