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02.09.2008
 

Republikaner-Parteitag

Palins Privatleben wird zur Belastung für McCain

Aus St. Paul berichtet Marc Pitzke

2. Teil: Neue unbequeme Details aus Palins Vergangenheit

Ihre Vorstellung hatte ja selbst Partei-Insider überrascht. Der Parteitag in St. Paul sollte nun auch dazu dienen, dieses "unbeschriebe Blatt" ("Time") mit sorgfältig kontrollierten Informationen zu füllen, um Palin dem Wähler als Wunderwaffe schmackhaft zu machen. Statt dessen kamen Dinge ans Licht, die die 44-Jährige - die erst seit 2006 als Gouverneurin im Amt ist - in weniger rosigem Licht erscheinen ließen.

  • Als Bürgermeisterin sei sie fast ihres Amtes enthoben worden.
  • Sie habe früher mal der Alaskan Independence Party (AIP) angehört, die sich für Sezession engagiert.
  • Sie habe sich dagegen ausgesprochen, Eisbären als bedroht anzuerkennen.
  • Die berüchtigte "Brücke nach Nirgendwo" - ein 220-Millionen-Dollar-Bauprojekt in Südost-Alaska, das McCain gerne als Symbol staatlicher Verschwendung zitiert - habe sie nicht bekämpft, wie sie behauptet, sondern lange unterstützt.
  • Und auch das gegen sie anhängige Ethikverfahren schlug weiter so hohe Wellen, dass einige Reporter sich zur Folgerecherche eigens nach Alaska begaben.

Selbst konservative Blogger verglichen Palin schon mit Harriet Miers, Bushs gescheiterter Kandidatin für den Obersten US-Gerichtshof. Juristen spekulierten sogar, ob man sie nicht schnell wieder vom McCain-Ticket entfernen könne. "An der Stelle der Republikaner würde ich mich sorgen, dass sie nicht zum Futter für TV-Komiker wird", sagte Stratege Matthew Dowd. "Mit der Zeit wird sich zeigen, ob McCain damit ein Eigentor geschossen hat." Viele der Storys über Palin kursierten offenbar schon länger - unter Republikanern in Alaska, wohlgemerkt. Kein Wunder, dass da nun also auch alte Fragebögen auftauchten, in denen Palin zum Beispiel den US- Fahneneid auf die Verfassungsväter zurückführte (er stammt von 1892). Flugs eignete sich das McCain-Team die Internetadresse dieser Fragebögen an - jetzt führt der Link zu McCains Wahlkampf-Page.

Der Streitpunkt, der politisch aber am gefährlichsten ist: Palins mangelnde Erfahrung. Die Versuche der McCain-Vasallen, Palins dürre Polit-Biografie zum Pluspunkt umzudeuten, zugleich aber Obama als Grünschnabel niederzumachen, grenzten an Realsatire. McCain-Sprecher Tucker Bounds geriet dabei im CNN-Interview gestern so ins Schwitzen, dass sich Anchorfrau Campbell Brown sogar bei ihm entschuldigte.

Palin selbst hielt sich bei all dem tunlichst im Hintergrund. Sie traf am Sonntagabend in St. Paul ein, tauchte aber sofort unter. Sie sei dabei, hieß es, ihre Antrittsrede zu schreiben.

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