Die US-Armee hat offenbar eine neue Strategie für Einsätze gegen mutmaßliche Terroristen in Pakistan entwickelt. Die bisher gepflegte Zurückhaltung soll aufgegeben werden.
Solange im Präsidentenpalast von Islamabad noch Pervez Musharraf saß, hatten die USA jegliche Maßnahmen vermieden, die dessen Position unterminieren könnten. Doch nach dessen Rücktritt vor wenigen Wochen sieht das Pentagon diese Einschränkungen offenbar als nicht mehr nötig an.
Was die neue Strategie im Einzelfall bedeuten kann, zeigte sich am frühen Morgen des gestrigen Mittwochs: Vor Sonnenaufgang näherten sich mindestens drei aus Afghanistan kommende US-Kampfhubschrauber dem Dorf Angor Adda in der pakistanischen Provinz Waziristan.
Aus den Helikoptern sprangen Soldaten einer Spezialeinheit der US-Armee. Mindestens drei Häuser stürmten die nächtlichen Angreifer. Nach pakistanischen Berichten kamen dabei bis zu 20 Menschen ums Leben. Bislang sprechen US-Vertreter von einem zivilen Opfer, der "New York Times" sagte ein US-Beamter, dass ein Kind getötet worden sei. Frauen, die ums Leben gekommen seien, hätten die Qaida-Kämpfer unterstützt." Beweise legte die US-Armee dafür jedoch nicht vor.
Wer wurde getötet?
Die Operation galt offenbar mutmaßlichen Taliban oder Mitgliedern des Terrornetzwerks al-Qaida. Die Region um das attackierte Dorf gilt als wichtiger Rückzugsort islamistischer Militanter. Ob bei der Operation tatsächlich mutmaßliche Terroristen gefangen oder getötet wurden, ist unklar. Ein pakistanischer Beamter sagte im Gespräch mit der "New York Times": "Wenn sie jemand wichtiges erwischt hätten, würden sie damit jetzt angeben."
In Pakistan ist die Empörung über die Verletzung der Souveränität des Landes groß. Die pakistanische Regierung legte offiziell Beschwerde bei der US-Regierung ein. Ein Militärsprecher machte klar, dass Pakistan sich Selbstverteidigung und Vergeltung vorbehalte. Hochrangige Militärs warnten, dass solche Operationen die Stämme, die derzeit mit der Regierung sympathisieren, den Militanten in die Arme treiben könnten.
Die Schwäche der gerade auseinandergebrochenen pakistanischen Regierung ist ein wahrscheinlicher Grund für die veränderte US-Strategie. Schon zu Zeiten der Musharraf-Herrschaft fanden Pentagon und CIA, dass das Land nicht hart genug gegen Terroristen und Militante vorgehe. Teile des Sicherheitsapparates seien von Terrorsympathisanten durchsetzt. Musharraf war nach dem 11. September 2001 zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im "Krieg gegen den Terror" geworden; aber seine Bilanz in dieser Hinsicht ist gemischt.
Special Forces außerhalb der Nato-Kontrolle
Die gegenwärtigen politischen Kräfte in Pakistan gelten in den USA als schwach - die Reaktion darauf ist nun offenbar die neue Strategie. "Das ist vielleicht der Beginn einer Zunahme von Aktivitäten, die sich gegen Militante richten und die eine unmittelbare Bedrohung der US-Streitkräfte und der afghanischen Streitkräfte in Afghanistan darstellen", sagte ein hochrangiger US-Beamter der "New York Times", der nicht namentlich genannt werden wollte. Es bestehe die Möglichkeit, "dass wir mehr davon sehen werden".
Spezialeinheiten unterstehen, anders als die meisten US-Soldaten in Afghanistan, nicht der Nato-Kommandostruktur und sind deswegen nicht deren Einschränkungen unterworfen.
Unterdessen bekannten sich die pakistanischen Taliban, die mit der gleichnamigen Bewegung in Afghanistan zusammenarbeiten, zu dem gestrigen Attentat auf den pakistanischen Premierminister Yousaf Raza Gilani. In einem Telefonat mit dem arabischen Satellitensender al-Dschasira erklärte ein Sprecher, die pakistanischen Taliban hätten den Anschlagsversuch auf Instruktion ihres Anführers Beitullah Mahsud durchgeführt. Gilani wurde bei dem Attentat nicht verletzt.
Yes
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