Mittwoch, 10. Februar 2010

Politik



Konflikt im Kaukasus

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06.09.2008
 

Georgien-Krise

USA brüskieren Russland mit Hilfslieferung

Heikle Aktion im Schwarzen Meer: Die US Navy hat mitten in der Kaukasus-Krise im georgischen Hafen Poti festgemacht. Nur wenige Kilometer von der russischen Marine entfernt entlud die "Mount Whitney" Hilfsgüter - Russlands Präsident Medwedew fühlt sich provoziert, reagiert mit harscher Kritik.

Poti/Moskau - Nach US-Angaben verfolgten russische Soldaten die Löschung der Fracht der USS "Mount Whitney" aus nur wenigen Kilometern Entfernung. "Die haben uns sehr, sehr genau beobachtet, und ich glaube, sie sind froh, wenn wir wieder weg sind", sagte der diensthabende Offizier Owen Honors.

Russische Truppen haben sich nach dem Krieg um die abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien noch nicht vollständig aus dem georgischen Kernland zurückgezogen, auch in der Nähe des Hafens Poti halten sie sich noch auf. Der Konflikt hatte zu erheblichen Spannungen zwischen Russland und dem Westen geführt. Die russische Regierung äußerte am gestrigen Freitag Zweifel daran, dass sich die Mission der USS "Mount Whitney" einzig auf die Lieferung von Hilfsgütern beschränkt. Moskau vermutet, dass die USA auch Waffen an Georgien liefern.

Russlands Präsident Dmitrij Medwedew sieht sich durch die Anwesenheit der US-Marine im Schwarzen Meer provoziert. "Ich frage mich, wie sie (die USA) reagieren würden, wenn russische Kriegsschiffe in der Karibik Hilfslieferungen an von Hurrikane betroffene Staaten vornehmen würden", sagte Medwedew.

Mit den bislang härtesten Worten an die Adresse des Westens hat der russische Präsident die Militärintervention in Georgien erneut verteidigt. "Russland ist eine Nation, mit der ab jetzt zu rechnen ist", sagte er am Samstag bei der Eröffnungssitzung des russischen Staatsrats. Der Krieg im Kaukasus sei Moskau aufgezwungen worden, und man habe handeln müssen, um das Leben russischer Staatsbürger zu retten.

Medwedew übte in seiner Rede besonders harte Kritik an den USA, ohne allerdings irgendwelche Staaten konkret zu benennen. Diejenigen, die immer groß über nationale Souveränität redeten und die Bestrafung von Aggressoren forderten, hätten den Angriff Georgiens auf Südossetien voll gebilligt. "Sie versuchen weiterhin, politischen Druck auf uns auszuüben", sagte der russische Präsident. "Aber das wird ihnen nicht gelingen." Medwedew betonte jedoch, dass Russland keine Konfrontation mit dem Westen suche.

EU fordert Abzug der Russen

Die EU-Außenminister forderten bei ihrem Treffen in Avignon noch einmal nachdrücklich den Abzug aller russischen Soldaten aus dem georgischen Kernland. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte: "Die Europäer sind entschlossen, sich dafür einzusetzen, dass der noch brüchige Waffenstillstand ein dauerhafter wird." Der französische Staatschef und amtierende EU-Ratspräsident Nicolas Sarkozy will am Montag nach Moskau reisen, um die Umsetzung des von ihm ausgehandelten Abkommens anzumahnen. Dieses sieht den Abzug der russischen Truppen auf die Positionen vor, die sie vor Beginn des Kriegs am 7. August innehatten.

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk forderte vor dem Hintergrund der Georgien-Krise, die Ukraine stärker an den Westen zu binden. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte er: "Wir müssen die Ukraine auf ihrem Weg in die Nato und in die EU absolut unterstützen."

Auf dem EU-Ukraine-Gipfel am kommenden Dienstag sollte die EU-Perspektive für Kiew noch konkreter werden. Nach Darstellung der tschechischen Regierung könnte die zur Ukraine gehörende Halbinsel Krim im Schwarzen Meer das nächste Ziel russischer Großmachtpolitik werden. Mit Hinweis auf die russische Invasion in Georgien erklärte der stellvertretende Außenminister Tomas Pojar: "Wir wären nicht überrascht, wenn sich in der Zukunft ähnliche Entwicklungen, beispielsweise auf der Krim, ereignen."

suc/AP/Reuters

KONFLIKT IM KAUKASUS - GEORGIEN, SÜDOSSETIEN, ABCHASIEN

Georgien und die Abtrünnigen

DER SPIEGEL
Südossetien hat sich in einem Krieg Ende 1990 bis Anfang 1992 von Georgien gelöst und ist seither de facto unabhängig. Nach Abschluss einer Waffenstillstandsvereinbarung 1992 wurde eine gemischte Friedenstruppe mit russischer Beteiligung stationiert. Ebenso wie das abtrünnige Abchasien gehört die Bergregion völkerrechtlich weiter zu Georgien, wird jedoch wirtschaftlich von Russland unterstützt. Die meisten Menschen, die dort leben, haben einen russischen Pass.

Zweimal - 1992 und 2006 - stimmten die südossetischen Einwohner für die Unabhängigkeit von Georgien. International wurden die Referenden jedoch nicht anerkannt. Georgiens Präsident Micheil Saakaschwili will die abtrünnigen Regionen wieder unter Kontrolle der Zentralregierung in Tiflis bringen. Bislang haben lediglich Russland und Nicaragua die Unabhängigkeit der beiden Provinzen anerkannt, stoßen damit aber international auf scharfe Kritik.

Stichwort Abchasien

Stichwort Südossetien

Die Rolle Russlands

Die Rolle der USA

Russlands Konflikt mit der Nato

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