• Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

US-Wahlkampf Palin-Effekt stellt Prognosen auf den Kopf

2. Teil: Obama und McCain treffen in drei TV-Duellen aufeinander

Und so ergibt sich ein ironischer Seitenwechsel: Image-Papst Obama müht sich neuerdings mit dem Kleinklein der Sachthemen ab, indem er die Wirtschaftskrise zum Leitmotiv seiner Auftritte macht und versucht, McCain als Erben der Politik von Präsident George W. Bush zu brandmarken. Dies tut er in schärferem Ton als bisher: Barack Obama, beobachtet Carrie Budoff Brown auf dem Polit-Blog Politico, "sieht so aus und klingt wie ein Kandidat, dem aufgegangen ist, dass es fünf vor zwölf ist".

Palins politische Positionen
Palin hat in mehreren Interviews klargemacht, dass sie die Erderwärmung nicht als Folge menschlichen Handelns ansieht. Palin befürwortet Ölbohrungen in geschützten Naturgebieten in den arktischen Regionen ihres Heimatstaats Alaska. Unter ihrer Führung hat die dortige Landesregierung Klage gegen den Beschluss der Regierung in Washington eingereicht, den Eisbären auf die Liste der bedrohten Tierarten zu setzen.

Aus demselben Grund hat Obama nun seine anfängliche Zurückhaltung gegenüber "Sarah Barrakuda" aufgegeben. Seit dem Wochenende attackiert er auch sie offen - doch wohlweislich nur ihre Politik, nicht ihre Person.

McCains Auftritte mit Palin dagegen haben auf einmal etwas Abgehoben-Elektrisierendes - jenen VIP-Faktor, den er Obama lange vorhielt. Die Demokraten haben das Monopol auf eine begeisterte Basis verloren - und McCain nutzt diesen Umstand, indem er sich die nächsten Tage überall mit Palin im Schlepptau zeigen wird, statt die Gouverneurin wie ursprünglich geplant separat auf Tournee zu schicken.

Palin wiederholt dabei gerne die Applauszeilen ihrer scharfzüngigen, doch inhaltlich dünnen Rede von St. Paul - ein brillantes Stück Rhetorik, das Bushs Ex-Ghostwriter Matthew Scully schon vor der Benennung Palins in Grundzügen verfasst und Palin selbst nach eigenem Gusto umgeschrieben hatte. Parallel kaufte die Partei TV-Werbeminuten in 14 Staaten, zu denen auch fünf gehören, die beim letzten Mal die Demokraten wählten (Michigan, Minnesota, New Hampshire, Pennsylvania, Wisconsin). Ein klares Zeichen des neuen Selbstbewusstseins.

Diese Wahlkampfschlacht wird in den nächsten Wochen bis zu den geplanten TV-Debatten weiter an Heftigkeit zunehmen. Obama und McCain sollen dreimal aufeinander treffen, beginnend am 26. September in Mississippi. Biden und Palin debattieren am 2. Oktober in Missouri - ein Duell, dem die TV-Nation schon jetzt entgegenfiebert, als dem wahren Highlight des Wahlkampf-Endspurts.

Natürlich kann es sein, dass sich Palin bis dahin, trotz allem Jubel bei den Rechten, doch noch als Fehlgriff erweisen wird. Dutzende Reporter tummeln sich derzeit in Alaska, um in ihrer Vergangenheit zu stöbern, die bereits jetzt etliche dubiose Episoden offenbart hat - etwa den Skandal um einen angeblich in ihrem Auftrag aus persönlichen Gründen gefeuerten Polizeichef. "Ich wette", sagte ein Republikaner dem "New York Magazine", "dass sie in zehn Tagen wieder vom Ticket verschwunden ist."

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema US-Präsidentschaftswahl 2008

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP