Aus Kabul berichtet Matthias Gebauer
Kabul – Zweimal hintereinander haben Unbekannte versucht, einen Konvoi der Bundeswehr in Afghanistan anzugreifen. Bereits am vergangenen Samstag wurden die Fahrzeuge der Eingreiftruppe Quick Reaction Force (QRF) in der Provinz Baghlan in Nordafghanistan mit einer vermutlich ferngezündeten Bombe und nur wenig später noch einmal mit einem Sprengsatz angegriffen. Beide Versuche scheiterten. Gleichwohl zeigen die Angriffe erneut, dass die Bundeswehr im Norden im Visier von Taliban und anderen militanten Kräften steht.
Die QRF übernimmt im Rahmen des Isaf-Mandats in Nordafghanistan aktuelle Schutzoperationen für alle Kräfte der internationalen Schutztruppe Isaf und war in Kunduz eingesetzt worden, um die Sicherheit für die Deutschen zu verbessern. Die Truppe der Nato wird seit dem Sommer von deutschen Kräften gestellt. Sie ist im ganzen Nordbereich einsetzbar.
Taliban-Attacken häuften sich in den vergangenen Wochen. Immer wieder legen sie Sprengfallen an den Straßen, auf denen die Bundeswehr unterwegs ist. Meist enden die Attacken glimpflich – auch, weil die Deutschen über gut gepanzerte Fahrzeuge verfügt. Vor drei Wochen allerdings kam ein Deutscher bei einem ähnlichen Anschlag ums Leben.
Im Hauptquartier der Isaf geht man davon aus, dass die Taliban mit den Angriffen ganz bewusst die öffentliche Diskussion über die Erneuerung auf Aufstockung des deutschen Afghanistan-Mandats beeinflussen wollen. Die Bundeswehr hatte die jüngsten Attacken nicht öffentlich gemacht, sie bestätigte die Vorgänge erst nachdem die Tageszeitung "Die Welt" über sie berichtet hatte.
Aus dem Hauptquartier der Deutschen in Nordafghanistan war nun zu erfahren, dass der Konvoi der QRF auf dem Weg von Kunduz nach Masar-i-Scharif war, als nahe Pul-i-Kumri, rund hundert Kilometer südlich von Kunduz, am Straßenrand ein Sprengsatz explodierte. In den Meldungen der "Welt" war von einem Selbstmordattentäter die Rede, dies wurde jedoch durch die Bundeswehr nicht bestätigt. Kurz darauf - am gleichen Tag -, als der Konvoi die Stadt verließ, von der aus die Straße weiter nach Masar-i-Scharif führt, explodierte eine weitere Sprengfalle. Auch diese richtete keinen Schaden an.
Wer hinter den beiden Attacken steckt, ist noch unklar. Am Samstagnachmittag hatte der Sprecher der Taliban, Zaibullah Mudschahed, SPIEGEL ONLINE per Textnachricht von einem Angriff auf einen Isaf-Konvoi in der Provinz Baghlan berichtet, bei dem mehrere Soldaten ums Leben gekommen seien, und dabei recht genau die Koordinaten genannt, die nun bekannt wurden. Allerdings war weder von der lokalen Polizei noch von der Bundeswehr eine Bestätigung für einen solchen Angriff zu bekommen. Deshalb war die Polizei davon ausgegangen, dass die Meldung Propaganda der Taliban gewesen sei. Nur einen Tag später wurde das Lager der Deutschen mit einer Rakete beschossen. Sie schlug auf dem Gelände ein, ohne Schaden anzurichten.
Auch in der Hauptstadt Kabul schlugen in der Nacht von Montag auf Dienstag nach einer langen Ruhephase wieder zwei Raketen ein, die ganz offensichtlich auf die Isaf-Truppe gerichtet waren. Die beiden Explosionen gegen 4 Uhr Ortszeit waren in der ganzen Stadt deutlich zu hören, wenig später kreisten Hubschrauber über der Stadt. Sach- oder Personenschaden gab es jedoch nicht, hieß es von der Polizei.
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