Montag, 23. November 2009

Politik



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12.09.2008
 

Konflikt mit Georgien

Medwedew vergleicht Kaukasus-Krieg mit 9/11

Drohung aus dem Kreml: Russlands Präsident Medwedew hat angekündigt, Georgien bei "Provokationen" erneut anzugreifen - selbst wenn das Land auf dem Weg in die Nato sei. Den Angriff des Nachbarn auf Südossetien verglich er mit den Terrorschlägen vom 11. September.

Moskau - Russlands Präsident Dmitrij Medwedew überrascht mit einer neuen Interpretation des Kaukasus-Konflikts: Dieser habe keinen Riss in den Beziehungen zwischen Russland und dem Westen ausgelöst, sagte Medwedew nach Angaben russischer Agenturen am Freitag bei einem internationalen Expertenforum in Sotschi am Schwarzen Meer. Vor einem Konflikt mit der Nato hat er nach eigenem Bekunden keine Angst. Sollte es erneute "Provokationen" aus Georgien im Kaukasus-Konflikt geben, werde er nicht zögern, das Land erneut anzugreifen. Das gelte auch, wenn Georgien sich im Prozess für eine Nato-Mitgliedschaft befinde.

Den Angriff Georgiens auf die abtrünnige Region Südossetien am 8. August verglich er mit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001. Für Russland seien diese Ereignisse von der weltpolitischen Bedeutung her "absolut" vergleichbar, sagte Medwedew. "Die Welt hat sich nach dem 8. August verändert. Für Russland ist der 8. August so wie der 11. September für die USA", sagte Medwedew.

Aus den Terroranschlägen in den USA seien viele Lehren gezogen worden. "Ich wünschte mir, dass die Welt auch aus dem 8. August ihre Lehren zieht", sagte Medwedew vor den ausländischen Gästen des Forums. Georgien hatte die südossetische Hauptstadt Zchinwali in der Nacht zum 8. August angegriffen. Moskau warf der Regierung in Tiflis danach "Völkermord" an den Osseten vor. Die russische Gegenoffensive wurde von den USA und der EU als "überzogen" kritisiert. Nach dem Krieg hat Russland unter internationalem Protest Südossetien und die ebenfalls von Georgien abtrünnige Region Abchasien als unabhängig anerkannt.

Die Entsendung von 200 EU-Beobachtern nach Georgien ist inzwischen gesichert. Die Außenminister der 27 EU-Staaten werden trotz Meinungsunterschieden in Sachen Georgien am Montag in Brüssel einen entsprechenden Beschluss fassen, sagten EU-Diplomaten am Freitag.

Unstimmigkeiten im letzten Moment ausgeräumt

Die Beobachter sollen spätestens zum 1. Oktober in den bisher von russischen Truppen besetzten Pufferzonen nahe den abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien eingesetzt werden. Innerhalb von zehn Tagen müssen dann die russischen Soldaten aus diesen Pufferzonen abgezogen werden. Dies hatten der französische Präsident Nicolas Sarkozy und Russlands Präsident Dmitrij Medwedew am vergangenen Montag in Moskau vereinbart.

Bisher sind den Angaben zufolge elf Staaten, darunter auch Deutschland mit maximal 40 Personen, zur Entsendung von EU-Beobachtern bereit. Die angebotenen Kontingente überträfen derzeit den Bedarf, hieß es. Frankreich, das derzeitig den EU-Ratsvorsitz hat, habe bis zu 100 Beobachter angeboten. Offerten zur Bereitstellung von Beobachtern liegen auch aus Belgien, Estland, Großbritannien, Italien, Lettland, Litauen, Polen, Schweden und Spanien vor.

In letzter Minute sollen am Montag bei dem Außenministerrat noch Meinungsunterschiede ausgeräumt werden, die aber nach übereinstimmender Einschätzung von Diplomaten eine Einigung nicht verhindern werden. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob als Einsatzgebiet lediglich "Georgien" genannt oder ob im Text verdeutlicht wird, dass nach Ansicht der EU auch Südossetien und Abchasien zu Georgien gehören und Beobachter deshalb auch dorthin entsandt werden könnten.

Streit über die Schuldfrage

"Es ist unser Ziel, Beobachter in ganz Georgien einzusetzen", hieß es bei der französischen EU-Ratspräsidentschaft. "Aber unsere Priorität ist es, sie zunächst in jenen Gebieten einzusetzen, die an Südossetien und Abchasien angrenzen." Sarkozy hatte in Moskau lediglich die russische Zustimmung zum Einsatz von Beobachtern in den Pufferzonen erreicht, nicht jedoch in den abtrünnigen Regionen, die von Russland als unabhängige Staaten anerkannt wurden.

Auch die Frage, ob die Außenminister eine internationale Untersuchung zur Klärung der Schuldfrage am Ausbruch der Georgien-Krise vom 7. August in Auftrag geben, war noch umstritten. Vor allem Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte angeregt, zu klären, "wer mit welchen Ursachenanteilen an der Eskalation bis hin zur bewaffneten Auseinandersetzung beteiligt war". Georgiens Präsident Michail Saakaschwili hatte den Einmarsch in Südossetien angeordnet, der innerhalb eines Tages von nach Georgien vordringenden russischen Truppen zurückgeschlagen worden war.

Eine Minderheit von Regierungen wolle derzeit keine Untersuchung einleiten, die möglicherweise zu Schuldzuweisungen an Saakaschwili führen könne, sagten Regierungen. Möglicherweise werde die Untersuchung daher im Schlussdokument des Außenministerrates nur erwähnt, nicht aber wirklich beschlossen.

ffr/Reuters/dpa

KONFLIKT IM KAUKASUS - GEORGIEN, SÜDOSSETIEN, ABCHASIEN

Georgien und die Abtrünnigen

DER SPIEGEL
Südossetien hat sich in einem Krieg Ende 1990 bis Anfang 1992 von Georgien gelöst und ist seither de facto unabhängig. Nach Abschluss einer Waffenstillstandsvereinbarung 1992 wurde eine gemischte Friedenstruppe mit russischer Beteiligung stationiert. Ebenso wie das abtrünnige Abchasien gehört die Bergregion völkerrechtlich weiter zu Georgien, wird jedoch wirtschaftlich von Russland unterstützt. Die meisten Menschen, die dort leben, haben einen russischen Pass.

Zweimal - 1992 und 2006 - stimmten die südossetischen Einwohner für die Unabhängigkeit von Georgien. International wurden die Referenden jedoch nicht anerkannt. Georgiens Präsident Micheil Saakaschwili will die abtrünnigen Regionen wieder unter Kontrolle der Zentralregierung in Tiflis bringen. Bislang haben lediglich Russland und Nicaragua die Unabhängigkeit der beiden Provinzen anerkannt, stoßen damit aber international auf scharfe Kritik.

Stichwort Abchasien

Stichwort Südossetien

Die Rolle Russlands

Die Rolle der USA

Russlands Konflikt mit der Nato

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