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Russlands Botschafter in Berlin Kaviarhäppchen, Pomp und Propaganda

2. Teil: Mit Larmoyanz gegen die deutsche Presse

Das Problem ist aber ein anderes. Mit der festgefügten Meinung, deutsche Medien schrieben über Russland nichts weiter als Unfug, kam der Botschafter vor vier Jahren bereits nach Berlin. Er verkündete sie fast jedem dieser Zunft, den er irgendwo traf. Offenbar hatte er die Presse seines Gastlandes als ernstzunehmenden Partner bereits abgeschrieben, bevor er deutschen Boden betrat; den Kontakt zum SPIEGEL zum Beispiel suchte er – im Unterschied zu anderen akkreditierten Diplomaten – so gut wie nie. Auch sein Presseattaché zeigte sich desinteressiert. Da fällt es sicher schwer wahrzunehmen, dass die westliche Presse die Vorgänge im Kaukasus durchaus differenziert zu beschreiben versucht.

"Ach, wissen Sie, Russland war fast immer allein", antwortete Kotenew neulich auf die Frage eines Medienvertreters, ob sich Russland durch rücksichtsloses Vorgehen in Georgien international nicht isoliere, seine Argumente würden sowieso immer nur abgetan. Das ist genau jene larmoyante Haltung, in der sich die politische Elite seines Landes zunehmend gefällt. Die umgebende Welt sei Russland feindlich gesonnen, das gilt in Moskau inzwischen als Axiom: Man müsse damit aufhören, nach Westen zu schielen, um zu erfahren, wie dieser über Russland denkt.

PR-Maschine Georgien

Woraus sich aus russischer Logik ergibt, dass Arbeit mit jenen Medien, die man nicht – wie zu Hause – domestizieren kann, von vornherein vergebliche Liebesmüh ist. Da gehen die Georgier ganz anders vor: Seit dem Kaukasus-Krieg haben sie eine international versierte PR-Firma mit Sitz in Brüssel, London und Paris engagiert, welche die Medien nahezu stündlich mit den Argumenten der Saakaschwili-Führung bombardiert. Dazu gibt es Hintergrundgespräche und Interviewvorschläge, der Präsident selbst bietet sich noch nachts um drei als Gesprächspartner an. Nicht zuletzt deswegen haben Saakaschwilis Leute den Informationskrieg um Südossetien gewonnen, die russische Seite hat ihn verloren. Das übrigens ist eine Feststellung russischer Beobachter.

Aber so war es stets in Krisenzeiten russischer Politik, so ist es, seit Putin die Macht übernahm – ob im Jahr 2000 beim Untergang des Atom-U-Bootes "Kursk" oder 2004 nach dem Terrorangriff auf die Schule in Beslan: Negative Schlagzeilen in westlichen Medien gab es immer dann, wenn die russische Seite nichts zur Aufklärung beitrug.

"In Berlin tanzt der Bär", schrieb eine Zeitung nach dem Russisch-Deutschen Ball. Ein Diplomat, der zwar mit Charme und Chic agiert, aber gleichzeitig ein Stück Wirklichkeit auszublenden versucht, erweist seinem Land in der Tat einen Bärendienst.

Er wird Russlands Image nicht wirklich drehen.

Konflikt im Kaukasus - Georgien, Südossetien, Abchasien
DER SPIEGEL
Südossetien hat sich in einem Krieg Ende 1990 bis Anfang 1992 von Georgien gelöst und ist seither de facto unabhängig. Nach Abschluss einer Waffenstillstandsvereinbarung 1992 wurde eine gemischte Friedenstruppe mit russischer Beteiligung stationiert. Ebenso wie das abtrünnige Abchasien gehört die Bergregion völkerrechtlich weiter zu Georgien, wird jedoch wirtschaftlich von Russland unterstützt. Die meisten Menschen, die dort leben, haben einen russischen Pass.

Zweimal - 1992 und 2006 - stimmten die südossetischen Einwohner für die Unabhängigkeit von Georgien. International wurden die Referenden jedoch nicht anerkannt. Georgiens Präsident Micheil Saakaschwili will die abtrünnigen Regionen wieder unter Kontrolle der Zentralregierung in Tiflis bringen. Bislang haben lediglich Russland und Nicaragua die Unabhängigkeit der beiden Provinzen anerkannt, stoßen damit aber international auf scharfe Kritik.

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