Aus Guantanamo berichtet Matthias Gebauer
Doch trotz juristischen Beistands, den das Militär den Angeklagten zugesteht, verbleibt das Verfahren im Ausnahmezustand. So muss Binalshibh für jedes Anwaltsgespräch gefesselt und mit einer Mütze über dem Kopf in einem Van mit verklebten Scheiben aus dem strikt abgeschotteten "Camp 7" gebracht werden, in dem er mit den anderen "High Value Detainees", den 9/11-Hauptverdächtigen, einsitzt.
Die Anwältin betonte, dies erinnere ihren Mandanten so sehr an seine Verschleppung durch die CIA, dass er viele Treffen mit den Juristen abgelehnt hätte. Mit bitter-zynischem Humor bot sie an, sie lasse sich gerne fesseln, um Binalshibh im "Camp 7" zu besuchen. Dies wiederum lehnte das Militär strikt ab, da die Geheimhaltung und Sicherheit des Terrorgefängnisses gefährdet sei.
Am Ende war es ausgerechnet KSM, der eine Lösung anbot. Er persönlich, so ließ er dem Gericht durch seinen Anwalt mitteilen, könne Binalshibh bewegen, vor Gericht zu erscheinen. Wenn man ihn zu seinem Komplizen in die Zelle lasse, könne er leicht eine win-win-situation für alle Beteiligten in dem Prozess herbeiführen. "Wir wollen, dass unser Bruder hier anwesend ist", sagte Mohammed.
Es war ein Symbol, wie verfahren der Prozess bereits kurz nach dem Start ist, dass sich das Gericht tatsächlich auf das skurrile Angebot des Angeklagten einließ, wenn auch nur zum Teil. Richter Kohlmann beschloss, KSM und die Mitangeklagten sollten Briefe verfassen, die Binalshibh in die Zelle gebracht werden könnten. Zudem sollten die Anwälte am Abend noch einmal mit ihrem Klienten reden können.
Am Dienstag soll der Prozess im "Camp Justice" fortgesetzt werden. Wenn weder die Briefe von KSM noch die Anwälte Binalshibh umgestimmt haben, soll er mit Gewalt vorgeführt werden. Öffentlich werden diese Szenen nicht sein. Bei anderen "erzwungenen Vorführungen" in Guantanamo wurden die Zuschauer stets auf den Parkplatz geführt, bis unwillige Angeklagte an ihre Plätze gefesselt waren.
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