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Wahlkampfkulisse Uno Palin plauscht sich in die Weltpolitik

2. Teil: "Mein Sohn heißt Mirwais, 'Licht des Hauses'" - "Oh, nett"

Nach einigem bösen Hin und Her gab das McCain-Camp nach. Zumindest ein bisschen: Es ließ noch einen Producer zu, der den anderen berichten durfte - ein Kompromiss, der Palins Image kaum gefährdete.

Erster Termin: eine Hotelsuite in Midtown. Palin und Karzai saßen in Brokatsesseln. Karzai erwähnte seinen Sohn. "Wie heißt der?", erkundigte sich Palin. "Mirwais", antwortete Karzai. "Das heißt 'Licht des Hauses'." Palin: "Oh, nett." Nach 29 Sekunden Geplänkel wurden die Kameraleute hinauseskortiert.

Den Kolumbianer Uribe traf Palin in dessen Gesandtschaft auf der Upper East Side. Kolportiert wurden ihre Worte: "Danke für Ihre Arbeit." Mit Kissinger saß sie an der Park Avenue über Eck, neben Fotos von Ronald Reagan und Richard Nixon. Das Wort Georgien wurde aufgeschnappt, dann Palins Replik: "Und Sie geben mir dazu noch mehr Einblick, ja? Gut."

Das Uno-Duell zwischen Bush und Ahmadinedschad ging bei dieser Farce fast völlig unter. Dabei war es außenpolitisch von weit größerer Bedeutung - und außerdem das letzte seiner Art: Der US-Präsident nahm seinen Abschied von der Uno, mit der ihn jahrelang gepflegte Ressentiments verbanden.

Einst hatte Bush die Organisation als "Wachsfiguren-Museum" verspottet. Diesmal klang er fast kleinlaut, als er der Welt versicherte, "kühne Schritte" gegen die Wall-Street-Krise zu unternehmen. Zum Schluss lobte er die Uno sogar: Sie werde "dringender gebraucht denn je", so lange "Regimes wie Syrien und Iran" Terroristen unterstützten.

Ahmadinedschad, der in der fünften Reihe zuhörte, lächelte und winkte. Stunden später trat er zur Gegenrede an. Sie bestand aus den üblichen Tiraden auf das "zionistische Regime" (Israel) und die "tyrannischen Mächte" (die USA).

Doch auch Ahmadinedschad kam an Palin nicht vorbei. Tags zuvor hatten Tausende vor der Uno gegen ihn protestiert. Die Demonstration, organisiert von jüdischen Gruppen, wurde jedoch bald in "Sarah-Palin-Demo" umgetauft.

Palin und die Demokratin Hillary Clinton waren beide als Gastrednerinnen geladen. Doch als Clinton von Palin erfuhr, sagte sie wieder ab. Woraufhin auch Palin zurücktrat. Ihre geplante Rede fand sich stattdessen am selben Tag auf Seite eins der konservativen Zeitung "New York Sun" - welche Palin darob atemlos zur "neuesten Cinderella der internationalen Szene" kürte.

"Er muss aufgehalten werden", wetterte Palin da über Ahmadinedschad. "Die Welt muss die Bedrohung erkennen, die dieser Mann für uns alle darstellt." Iran könne "binnen eines Jahres" genügend spaltbares Material für eine Atombombe herstellen, sagte die mögliche US-Vizepräsidentin. Dass es von dort aus noch ein weiter Weg ist zu einer tatsächlich funktionierenden Atombombe, verschwieg Palin freilich. "Wenn McCain und Palin gewählt werden", schlussfolgerte der konservative Blogger Andrew Sullivan daraus, "wird es Krieg geben."

Was er von Palins Worten halte, wurde Ahmadinedschad am Abend im Kreise von Uno-Korrespondenten gefragt. Er schmunzelte. "Sie können sagen, was sie wollen", sagte er, "das heißt nicht, dass Iran darauf antworten muss."

CNN-Talkmaster Larry King hakte später noch mal nach. Ob er sich mit Palin treffen würde? Ahmadinedschad guckte etwas verwirrt. "Wird sie denn Präsidentin?" "Nein", klärte King ihn auf. "Ah", sagte Ahmadinedschad und schwieg.

Palin setzt ihre Schattendiplomatie heute fort. Gespräche sind mit einer ganzen Garde von Präsidenten angesetzt: Jalal Talabani (Irak), Asif Ali Zardari (Pakistan), Micheil Saakaschwili (Georgien), Viktor Juschtschenko (Ukraine). Und noch ein Weltmann: Bono, U2-Sänger und globaler Wohltäter.

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