Mittwoch, 10. Februar 2010

Politik



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25.09.2008
 

Finanzkrise

Demokraten spotten über McCains Wahlkampf-Pause

Von Marc Pitzke, New York

"Exzellente Idee" sagen die einen, "pure Inszenierung" höhnen die anderen: John McCain will seinen Wahlkampf aussetzen und sich auf die Finanzkrise konzentrieren - nun streitet Washington über den überraschenden Vorstoß. Um die erste TV-Debatte mit Obama wird der Republikaner aber kaum herumkommen.

New York - Die Kreditkrise hat nicht nur die Wall Street mitgenommen, sie hat auch John McCain zugesetzt. In den vergangenen zwei Wochen hat er die US-Wirtschaft erst als "stark" beschrieben - kurz darauf redete er von der "gravierendsten Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs". McCain musste erklären, warum einige Berater lange mit den Urhebern der Finanzkatastrophe verbandelt waren.

McCain am Mittwoch in New York: Dramatische Lage, dramatische Schritte?
AFP

McCain am Mittwoch in New York: Dramatische Lage, dramatische Schritte?

McCains Wahlkampfbus "Straight Talk Express" ("Klartext-Express") sei zum "Zickzack-Express" geworden, schrieb "Newsweek". Die Umfragewerte des republikanischen Präsidentschaftskandidaten sind leicht gefallen, während Rivale Barack Obama in mehreren Umfragen zulegte - landesweit und in umkämpften Schlüsselstaaten.

In solchen Fällen empfehlen die Wahlstrategen einen "game changer": eine Idee, mit der man das Thema wechseln kann, wie neulich die Nominierung der McCain-Vizekandidatin Sarah Palin. Prompt hatte McCain noch so eine Idee - eine sensationelle Ankündigung, für die er sich am Mittwochnachmittag in New York vor die Kameras stellte. Wegen "der historischen Krise", sagte er, werde er seinen Wahlkampf aussetzen und nach Washington eilen, um die stockenden Kongress-Verhandlungen zum 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket für die Wall Street persönlich anzukurbeln.

Auch plädierte er dafür, die Debatte mit Obama im Sinne der nationalen Einheit zu vertagen: "Es ist Zeit, dass beide Parteien zusammenfinden." Entschlossen, führungsstark, präsidial: Es war klar, welche Qualitäten McCain damit für sich beanspruchen will. Dramatische Lage, dramatische Schritte - war das reines Polit-Theater? Offen bleibt bisher die Frage, wie die Wähler reagieren.

"Das ist das Letzte, was wir brauchen"

Auch Präsident George W. Bush betonte in einer Fernsehansprache an die Nation die Brisanz der Krise. "Unsere gesamte Wirtschaft ist in Gefahr", warnte er und drängte zur raschen Einigung. Bush lud McCain und Obama für Donnerstag ins Weiße Haus ein, um eine Lösung zu finden - eine Einladung, die beide annahmen und die den Bühnenzauber McCains sofort neutralisierte.

Finanzminister Henry Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke sind bei ihrem Auftritt im Kongress kaum vorangekommen. Denn Abgeordnete beider Parteien sperren sich gegen einen bedingungslosen "Blankoscheck" für die Wall Street. Viele erinnern sich noch zu gut daran, wie sie 2003 ähnlich gehetzt wurden - in den Irak-Krieg. Auch jetzt sprechen alle von einer Stunde der Einheit. "Dies ist kein demokratisches Problem oder ein republikanisches", sagte Obama. "Dies ist ein amerikanisches Problem."

Ganz so eilig war es McCain doch nicht mit dem Wahlkampfstopp: Er absolvierte in New York noch seine Termine, darunter ein langes Interview mit CBS News und ein Treffen mit einer fahnenflüchtigen Hillary-Clinton-Freundin. Auch wird McCain dort noch seine Rede vor dem VIP-Spendengipfel Bill Clintons halten.

Dann will er nach Washington "eilen". Dort nahmen manche Kollegen McCains plötzliches wiedererwachtes Interesse für die Legislative irritiert auf - seit April hat er im Senat an keiner Sitzung teilgenommen. McCains Anwesenheit sei nicht nötig, sagte Demokratenchef Harry Reid. Im Gegenteil: Das würde nur Wahlkampfgetöse in die Verhandlungen zur Finanzkrise einbringen. "Bei allem Respekt für meinen Kollegen - wir schaffen das schon alleine."

Noch härter reagierte Chuck Schumer, der Chef des Finanzausschusses im Senat, auf McCains Geste. "Das ist das Letzte, was wir brauchen." Die meisten Republikaner dagegen begrüßten McCains Vorstoß. "Eine ausgezeichnete Idee", lobte Senator Mitch McConnell.

"Wir McCain-Leute brauchen eine Debatte"

Manche Republikaner jedoch waren baff. "Ich bin verdutzt", sagte Ed Rogers, ein Ex-Präsidentenberater. "Ich finde, wir McCain-Leute brauchen eine Debatte. Wenn wir keine haben, friert das alles ein, und der Status Quo begünstigt derzeit Obama." Obama lehnte McCains Vorschlag für eine Wahlkampf-Pause umgehend ab. "Ein Teil des Präsidentenjobs ist es, mehr als eine Sache gleichzeitig zu bewältigen." Es gebe ja Flugzeuge, mit denen man zur Not schnell nach Washington jetten könne.

Keine Debatte? "Dies ist doch genau die Zeit, in der die Leute von den Kandidaten hören müssen", sagte Obama." Der Demokrat hatte noch einen anderen Grund, McCains Vorstoß zu kritisieren: Denn die Idee zu einem gemeinsamen, überparteilichen Statement sei von Obama ausgegangen, hieß es aus seinem Team. Darauf habe man sich telefonisch geeinigt - doch 20 Minuten später sei McCain im Alleingang vorgeprescht.

Am Abend kam dann doch noch die gemeinsame Erklärung. "Dies ist die Zeit, zum Wohl der Landes über das Politisieren hinauszuwachsen", hieß es darin. "Wir können keine wirtschaftliche Katastrophe riskieren." Die unabhängige Kommission, die die TV-Debatte in Mississippi ausrichtet, teilte derweil mit, sie werde an ihrem Terminplan festhalten - selbst wenn nur ein Kandidat dazu erscheine.

TV-DUELLE - HIGHLIGHTS IM US-PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPF

1960 - Wie Kennedy den unrasierten Nixon besiegte

AP
Die Debatte zwischen dem damaligen Vize-Präsidenten Richard Nixon (rechts im Bild) und seinem demokratischen Herausforderer John F. Kennedy am 26. September 1960 gilt als Geburtsstunde des Fernsehens als wahlentscheidendem Medium und brachte den Durchbruch für Kennedy. Der sportliche Senator aus Massachusetts wandte sich mit jungenhaftem Charme direkt an die Zuschauer. Der schlecht rasierte und nach einer Erkrankung sichtlich abgemagerte Nixon verlor entscheidende Prozentpunkte, wie Umfragen belegten. Nach den schlechten Erfahrungen Nixons gab es eine 16-jährige Pause. Nixon gewann 1968 und 1972 die Wahlen und ging weiteren Debatten aus dem Weg.

1976 - Gerald Fords verhängnisvoller Fehler

1980 und 1984 - Reagan und der Humor

2000 - Die Erfolgstaktik des George W. Bush

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