Sonntag, 22. November 2009

Politik



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26.09.2008
 

Debattenchaos

McCain stellt sich dem ungeliebten TV-Duell

Aus Oxford berichtet Gregor Peter Schmitz

Jetzt debattiert er doch: Bis zuletzt hatte John McCain seinen Auftritt bei der ersten TV-Debatte an ein Junktim geknüpft - kein Rettungsplan für die Banken, keine Show. Doch der staatsmännische Gestus kam nicht an, der Republikaner sah wie ein Drückeberger aus und muss nun nachgeben.

Oxford - Der Druck auf ihn wurde zu hoch. Seht, ich stehe über dem Wahlkampfrummel, hatte John McCain eigentlich sagen wollen. Erst müssen wir die Bankenkrise bewältigen, dann können wir uns ins TV-Studio setzen. Aber knapp zehn Stunden vor der Live-Debatte auf dem Campus der University of Mississippi in Oxford dann der Kurswechsel: Ja, er wird mit seinem Kontrahenten Barack Obama diskutieren, pünktlich wie verabredet.

Pressezentrum an der Uni in Oxford, Mississippi:
AFP

Pressezentrum an der Uni in Oxford, Mississippi:

Der Bürgermeister von Oxford hatte bis zuletzt eine besorgte Miene gemacht, und auch der republikanische Gouverneur des Bundesstaats fürchtete sich vor einer Absage - Mississippi wollte sich unbedingt im Licht der Kandidaten sonnen. Obamas Team war sowieso schon demonstrativ angereist und hatte durchblicken lassen, notfalls werde man auch mit einem leeren Stuhl reden und halt immer wieder fragen: "Wo ist John McCain?" Die Kolumnistin der Lokalzeitung fragte gar: Hat John McCain etwa seine feinen Südstaatenmanieren vergessen?

Hat er wohl nicht. Um 20 Uhr Ortszeit, also etwa drei Uhr morgens deutscher Zeit, wird er also doch in Oxford auf der Bühne stehen. "John McCain will diese Debatte unbedingt", beeilte sich sein Vertrauter Joe Lieberman zu versichern.

Doch darüber sind sich viele Amerikaner nicht mehr so sicher. McCains Debattenzickzack fügt sich ein in eine sehr schwierige Woche für ihn. McCains Kalkül, er müsse nur nach Washington einfliegen, um die stockenden Verhandlungen über ein Finanz-Rettungspaket wie ein Wunderheiler lösen zu können, gingen nicht auf. McCain habe eine Einigung sogar eher verzögert, halten ihm Demokraten vor. Selbst republikanische Parteifreunde räumen ein, dass ihr Kandidat weitgehend stumm blieb in einem bizarren Treffen mit dem abgemeldeten Präsidenten Bush und dem Rivalen Barack Obama. Sollte heute ein Durchbruch im Kongress gelingen, kann McCain dies kaum als eigenen Erfolg verbuchen.

Droht ihm im TV-Duell nun ein weiterer Rückschlag? Oder lockt die Gelegenheit zur Rehabilitation?

Thema Wirtschaft - schwieriges Terrain

Schwer zu sagen, weil der Ablauf der Debatte völlig über den Haufen geworfen wurde. Eigentlich sollte es um die Außenpolitik gehen, um Amerikas Rolle in der Welt - eher eine Stärke des erfahrenen Senators McCain. Doch Jim Lehrer, Moderator der Debatte, hat sich vorbehalten, auch andere Fragen zu behandeln, vor allem natürlich zur Wirtschaftslage. Fragen dazu könnten McCain schmerzen. Wegen seiner Bemerkung, die Kerndaten der US-Wirtschaft seien doch in Ordnung. Oder wegen der Aussage seines Wirtschaftsberaters Phil Gramm, Amerikaner seien einfach weinerlich.

Auch die Vorbereitung ist durcheinander geraten. Eigentlich hatten beide Seiten viel Zeit freigeschaufelt, um jeden Kandidaten ausgiebig vorzubereiten. Nun müssen sie improvisieren, aber vielleicht sind sie darüber ganz froh. Beide lieben das Debattenformat nicht. Obama hat über zwanzigmal in den demokratischen Vorwahlen debattiert, aber selten überzeugt. Drew Westen, Autor des Bestsellers "The Political Brain", sagt im SPIEGEL-ONLINE-Interview: "Obama muss aufpassen, dass er nicht wie in einigen seiner letzten Debatten auftritt: zu intellektuell, endlos redend, wenig begeisternd."

McCain ist in Debatten ähnlich ungelenk wie bei öffentlichen Reden, er mag lieber intimere Bürgersprechstunden. Aber seine Auftritte in den vorigen Wochen waren durchaus überzeugend, auch bei Diskussionsveranstaltungen. Drew Westen lobt: "Er schaut die Zuschauer direkt an, er blickt geradewegs in die Kamera. McCain spricht in kurzen Sätzen. Er wirkt stark und entschlossen, das ist sehr überzeugend."

Helfen könnten dem auch die gelockerten Debattenregeln. Zwei Minuten werden die Rivalen jeweils zu jedem Thema sprechen, danach soll es munter hin- und hergehen.

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