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Aus Oxford berichtet Gregor Peter Schmitz
Oxford - Der Druck auf ihn wurde zu hoch. Seht, ich stehe über dem Wahlkampfrummel, hatte John McCain eigentlich sagen wollen. Erst müssen wir die Bankenkrise bewältigen, dann können wir uns ins TV-Studio setzen. Aber knapp zehn Stunden vor der Live-Debatte auf dem Campus der University of Mississippi in Oxford dann der Kurswechsel: Ja, er wird mit seinem Kontrahenten Barack Obama diskutieren, pünktlich wie verabredet.
Pressezentrum an der Uni in Oxford, Mississippi:
Hat er wohl nicht. Um 20 Uhr Ortszeit, also etwa drei Uhr morgens deutscher Zeit, wird er also doch in Oxford auf der Bühne stehen. "John McCain will diese Debatte unbedingt", beeilte sich sein Vertrauter Joe Lieberman zu versichern.
Doch darüber sind sich viele Amerikaner nicht mehr so sicher. McCains Debattenzickzack fügt sich ein in eine sehr schwierige Woche für ihn. McCains Kalkül, er müsse nur nach Washington einfliegen, um die stockenden Verhandlungen über ein Finanz-Rettungspaket wie ein Wunderheiler lösen zu können, gingen nicht auf. McCain habe eine Einigung sogar eher verzögert, halten ihm Demokraten vor. Selbst republikanische Parteifreunde räumen ein, dass ihr Kandidat weitgehend stumm blieb in einem bizarren Treffen mit dem abgemeldeten Präsidenten Bush und dem Rivalen Barack Obama. Sollte heute ein Durchbruch im Kongress gelingen, kann McCain dies kaum als eigenen Erfolg verbuchen.
Droht ihm im TV-Duell nun ein weiterer Rückschlag? Oder lockt die Gelegenheit zur Rehabilitation?
Thema Wirtschaft - schwieriges Terrain
Schwer zu sagen, weil der Ablauf der Debatte völlig über den Haufen geworfen wurde. Eigentlich sollte es um die Außenpolitik gehen, um Amerikas Rolle in der Welt - eher eine Stärke des erfahrenen Senators McCain. Doch Jim Lehrer, Moderator der Debatte, hat sich vorbehalten, auch andere Fragen zu behandeln, vor allem natürlich zur Wirtschaftslage. Fragen dazu könnten McCain schmerzen. Wegen seiner Bemerkung, die Kerndaten der US-Wirtschaft seien doch in Ordnung. Oder wegen der Aussage seines Wirtschaftsberaters Phil Gramm, Amerikaner seien einfach weinerlich.
McCain ist in Debatten ähnlich ungelenk wie bei öffentlichen Reden, er mag lieber intimere Bürgersprechstunden. Aber seine Auftritte in den vorigen Wochen waren durchaus überzeugend, auch bei Diskussionsveranstaltungen. Drew Westen lobt: "Er schaut die Zuschauer direkt an, er blickt geradewegs in die Kamera. McCain spricht in kurzen Sätzen. Er wirkt stark und entschlossen, das ist sehr überzeugend."
Helfen könnten dem auch die gelockerten Debattenregeln. Zwei Minuten werden die Rivalen jeweils zu jedem Thema sprechen, danach soll es munter hin- und hergehen.
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