Aus Oxford berichtet Gregor Peter Schmitz
Unverändert ist allein die Bedeutung des Duells. TV-Sender erwarten 70-80 Millionen TV-Zuschauer. Auch wenn Obama derzeit in Umfragen leicht führt, kann bei einem so umkämpften Zweikampf eine Debatte den Ausschlag geben.
Obama will die Nation überzeugen, "präsidial" zu sein. Sowohl in Sachen Kompetenz als auch zur Frage, ob Amerikaner den vor kurzem noch fast unbekannten Senator vier Jahre lang fast jeden Tag in ihr Wohnzimmer lassen wollen. Ronald Reagan gelang das 1980 im TV-Duell mit Jimmy Carter. Der hatte ihn als eine Art schießwütigen Cowboy und abgehalfterten Schauspieler gezeichnet - doch im Fernsehen wirkte Reagan charmant und glaubwürdig. Den Test vergeigte hingegen 1988 der Demokrat Michael Dukakis im Duell mit George H. W. Bush. Auf die Frage, ob er die Todesstrafe befürworten könne, sollte jemand seine Frau vergewaltigen und ermorden, gab Dukakis eine akademisch klingende Antwort. Die Amerikaner wandten sich ab: Kein Mumm, ihr Urteil.
McCain will Zweifel an seiner Fähigkeit, Wandel zu bewirken, ausräumen. Und an seinem Alter. Auch hier bietet sich die Reagan-Parallele an. Als der sich 1984 zur Wiederwahl stellte, 73 Jahre alt, schwächelte er in der ersten Debatte gegen Walter Mondale. Die Diskussionen um seine Eignung setzten ein, die Fragen, ob es nicht Zeit sei für ein frisches Gesicht im Weißen Haus. Doch Reagan konterte im nächsten Duell, vor allem mit einer legendären Antwort auf die Altersfrage. "Ich werde nicht aus politischen Gründen die Jugend und Unerfahrenheit meines Gegners thematisieren", sagte er. Selbst Mondale musste lachen - der Sieg war Reagan sicher.
Doch die depressive Stimmung dieser Tage in den USA wird vermutlich auch die Bewertung der Debatte ändern. Normalerweise konzentriert die sich auf solche schlagfertigen Momente. Oder auch auf Auftreten oder Aussehen. John F. Kennedy verstand 1960 das Medium Fernsehen besser als Richard Nixon, er erschien ausgeruht, geschminkt und rasiert. George H. W. Bush ließ sich 1988 im Duell mit Bill Clinton beim verstohlenen Blick auf die Uhr ertappen - Al Gore 2000 bei arroganten Seufzern in der Debatte mit George W. Bush.
Oder eben auf Humor. McCain ist dafür zwar bekannt, eher als der bisweilen sehr ernsthafte Obama. Doch diesmal erwarten die US-Experten keine Schenkelklopfer. Amerikaner seien einfach nicht in der Stimmung dafür.
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