Mittwoch, 10. Februar 2010

Politik



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27.09.2008
 

Obama gegen McCain

Hartes TV-Duell ohne klaren Sieger

Aus Oxford, Mississippi, berichtet Gregor Peter Schmitz

Sie duckten und sie keilten sich: Im ersten TV-Duell blieben die US-Präsidentschaftskandidaten Obama und McCain klare Antworten zur Finanzkrise schuldig - dafür lieferten sie sich bei den Themen Irak und Terrorabwehr harte Wortgefechte. Verlierer? Die Zuschauer.

Oxford - Eine knappe Viertelstunde ist um in dieser ersten Präsidentschaftsdebatte, Jim Lehrer, der Moderator, blickt zu den mächtigen Stehpulten der Kandidaten, er wirkt frustriert. "Sagen Sie es ihm direkt", fordert er Barack Obama auf. Obama schaut irritiert, Lehrer wiederholt: "Sagen Sie es direkt zu ihm." Obama blickt etwas scheu zu McCain, setzt an: "Nun, John, vor zehn Tagen haben Sie gesagt, die Fundamentaldaten der US-Wirtschaft seien in Ordnung." McCain grinst, Richtung Moderator: "Haben Sie Angst, ich hätte das nicht verstanden?" Lehrer seufzt: "Ich will doch nur, dass sie miteinander reden. Ich werde es versuchen."

Da tut er. Lehrer hat das Publikum ermahnt, nur ja keinen Mucks von sich zu geben, damit die beiden Kandidaten ganz im Mittelpunkt stehen. Er hat am Anfang klargestellt: "Es wird zwar vor allem um Außenpolitik gehen, aber das schließt natürlich die globale Finanzkrise ein." Lehrers erste Frage lautet: "Was halten Sie vom Rettungsplan der Bush-Regierung?"

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Doch alles vergebens. Amerika mag mitten in der dramatischen Finanzkrise auf einen regen Austausch der beiden Präsidentschaftskandidaten zur Wirtschaftslage hoffen. Aber McCain antwortet Obama auf seine Frage nach den Fundamentaldaten nicht, allen Ermunterungen Lehrers zum Trotz. Die Bewerber reden und reden zur trüben Konjunktur. Doch sie reden nacheinander, nebeneinander - nicht miteinander. McCain blickt während der ganzen Debatte kein einziges Mal zu seinem Rivalen.

Obama rasselt einen Plan herunter: "Wir müssen schnell und klug handeln." Mehr Kontrolle, denn 700 Milliarden Dollar Staatshilfe sei viel Geld. Keine Mittel für Vorstandsbosse und deren goldene Handschläge. Lieber Hilfe für Hausbesitzer mit drückenden Hypotheken.

McCain hat auch einen Plan: Optimismus. Demokraten und Republikaner würden im Kongress gemeinsam ein Paket schnüren (dass McCain das schon vor der Debatte durch seine Reise nach Washington mitverabschieden wollte, erwähnt er nicht). "Man muss an die Stärke der US-Arbeiter glauben", sagt er.

Bald verstricken sich beide Senatoren in ihren Lieblingsthemen. Für McCain: Ausgabenkürzungen und die Abschaffung der Vorzugsprojekte, die Abgeordnete in Washington ins Budget schmuggeln. "Die Staatsausgaben sind total außer Kontrolle geraten", wiederholt er immer wieder, er reckt einen Stift hoch: "Ich habe hier einen Stift, mit dem ich jedes Ausgabengesetz blockieren werde." Er stilisiert das zu einer echten Wertentscheidung - obwohl sich mit den 18 Milliarden für alle Vorzugsprojekte pro Jahr gerade mal rund 2,5 Prozent des aktuellen Finanz-Rettungsplans decken ließen.

WAS OBAMA UND MCCAIN ZU SAGEN HATTEN

Zum 700-Milliarden-Dollar-Paket

AFP
Barack Obama

"Ich bin optimistisch, dass wir uns zusammenraufen und einen Plan beschließen können. Senator McCain hat absolut Recht, wenn er sagt, dass wir mehr Verantwortung brauchen. Aber wir brauchen diese nicht nur dann, wenn wir in der Krise stecken.

Es ist schwer vorherzusehen, ob der Haushalt im kommenden Jahr genauso aussieht wie in diesem. Aber es gibt keinen Zweifel daran, dass wir nicht alles schaffen können, was ich für nötig halte. Es gibt einige Dinge, die wir, wie ich glaube, anpacken müssen. Und das wird zweifelsohne unseren Haushalt beeinflussen.

Dies ist das endgültige Urteil über acht Jahre verfehlter Wirtschaftspolitik, die Präsident Bush vorangetrieben und Senator McCain unterstützt hat."

AFP
John McCain

"Wir müssen das System in den Griff bekommen. Das System hat grundlegende Probleme. Der Einzelhandel zahlt nun die Zeche für die Exzesse und die Gier in Washington und an der Wall Street, und wir haben zweifelsohne noch eine Menge Arbeit vor uns.

Irgendwie ist es heutzutage so, dass Gier in Washington - und ich fürchte auch an der Wall Street - belohnt wird, ebenso wie Exzesse und Korruption oder zumindest Verantwortungslosigkeit. Wenn ich Präsident der Vereinigten Staaten wäre, würde ich die Menschen für ihr Verhalten zur Verantwortung ziehen.

Das Wichtigste ist doch, dass sich endlich Republikaner und Demokraten zusammensetzen, verhandeln und schließlich ein gemeinsames Paket verabschieden."

Steuern und Ausgaben

Irak

Afghanistan

Pakistan

Iran

Russland

Obama versucht sich auch an Werten, aber er bleibt gleichfalls in Formeln stecken. Er redet über Eltern, über Krankenschwestern, über Gesundheitsversorgung für alle. Über ungerechte Steuersenkungen für Reiche, die McCain vorschlage. Jeder Satz klingt gut, aber auch sehr vertraut.

So geht das fast 45 Minuten, zur wachsenden Frustration Lehrers. Soll das heißen, unterbricht er schließlich die Bewerber, die Finanzkrise beeinflusse ihre Pläne für die Machtübernahme gar nicht?

"Sie lagen falsch"

Obama sagt: "Ich werde meine Anliegen nicht aufgeben, aber man sie wird anders angehen müssen." McCain donnert wieder sein Credo vom Ausgabenstopp: außer fürs Militär, die Veteranen, laufende Sozialverpflichtungen. Da wendet sich Obama nach fast 40 Minuten das erste Mal wirklich zu McCain. "Dieser Präsident ist für gewaltige Budgetsteigerungen verantwortlich", sagt er. "Sie haben zu 90 Prozent mit ihm gestimmt." Doch bald guckt Obama wieder Richtung Lehrer, er redet weiter, aber seine Stimme fasert aus. "Das ist schwer zu schlucken", endet er schließlich matt - und schaut dabei fast auf den Boden.

Die ganze Woche versprachen Obama und McCain, ihre Strategie für einen Ausweg aus der Finanzkrise dem amerikanischen Volk mitteilen zu wollen. Aber nun, da bis zu 60 Millionen US-Bürger zuschauen, wirken beide froh, als Lehrer zur Außenpolitik überleitet.

Dabei geht es auch da nur um Krisen. Allen voran: Irak. Was man daraus lernen könne, fragt der Moderator. McCain: "Mit der falschen Strategie konnten wir nicht gewinnen. Aber jetzt sagen die Soldaten im Irak: Lass uns gewinnen." Obama hält dagegen: "Sie tun so, als habe der Krieg 2007 begonnen, nicht 2003. Damals haben Sie gesagt, es werde ein leichter Sieg. Sie lagen falsch. Sie haben gesagt, wir würden als Befreier begrüßt. Sie lagen falsch. Sie sagten, es werde keine Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten geben. Sie lagen falsch." Es ist vielleicht Obamas bester Moment. Er will die Urteilskraft McCains attackieren. Doch es geht dabei eben auch um die Vergangenheit.

"Das ist nicht nur naiv, es ist auch gefährlich"

Um die Zukunft gestalten zu können, muss Obama die Amerikaner von seiner Eignung als künftiger Oberbefehlshaber überzeugen. Gerade gegen McCain, der seine außenpolitische Erfahrung in dieser Phase der Debatte in jedem zweiten Satz unterstreicht - egal wie sehr das die Zuschauer an seine 72 Lebensjahre erinnert. Von Ronald Reagans Libanon-Abenteuer spricht McCain, vom Golfkrieg, vom Libanon, von Bosnien oder Kosovo. Alles für die eine These: "Ich habe mich intensiv mit diesen Themen beschäftigt." Will auch heißen: Obama nicht.

Und dieser geht ihm in der Debatte zur Iran-Politik in die Falle. Obama verteidigt sich: Er sei naiv genannt worden, mit Iran zu verhandeln, dabei tue die Bush-Regierung das jetzt auch. Doch McCain lässt nicht locker. "Das ist nicht nur naiv, es ist auch gefährlich", ruft er.

Obama will den Angriff weglächeln: Die Vorstellung sei doch lächerlich, in einem Treffen mit Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad werde dieser gegen Israel wettern - und man entgegne nichts. Da grinst McCain, fast boshaft, er wittert seine Chance: "Lassen Sie mich richtig zusammenfassen: Wir treffen Ahmadinedschad. Der sagt: 'Lasst uns Israel ausradieren.' Und wir sagen: 'Nein, bitte nicht?'"

Der Satz könnte hängenbleiben von diesem Abend. Er bündelt perfekt McCains These: Obama rafft es nicht.

Hat es McCain bis zur Mittellinie geschafft?

Der Demokrat findet zwar noch kluge Worte zu anderen Gefahren als Irak, der strategischen Herausforderung durch China, dem Umgang mit Russland. Er redet viel von vorausschauender Planung. Er wirkt sehr klug in diesen Passagen, vielleicht auch präsidial. Aber Außenpolitik ist für Amerikaner auch eine Wertefrage, daran hat ihn McCain deutlich erinnert.

Der Streit um die Auslegung beginnt gleich nach Debatten-Ende. Naiv und gefährlich habe sich Obama geäußert, beteuern McCains Spin-Doktoren. Obama habe den Test als Oberbefehlshaber locker bestanden, halten Obamas Helfer entgegen. "Wenn das ein Heimspiel für John McCain war", diktiert dessen außenpolitische Chefberaterin Susan Rice, "hat es McCain nicht mal bis zur Mittellinie geschafft."

So verkeilen sich beide Seiten. Am Wochenende, verlautet aus Washington, soll der US-Kongress über eine Lösung der Finanzkrise beraten. Überparteilich, versteht sich.

TV-DUELLE - HIGHLIGHTS IM US-PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPF

1960 - Wie Kennedy den unrasierten Nixon besiegte

AP
Die Debatte zwischen dem damaligen Vize-Präsidenten Richard Nixon (rechts im Bild) und seinem demokratischen Herausforderer John F. Kennedy am 26. September 1960 gilt als Geburtsstunde des Fernsehens als wahlentscheidendem Medium und brachte den Durchbruch für Kennedy. Der sportliche Senator aus Massachusetts wandte sich mit jungenhaftem Charme direkt an die Zuschauer. Der schlecht rasierte und nach einer Erkrankung sichtlich abgemagerte Nixon verlor entscheidende Prozentpunkte, wie Umfragen belegten. Nach den schlechten Erfahrungen Nixons gab es eine 16-jährige Pause. Nixon gewann 1968 und 1972 die Wahlen und ging weiteren Debatten aus dem Weg.

1976 - Gerald Fords verhängnisvoller Fehler

1980 und 1984 - Reagan und der Humor

2000 - Die Erfolgstaktik des George W. Bush

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