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03.10.2008
 

Wahlkampf-Endspurt

McCain schreibt Michigan ab

Schwerer Rückschlag für John McCain: Der republikanische Präsidentschaftskandidat hat sich als erster komplett aus einem umkämpften Bundesstaat zurückgezogen. In Michigan überlässt der Republikaner seinem Kontrahenten Barack Obama das Feld. Auch der kann sich nun verstärkt anderen Regionen zuwenden.

Washington - Angesichts von Umfragen, die den demokratischen Bewerber in dem US-Staat deutlich in Führung sehen, würden Mitarbeiter und Werbekampagnen aus Michigan abgezogen, bestätigte McCains Wahlkampfteam am Donnerstag. Der Kandidat sagte zudem einen für nächste Woche angesetzten Besuch des Bundesstaats ab.

McCain auf Wahlkampftour: Nach Michigan rufen neue Bundesstaaten
AFP

McCain auf Wahlkampftour: Nach Michigan rufen neue Bundesstaaten

Es ist das erste Mal in diesem Wahlkampf, dass einer der beiden Kandidaten für den Einzug ins Weiße Haus einen bislang heiß umkämpften Staat aufgibt. Michigan gilt mit seinen zehn Millionen Einwohnern als entscheidend für den Ausgang der Wahlen am 4. November. Bei den vergangenen vier Abstimmungen gewannen dort die Demokraten.

Künftig werde sich der republikanische Senator auf aussichtsreichere Bundesstaaten konzentrieren, wo er größere Siegeschancen gegen seinen demokratischen Rivalen Barack Obama habe, sagte McCains Wahlstratege Greg Strimple am Donnerstag. Es sei wenig sinnvoll, Geld und Arbeitskraft in Staaten zu verschwenden, in denen McCain nicht gewinnen könne, führte Strimple weiter aus: "Und aus meiner Sicht stand Michigan ganz oben auf der Liste." McCains Berater verwies darauf, dass Obama ebenfalls seine Strategie aufgegeben habe, in allen 50 Bundesstaaten Wahlkampf zu führen.

Damit dürfte nun auch Obama Geld für den Wahlkampf in Michigan abziehen und es stattdessen in anderen Staaten wie Virginia, Colorado und North Carolina einsetzen, um dort bei Anhängern der Republikaner Boden gutzumachen.

Vor dem Hintergrund der dramatischen Finanzkrise verliert McCain derzeit deutlich an Stimmen. Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung der "Washington Post" entfielen auf Obama landesweit 50 Prozent der Wählerstimmen, auf McCain nur 46 Prozent. Einer Umfrage der "New York Times" zufolge würden derzeit 48 Prozent Obama wählen und nur 42 Prozent McCain.

In Indiana konnte Obama zuletzt deutlich aufholen, nachdem er dort über Monate hinweg einen kostenintensiven Wahlkampf geführt hatte, ohne dass die Republikaner darauf reagiert hätten. Jetzt will McCains Team den Kampf um die elf Wahlmänner mit einer Fernsehkampagne aufnehmen.

In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des renommierten Quinnipiac-Instituts zu den möglicherweise wahlentscheidenden Staaten Florida, Ohio und Pennsylvania verzeichnete Obama einen klaren Vorsprung vor seinem republikanischen Gegner John McCain, der dort noch vor einem Monat zum Teil klar geführt hatte. Der Umfrage zufolge trauen die Wähler Obama die größte Kompetenz in Wirtschaftsfragen zu.

In der Fernsehdebatte am Donnerstag Abend zwischen den Vizepräsidentschafts-Kandidaten hielt sich zwar die Republikanerin Sarah Palin erstaunlich gut gegen den demokratischen Bewerber Joe Biden, konnte jedoch trotzdem kaum punkten. Umfragen unmittelbar nach dem Duell sahen übereinstimmend Biden als Sieger. Auch davon kann sich McCain also keine Verkürzung des Rückstands zu Barack Obama versprechen.

John McCain setzt nun offenbar darauf, mit der Wirtschaftskompetenz anderer zu punkten. Im Falle eines Wahlerfolgs würde er gerne Starinvestor Warren Buffett oder die ehemalige Ebay-Chefin Meg Whitman zum Finanzminister ernennen, deutete der Kandidat nun an. In einem Reuters-Interview wollte er am Donnerstag nicht sagen, ob der derzeitige Amtsinhaber Henry Paulson in einer von ihm geführten Regierung Chancen auf einen Amtsverbleib habe. "Es sollte jemand sein, den die Amerikaner kennen und der Vertrauen und Zuversicht weckt", antwortete McCain auf die Frage nach den Kandidaten für dieses Amt. "Da gibt es Leute wie (Cisco-Chef) John Chambers, Meg Whitman oder Warren Buffett."

Auch dem US-Notenbankchef Ben Bernanke wollte McCain keine Zusage für eine Amtsverlängerung machen. "Er hat eine bestimmte Amtszeit, deshalb müsste ich mir die allgemeine Lage zu diesem Zeitpunkt ansehen." Viel hänge davon ab, wie sich die wirtschaftliche Situation bis dahin entwickle. Der Senator aus Arizona äußerte sich "verhalten zuversichtlich", dass das Repräsentantenhaus dem Rettungspaket über 700 Milliarden Dollar zustimmen wird. Zu seinen weiteren wirtschaftlichen Prioritäten sagte McCain: "Wir müssen damit aufhören, unsere Wirtschaft an China zu verpfänden und sie zu bitten, unsere Schulden zu finanzieren."

dab/AP/AFP/dpa

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