Bangkok - Nach schweren Unruhen mit zahlreichen Verletzten hat der stellvertretende thailändische Regierungschef seinen Rücktritt erklärt. Chavalit Yongchaiyudh zog die Konsequenzen aus heftigen Zusammenstößen zwischen regierungsfeindlichen Demonstranten und der Polizei vor dem Parlamentsgebäude. Dabei wurden am Dienstag mindestens 70 Demonstranten verletzt, sieben von ihnen schwer.
Zwei Menschen wurden Augenzeugen zufolge Gliedmaßen abgerissen. Einer verlor seine Hand - offenbar durch explodierende Tränengasgeschosse, die aus unmittelbarer Nähe abgefeuert worden waren. Einem anderen musste auf offener Straße das Bein amputiert werden.
Chavalit übernahm die politische Verantwortung für die Zusammenstöße. Er war im Kabinett für Sicherheitsfragen zuständig und galt als Schlüsselfigur zur Lösung der seit sechs Wochen andauernden politischen Krise in Bangkok.
Mehrere tausend Demonstranten belagerten am Dienstagmorgen das Parlament, um den neuen Ministerpräsidenten Somchai Wongsawat an seiner ersten Rede vor den Abgeordneten zu hindern. Die Sitzung begann schließlich mit 90 Minuten Verspätung, während es vor dem Parlament zu einer Straßenschlacht kam. Die Demonstranten versperrten einen der vier Eingänge des Parlamentsgebäudes mit einer Kette. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Menge vor.
Die Anhänger der konservativen Volksallianz für Demokratie (PAD) halten schon seit Ende August die Umgebung des Amtssitzes des Ministerpräsidenten besetzt. In der Nacht zum Dienstag errichteten sie vor dem Parlament Barrikaden aus Reifen und Stacheldraht. Die oppositionelle Demokratische Partei boykottierte die Parlamentssitzung. Somchai musste angesichts der Blockaden per Helikopter fliehen. Hunderte Abgeordnete saßen auf dem umstellten Gelände fest.
Somchai wurde erst am 25. September vereidigt. Die Volksallianz betrachtet ihn als Marionette des früheren Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, der 2006 bei einem Militärputsch gestürzt wurde und im Exil lebt. Somchai ist ein Schwager von Thaksin.
phw/dpa/AP
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