Bangkok - Chaos in Bangkok: Die blutigen Unruhen in der thailändischen Hauptstadt fordern immer mehr Opfer - bislang verzeichnen die Behörden zwei Tote und mehrere hundert Verletzte.
Der stellvertretende thailändische Regierungschef erklärte seinen Rücktritt. Chavalit Yongchaiyudh zog die Konsequenzen aus heftigen Zusammenstößen zwischen mehreren Tausend regierungsfeindlichen Demonstranten und der Polizei vor dem Parlamentsgebäude.
Ein Mensch kam am Abend bei der Explosion eines Autos vor dem Parlament ums Leben. Bei dem Opfer handelt es sich den Angaben zufolge um den Fahrer. Die Umstände der Explosion blieben zunächst unklar. Die Polizei vermutet allerdings einen Anschlagsversuch und ging von der Detonation einer Autobombe aus. Eine Frau erlag zudem ihren Verletzungen.
Bis zum Abend wurden nach Krankenhausangaben 381 Verletzte behandelt, darunter knapp 50 Schwerverletzte. Zwei Männern wurden Teile der Beine durch explodierende Tränengasgranaten abgerissen. Zwei Polizisten wurden angeschossen, ein anderer wurde mit einem Messer verletzt.
Gewaltsame Auseinandersetzungen spielten sich auch am Polizeipräsidium ab. Auch dort ging die Polizei mit Tränengas und Blendgranaten gegen Demonstranten vor, die mit Steinen und Feuerwerkskörpern warfen. Ein mit Gülle beladener Wagen der Stadtreinigung verstreute Jauche vor dem Gebäude.
Vize-Premier Chavalit übernahm mit seinem Rücktritt die politische Verantwortung für die Zusammenstöße. Er war im Kabinett für Sicherheitsfragen zuständig und galt als Schlüsselfigur zur Lösung der seit sechs Wochen andauernden politischen Krise in Bangkok.
Mehrere tausend Demonstranten hatten am Dienstagmorgen das Parlament belagert, um den neuen Ministerpräsidenten Somchai Wongsawat an seiner ersten Rede vor den Abgeordneten zu hindern. Die Sitzung begann schließlich mit 90 Minuten Verspätung, während es vor dem Parlament zur Straßenschlacht kam. Die Demonstranten versperrten einen der vier Eingänge des Parlamentsgebäudes mit einer Kette.
Die Anhänger der konservativen Volksallianz für Demokratie (PAD) halten schon seit Ende August die Umgebung des Amtssitzes des Ministerpräsidenten besetzt. In der Nacht zum Dienstag errichteten sie vor dem Parlament Barrikaden aus Reifen und Stacheldraht. Die oppositionelle Demokratische Partei boykottierte die Parlamentssitzung. Somchai musste angesichts der Blockaden per Helikopter fliehen. Hunderte Abgeordnete saßen auf dem umstellten Gelände fest.
Ein Militärsprecher erklärte am Abend (Ortszeit), dass die Polizei die Armee um Hilfe gebeten habe. Soldaten würden in der Nacht gemeinsam mit Polizisten auf Patrouille gehen, um die Ruhe wiederherzustellen, sagte der Sprecher.
Somchai wurde erst am 25. September vereidigt. Die Volksallianz betrachtet ihn als Marionette des früheren Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, der 2006 bei einem Militärputsch gestürzt wurde und im Exil lebt. Somchai ist ein Schwager von Thaksin.
ffr/phw/dpa/AP/Reuters/AFP
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