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14.10.2008
 

Welthunger-Index

Dramatische Nöte in 33 Ländern

Immer mehr Menschen hungern. Die Zahl der akut Leidenden ist in den Jahren 2002 bis 2006 weltweit von 848 auf 923 Millionen Menschen angewachsen. Steigende Lebensmittelpreise haben die Krise verschärft.

Berlin - In 33 Ländern der Welt leiden die Menschen unter dramatischer Hungersnot. Für diese Nationen spricht der heute in Berlin veröffentlichte "Welthunger-Index" von einer "alarmierenden oder extrem alarmierenden Hungersituation". Insgesamt ist die Zahl der Hungernden weltweit von 848 auf 923 Millionen Menschen gestiegen.

Der elfjährige Cajeunes aus Cite Soleil auf Haiti: Die Lebensmittelkrise bedroht immer mehr Menschen
AP

Der elfjährige Cajeunes aus Cite Soleil auf Haiti: Die Lebensmittelkrise bedroht immer mehr Menschen

"Fast eine Milliarde Hungernde sind eine Schande für die Menschheit", erklärte die Vorstandsvorsitzende der Welthungerhilfe, Ingeborg Schäuble, zu der von ihrer Organisation herausgegebenen Studie, die auf Zahlen der Uno basiert. "Im Gegensatz zu den Banken sind sie nicht selbst schuld an ihrer Misere." Das allgemeine Umdenken über die Rolle des Staates im Zuge der Finanzkrise müsse sich auch auf die Hungerkrise erstrecken. "Die Welt braucht ein Rettungspaket gegen den Welthunger", verlangte die Ehefrau von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU).

In dem Bericht heißt es, seit 1990 gebe es in einigen Regionen der Erde durchaus langsame Fortschritte, vor allem in Süd- und Südostasien, im Nahen Osten und Nordafrika sowie in Lateinamerika und in der Karibik. Dennoch bleibe die Zahl der Hungernden in Südasien hoch. Im Afrika südlich der Sahara sei es ebenso schlimm, und dort gehe auch nichts voran. Am schlimmsten sei die Lage in der Demokratischen Republik Kongo, Eritrea, Burundi, Niger und Sierra Leone.

Hungerkrise

Horand Knaup
SPIEGEL ONLINE hat in neun Ländern Mütter getroffen, die von ihrem Alltag erzählen. Vom Schlangestehen beim Bäcker, vom immer karger werdenden Speiseplan, von der täglichen Angst vor leeren Tellern.
"Für hungernde und unterernährte Menschen in diesen Regionen stellen die steigenden Lebensmittelpreise eine ernste Bedrohung dar", heißt es in dem Bericht. "Menschen, die bereits zu wenig zu essen hatten, um sich gesund zu ernähren, stellen fest, dass sie sich nun noch weniger leisten können. Hunger ist eins der ernstesten Probleme, mit denen die Welt konfrontiert ist."

Die Autoren fordern deshalb mehr Anstrengungen. Nötig seien nicht nur mehr Nahrungsmittelhilfe, sondern auch viel höhere Investitionen in die Landwirtschaft und in soziale Sicherungsprogramme, ein faires Welthandelssystem, eine veränderte Haltung zu Biokraftstoffen und Maßnahmen zur Beruhigung des Lebensmittelmarkts.

asc/AP

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