Aus Miami berichtet Marc Pitzke
Obamas lässiger Umgang mit den Fakten ist jedoch nichts gegen die krassen Lügen, die McCain auf der Zielgeraden verbreitet. Eine Studie der University of Wisconsin ergab kürzlich, dass 34 Prozent der Obama-Werbung "negativ", also gegen den Widersacher gerichtet war - bei McCain seien es fast 100 Prozent gewesen.
Die Strategie dabei ist, den anderen als "unwählbar" zu diskreditieren. Zum Beispiel so: "Obama und Terrorist Bill Ayers - Freunde", proklamiert ein aktuelles Internet-Video McCains. "Ayers und Obama leiteten gemeinsam eine radikale Bildungsstiftung, heißt es.
Beides ist nachweislich falsch. Die "Freundschaft" war eine flüchtige Bekanntschaft, und die "radikale Bildungsstiftung" war der Woods Fund, eine Wohltätigkeitsorganisation gegen Armut, in deren Direktorium Obama und der ehemalige Linksradikale und heute weithin respektierte Uni-Professor Ayers vor Jahren mal saßen.
In anderen Spots beschuldigt McCain seinen Rivalen, "lange und tiefe Verbindungen" zur Wählerregistrierungsgruppe Acorn zu haben, die wiederum "massiven Wahlbetrug" begehe. Gegen Acorn wird zwar ermittelt, weil einige Mitarbeiter fiktive Personen als Wähler eingeschrieben haben sollen, um Extragebühren zu erschwindeln - aber nicht gegen Wahlbetrug, was eine völlig andere Sache ist. "Dafür", resümiert FactCheck.org, "gibt es keinen Nachweis."
Noch perfider aber - und sogar im eigenen Lager umstritten - sind die "Robocalls", die McCain seit voriger Woche massiv gegen Obama einsetzt. Das sind automatische, per Computer gesteuerte Anrufe bei gezielten Wählern, in denen Gerüchte über Obama gestreut werden - eine verrufene Methode, der McCain selbst im Jahr 2000 im Vorwahlkampf gegen George W. Bush zum Opfer fiel und die er damals noch als "niederträchtig" verurteilte.
"Hallo, ich rufe im Auftrag von John McCain und der republikanischen Partei an", sagt eine Männerstimme. "Sie müssen wissen, dass Barack Obama eng mit Terrorist Bill Ayers zusammengearbeitet hat, dessen Organisation Bombenanschläge auf das US-Kapitol, das Pentagon und das Haus eines Richters verübt und Amerikaner umgebracht hat." Solche Anrufe wurden unter anderem aus wichtigen "Swing States" wie Ohio, Colorado, New Mexico, Pennsylvania, Virginia, North Carolina, Florida, West Virginia und Illinois gemeldet.
McCain hat dieses Vorgehen noch am Montag als "völlig akkurat" verteidigt. Doch selbst seine Vize-Kandidatin Sarah Palin und andere Top-Republikaner haben sich davon distanziert.
Fazit: Beide Seiten nehmen es bei ihrer Wahlwerbung mit der Wahrheit nicht so genau. "Die Wahrheit", schreibt FactCheck.org, "ist selten so unkompliziert, dass sie säuberlich in einen Spot, einen Soundbite oder eine Ketten-Mail passt." McCain greift aber wesentlich tiefer in die Kiste der üblen Tricks als Obama.
Manchmal reicht aber auch ein billigerer Einfall, um Obamas Massenpräsenz medienwirksam zu konterkarieren. Während Obamas Rede am Dienstag in Miami kurvte ein kleines Flugzeug über dem Centennial Park hin und her und zog dabei ein langes Werbebanner hinter sich her: "Barack, distanziere dich von Ayers."
Der Adressat tat so, als sehe er nichts - bis er von McCains "negativem Wahlkampf" sprach. Da guckte er kurz demonstrativ in den Himmel.
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