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26.10.2008
 

Protest gegen Räumung

Jüdische Siedler greifen israelische Armee an

Die Gewalt zwischen jüdischen Siedlern und der israelischen Armee eskaliert: Weil Soldaten ein illegal errichtetes Haus im Westjordanland räumen wollten, gingen die Siedler zum Angriff über. Sie riefen im Radio sogar zur Rache auf - und brachen damit ein Tabu.

Hebron - Eigentlich galt bislang: Jüdische Siedler wenden keine Gewalt gegen israelische Streitkräfte an. Doch damit ist es nun vorbei. Extremistische jüdische Siedler attackierten am Sonntag israelische Truppen, weil die einen illegal errichteten Außenposten in der Nähe von Hebron zerstört hatten. Ein Siedler habe einen Polizisten verwundet, zwei weitere hätten Polizeiautos angezündet, hieß es. Laut Polizei gab es mehrere Festnahmen.

Im Radio riefen Siedler sogar zur Rache gegen die israelische Armee auf und verletzten damit das Tabu, das Gewalt gegen die eigenen Streitkräfte untersagt. Die Siedler verwüsteten außerdem einen muslimischen Friedhof und schlitzten die Reifen von zwei Dutzend Autos auf, die Arabern gehörten, wie die Armee mitteilte. Die israelische Polizei gab jedoch an, es sei nicht sicher, dass die Taten von Siedlern begangen worden seien.

Der von den Soldaten zerstörte Außenposten war von dem bekannten Ultranationalisten Noam Federman errichtet worden. Die Unruhen werfen ein Schlaglicht auf die Probleme, vor denen die israelische Regierung steht, falls sie in einem Friedensvertrag mit den Palästinensern einer Räumung der Siedlungen zustimmen sollte.

Die israelische Armee hatte bereits vor einer Woche drei ohne Genehmigung errichtete jüdische Siedlungen im Westjordanland zerstört. Die israelische Regierung hatte sich gegenüber den USA wiederholt dazu verpflichtet, gegen den illegalen Bau israelischer Siedlungen vorzugehen.

Palästinenser beziehen Stellung in Hebron

In Hebron bezogen inzwischen rund 600 palästinensische Polizisten ihre Stellungen. Hebron, eine frühere Hochburg der radikalen Hamas, ist der größte Ort im Westjordanland und die dritte Stadt, in der Sicherheitskräfte verstärkt wurden, die dem gemäßigten Präsidenten Mahmud Abbas unterstellt sind. Der Sicherheitschef von Hebron, Samih Seifi, kündigte ein entschlossenes Vorgehen gegen Kriminelle und Militante an.

Dass ausgerechnet der jüdische Sabbat für die Truppenverstärkung gewählt wurde, hing offenbar damit zusammen, dass man damit Protesten der Hunderten von jüdischen Siedlern in der Stadt zuvorkommen wollte. Hebron ist geteilt: Die Innenstadt wird von Israel kontrolliert, der größte Teil steht unter palästinensischer Kontrolle.

cvk/AP/Reuters

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