Von Susanne Koelbl und Maysam Najafizada
Kunduz - Deutsche Soldaten haben am Wochenende fünf Afghanen in der Nähe von Kunduz mit Schüssen verletzt. Das bestätigte ein Sprecher der Bundeswehr SPIEGEL ONLINE. Der Vorfall ereignete sich bereits am Freitag um 22.25 Uhr Ortszeit auf der Straße zwischen Kunduz und Badagschan, nördlich von Kunduz.
Deutsche Soldaten hatten dort während einer Patrouille einen temporären Checkpoint errichtet, als sich ihnen ein Fahrzeug näherte. Die Soldaten seien in Alarmbereitschaft versetzt gewesen, weil die Bundeswehr Informationen über ein verdächtiges Auto in der Region erhalten hatte, das sich auf dem Weg in die Provinz befunden habe, erklärte der Sprecher der Bundeswehr in Kunduz, Jürgen Fischer, weiter.
"Wir haben gerade geparkte Autos überprüft, als sich uns ein unbekanntes Fahrzeug in hoher Geschwindigkeit näherte", sagte Fischer. Die Soldaten hätten Warnschüsse abgegeben, aber das Auto habe nicht angehalten. "Wir hatten keine andere Möglichkeit, den Wagen zu stoppen", erklärte Fischer SPIEGEL ONLINE weiter. "Wir haben auf den Motor geschossen, dann sprangen mehrere Insassen aus dem Auto und liefen davon."
Man habe in dem Auto eine Leiche transportiert, erklärte ein Passagier, der bei dem Zwischenfall leicht verletzt wurde. Vor dem deutschen Checkpoint sei eine afghanische Straßensperre gewesen. Man habe den afghanischen Posten gesagt, dass man den Toten nach Kunduz transportieren wolle - "sie ließen uns gehen", erklärte der verletzte Zeuge. Als sich der Wagen dann dem deutschen Checkpoint genähert habe, hätten die Soldaten Schüsse abgegeben. Man habe das Auto gestoppt, daraufhin hätten die Deutschen auf die Insassen gefeuert, als sie den Wagen verlassen wollten. Diese Version bestätigte auch ein afghanischer Polizist gegenüber SPIEGEL ONLINE.
Die insgesamt fünf Verletzten seien anschließend in ein Hospital gebracht worden. Zwei Schwerverletzte seien von der Bundeswehr in ein deutsches Lazarett in Masar-i-Scharif gebracht worden. Sie seien inzwischen in stabiler Verfassung, so ein Sprecher der Bundeswehr in Kunduz.
Bei den Opfern handelt es sich nach Angaben der örtlichen Polizei um Afghanen aus der Region.
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