London - Eine führende Wirtschaftszeitung macht sich stark für Barack Obama: Die "Financial Times" hat sich für den Demokraten als künftigen US-Präsidenten ausgesprochen. Obwohl die Zeitung die Handelspolitik des republikanischen Konkurrenten John McCain vorziehe, sei Obama "die richtige Wahl", schrieb das weltweit gelesene Blatt am Montag in einem Leitartikel.
US-Präsidentschaftskandidat Obama: Vorsprung in den Umfragen
Gleichzeitig kritisierte die "Financial Times" die Handelspolitik der Demokraten als "enttäuschend". Sie begünstige Protektionismus, während sich McCain "bravourös und beständig" handelsfreundlich verhalten habe. Angesichts der weltweiten Finanzkrise habe aber wiederum Obama mehr Sachverstand bewiesen und Ruhe bewahrt, während McCain hastig agierte.
Vor der britischen "Financial Times" hatten bereits die angesehenen US-Zeitungen "New York Times" und "Washington Post" für Obama als Präsidenten plädiert.
Gut eine Woche vor der US-Wahl liegt Obama in Umfragen bis zu zehn Prozentpunkte vor McCain. Einer Erhebung von Reuters/C-SPAN/Zogby zufolge führt der US-Demokrat auch in fünf umkämpften Staaten, sogenannten "battleground states": Demnach liegt Obama in Virginia, North Carolina, Missouri, Ohio und Nevada vor McCain. Der Republikaner hat demnach einen Vorsprung in West Virginia und Indiana.
Einem Bericht des "Telegraphs" zufolge gibt es inzwischen Streit zwischen dem Wahlkampfteam von McCain und den Helfern seiner Vize-Kandidatin Sarah Palin. Ein Berater McCains soll Palin als "Diva" bezeichnet haben, nachdem sich Palin darüber beschwert hatte, von McCains Team zu stark kontrolliert und dirigiert zu werden. Sie wolle künftig stärker ihren eigenen Weg gehen, hieß es.
Die Vize-Kandidatin und die Republikaner waren zuletzt in die Kritik geraten, als bekannt geworden war, dass 150.000 Dollar aus der Parteikasse in die Imagepolitur der Vize-Kandidatin geflossen waren. Spender forderten daraufhin ihr Geld zurück.
McCain sah sich genötigt, seine Vize-Kandidatin als bodenständige Politikerin zu verteidigen. "Sie lebt ein bescheidenes Leben", sagte der Republikaner.
Palin kündigte jetzt an, wieder ihre eigene Kleidung zu tragen. Einem Bericht von "Times Online" zufolge trat sie bei einem Wahlkampfauftritt in Asheville (North Carolina) in Jeans auf.
Inzwischen rechnen aber selbst viele Republikaner nicht mehr mit einem Wahlsieg McCains: Der konservative Vordenker David Frum, ein früherer Redenschreiber von Präsident George W. Bush, hat bereits einen bitteren Nachruf auf McCains Kampagne verfasst. "Es gibt viele Arten, eine Präsidentschaftswahl zu verlieren", schrieb Frum am Sonntag in der "Washington Post". "John McCain verliert sie auf eine Art, die die ganze Republikanische Partei mit nach unten reißen könnte." Frum kritisiert McCains sprunghafte Reaktion auf die Finanzkrise und seine wenig glaubhaften Versuche, den Gegner Obama mal als Terroristenfreund und mal als Sozialisten hinzustellen: "Diese Strategie hat die Basis der Republikaner mobilisiert, aber die Wähler der Mitte abgeschreckt, und nur dort kann die Wahl gewonnen werden."
hen/AFP/AP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema US-Präsidentschaftswahl 2008 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH