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Chefberater David Axelrod Der Obama-Macher

2. Teil: Die politische Ur-Erfahrung des Gurus? Eine Rede John F. Kennedys

Sein politisches Erweckungserlebnis hatte Axelrod nach eigenem Bekunden bereits im zarten Alter von fünf, als John F. Kennedy 1960 in New York eine Rede hielt: Er war mit seiner schwarzen Kinderfrau Jessie Berry unterwegs, die ihn auf einen Briefkasten hievte, damit der kleine David dem großen Kennedy beim Reden zusehen konnte. Als Kind staunte Axelrod darüber, dass ein einziger Mensch Abertausende anderer Menschen so in den Bann ziehen konnte, dass Menschen Geschichte machen können, indem sie sich einfach versammeln. Es ist dieses Gefühl von gegenseitiger Teilnahme und Befähigung, die er jedem Wahlkampf, aber besonders dem von Obama, verliehen hat.

Mit 19 verließ Axelrod New York und ging als Student nach Chicago, wegen all der politischen Legenden, die sich in dieser Stadt der Hoffnung und der Verzweiflung angesammelt hatten. Es war Chicago, wo die ethnische Spannung und rohe Gewalt so intensiv war, dass Martin Luther King einst deklarierte, die Menschen von Mississippi könnten von Chicago lernen, wie man hasst. Und in Chicago lernte Axelrod Barack Obama in den frühen neunziger Jahren kennen.

Am Vorabend der Novemberwahl in dieser legendären Stadt der breiten Schultern, zwischen den Kindern von Einwandern aus allen Ecken Europas und den Nachfahren der Schwarzen aus dem Süden, ist Axelrod nun inzwischen selbst eine Legende. Er ist heute ein erfolgreicher Geschäftsmann mit einem Anwesen auf dem Land - und steht nun kurz davor, seinen Jugendtraum zu verwirklichen: eine präsidiale Vereidigung aus nächster Nähe zu beobachten; eine Vereidigung, die ohne seine Hilfe vielleicht nicht zustande kommen würde.

Aber am Anfang dieser steilen Chicago-Karriere passierte Axelrod etwas, das aus privater Hoffnung fast Verzweiflung werden ließ, eine Angelegenheit, die er 30 Jahre vor der Öffentlichkeit verbarg. Im Jahr 2006, am Vorabend seines bis jetzt größten Triumphs, der gewonnenen US-Kongresswahl, für die auch Axelrod der Meisterplaner war, erschien ein Artikel von ihm in der "Chicago Tribune". Er trug die Überschrift: "The Truth About my Father's Death."

Trauer und Scham über den Tod des Vaters

Als junger Student erschien 1974 eines Tages plötzlich ein Polizist im Chicagoer Studentenwohnheim von Axelrod. Der vermutete eine der üblichen Haschischrazzien. Aber es kam anders. "Ist Ihr Vater Joseph Axelrod?", fragte der Polizist. Denn sein inzwischen geschiedener Vater hatte mit 63 in seinem kleinen New Yorker Apartment Selbstmord begangen.

Erst viel später konnte Axelrod über seine Trauer und Scham schreiben: der Trauer, dass sein Vater, ein Psychologe, so einsam gestorben war, dass ein Mann, der anderen so oft geholfen hatte, in der Stunde seiner eigenen Not nicht in der Lage war, um Hilfe zu bitten. Axelrod schrieb auch von der Scham, die dieser Tod damals in ihm ausgelöst hatte, und seine Angst, dass andere ihn auch für schwach halten würden. So schwieg er 30 Jahre lang.

Nach dem Tod seines Vater ging Axelrod als Journalist zur "Chicago Tribune". Heute sagt er, dass er in der Zeitung damals eine Ersatzfamilie suchte. Er lebte quasi in der Redaktion, mit 27 war er bereits Chef des für das Rathaus zuständigen Ressorts sowie einer von Chicagos wichtigsten politischen Autoren. Dann aber wechselte er überraschend in die Politik, als Pressesprecher. Man kannte ihn als rastlosen Menschen, der immer arbeitete. Seine Kinder schliefen in seinen Armen ein, während er stundenlang telefonierte.

Letztes Jahr fragte die "Chicago Tribune" rhetorisch: "Der allseits bewunderte Polit-Guru Axelrod könnte seine Karriere damit krönen, Obama das Weiße Haus zu sichern. Aber wird das den ruhelosen Trieb in ihm bändigen können?"

Obama schreibt in seiner Autobiografie, dass Männer entweder den Erwartungen des eigenen Vaters zu entsprechen versuchen - oder sie versuchen, die Fehler der Väter wiedergutzumachen. Man kann vermuten, dass für Axelrod und für Obama beides zutrifft. Die Väter jedenfalls haben unter den dunklen Seiten des 20 Jahrhunderts gelitten.

Die Söhne wollen das 21. Jahrhundert nun aufhellen.

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