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Live-Blog aus den USA "Ich hoffe, bete und glaube"

2. Teil

[17.56 Uhr MEZ] Wassila, Alaska:

Auch Sarah Palin hat gewählt: Sie gab in ihrer Heimat Wassila ihre Stimme ab. Ihr Ehemann Todd begleitete sie ins Wahllokal. "Ich hoffe, bete und glaube, dass ich morgen früh als Vizepräsidentin aufwache", sagte Palin.

Am Vorabend hatte eine Untersuchungskommission die Gouverneurin von Alaska von dem Vorwurf freigesprochen, ihr Amt missbraucht zu haben. Ihr war vorgeworfen worden, den staatlichen Polizeichef gefeuert zu haben, weil dieser sich geweigert hatte, ihren Ex-Schwager zu entlassen. Über die Entlastung sei sie "sehr dankbar", sagte Palin vor dem Wahllokal.

dpa


[17.44 Uhr MEZ] Gregor Peter Schmitz, Chicago:

820 Michigan Avenue, hier hat ein Laden das ganze Schaufenster für riesige Obama-Poster freigeräumt. In der Mitte: Eine Titelseite des Schwarzen-Magazins "Ebony", mit einem Foto der strahlenden Michelle und Barack Obama, als Schlagzeile: "Americas Next First Couple?". Daneben Obama allein, der Titel "The 25 Coolest Brothers of All Time"!


[17.37 Uhr MEZ] Marc Pitzke, Chicago:

Die erhöhte Polizeipräsenz ist in Obamas Heimatstadt überall zu spüren. Der Grant Park ist weiträumig abgesperrt, an den Kreuzungen stehen Streifenwagen, Beamte regeln den noch dünnen Verkehr.

Uniformierte Cops sausen auf Stehrollern über die Gehwege der Downtown. "Schneller als laufen, besser als fahren", erläutert Sergeant Bill Henley. Das Police Department hat die höchste Alarmstufe verhängt; falls Obama verliert, werden Krawalle befürchtet. "Wir wollen keine Dummheiten", hat Polizeichef Jody Weis gewarnt. "Wir brauchen keinen Unfug."


[17.31 Uhr MEZ] Gregor Peter Schmitz, Chicago:

Im Wahlbüro 1130 South Michigan Avenue wird Transparenz groß geschrieben. Die kleinen Wahlboxen sind so vor dem Fenster aufgestellt, dass Passanten den Wählern durch die Scheibe über die Schulter lugen können. Ein junges Mädchen asiatischer Abstimmung kommt nach der Stimmabgabe aus der Glastür, sie trägt ein Obama-T-Shirt, einen Obama-Sticker, auf ihrer Tasche geht das Obama-Wahlkampfsymbol wie eine Sonne auf. Die T-Shirt-Verkäufer rufen dabei: "Obama country, man!"

In manchen US-Bundesstaaten hatte es im Vorfeld heftige Diskussionen gegeben, ob Bürger im Wahllokal ihre Präferenz so offen zeigen dürfen - manche haben Beschränkungen erlassen. Doch in Illinois, wo ein klarer Obama-Sieg erwartet wird, scheint das heute niemanden zu stören.


[17.20 Uhr MEZ] Gregor Peter Schmitz, Chicago:

"Jimmy John's Gourmet Sandwiches" bietet Fast Food auf dem edlen Teil der Michigan Avenue, seit 1983, kündet die rote Markise vor dem Eingang stolz. Und am Wahltag hofft auch Jimmy auf mehr Umsatz. "Vote for Jimmy" hat er auf einen dicken Aufkleber gemalt, der im Schaufenster prangt.


[17.15 Uhr MEZ] Markus Becker, New York:

Und es gibt sie doch, die McCain-Anhänger in New York. Eine Dame mittleren Alters, langes blondes Haar, auf der Nase eine sehr große Sonnenbrille, an der Leine einen Mops. An ihrer Jacke prangt ein großer "McCain/Palin"-Button. Die Wirkung bleibt nicht aus: Der Anstecker scheint befremdete Blicke anderer Passanten magisch anzuziehen.


[17.10 Uhr MEZ] Marc Pitzke, Chicago:

Eine nicht minder lange Schlange an der "Magnificent Mile", der berühmten Shoppingmeile in der Downtown. Sie hat sich jedoch nicht vor einem Wahllokal gebildet - sondern vor dem Apple Store, wo es die neuen MacBook Pros gibt. Politisch ist die Stimmung trotzdem. "Obama ist ein Mac", erklärt Cheryl Mann den Unterschied zwischen den Kandidaten. "McCain ist ein PC, anno 1998."


[17.09 Uhr MEZ] Gregor Peter Schmitz, Chicago:

In der Old St. Mary Church ist das Prediger-Pult beiseite geräumt, im Vorraum des Gotteshauses stehen die Wahlboxen. Hier ist es fast ganz leer gegen 10 Uhr morgens, die beiden TV-Reporter, die ihre Kameras aufgebaut haben, plaudern miteinander.

An der Wand hängt ein Schild "How to Vote Your Ballot", eine Erklärung in drei Schritten - auf Englisch und Spanisch. Am Tisch gleich neben den Wahlboxen bitte die Gemeinde um Essenspenden - für das "Thanksgiving"-Fest, den wichtigsten amerikanischen Feiertag Ende November.


[16.55 Uhr MEZ] Gregor Peter Schmitz, Chicago:

Am National Vietnam Veterans Museum an der South Indiana Avenue steht an der Wand: "Some Gave All - All Gave Some" - einige gaben alles, alle gaben etwas. Davor stehen in langer Schlange Männer und Frauen an, einige mit Kinderwagen, andere haben dicke Bücher für die Wartezeit mitgebracht. "Jetzt muss man nur noch eine halbe Stunde warten", sagt ein Wahlhelfer am Eingang. "Heute morgen um 8 Uhr reichte die Schlange in beide Richtungen so weit", deutet er einmal rund um den Häuserblock: "Da musste man mindestens anderthalb Stunden warten."


[16.45 Uhr MEZ] Markus Becker, New York:

Die ältere Dame mit Walkman-Knöpfen in den Ohren steht in einer langen Schlange vor den Wahlkabinen in der 73. Straße, Ecke Broadway. Sie wirkt finster entschlossen, die Republikaner aus ihren Ämtern zu wählen. "Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, was wäre, wenn John McCain gewinnen würde." Man könne nie wissen, was in den Bundesstaaten des Mittleren Westens geschehe. "Aber an der Ost- und Westküste sollte die Sache klar sein." Der wichtigste Wandel, den sie sich von der Wahl erhofft, betrifft das Ansehen der USA im Ausland. "Unser Image ist fürchterlich. Unsere Regierung hat acht Jahre lang so getan, als lebten wir auf einer Insel."


[16.39 Uhr MEZ] Gregor Peter Schmitz, Chicago:

Willie Dixon's Blues Garden ist noch geschlossen - der Garten neben 2120 South Michigan Avenue in Chicago. Es ist ein unscheinbarer Laden, "Blues Heaven" heißt er, doch hier wurden Hymnen der Blues- und Rock'n'Roll-Jahre aufgenommen. "Johnny B. Good" oder "Rescue me", Rette mich.

Dass Barack Obama das für die USA kann, scheinen die beiden jungen Afroamerikanerinnen in der Straße davor zu hoffen. Sie tragen Obama-Sticker, am Zeitungsständer prangt die Schlagzeile des Chicago-Underground-Blättchen "Redeye". "It's in your hands", prangt darauf als Schlagzeile, "Sie haben es in der Hand".

"Wir haben schon vor einer Stunde gewählt", sagen die Mädchen.


[16.30 Uhr MEZ] Markus Becker, New York:

Sie wecken böse Erinnerungen an die letzten beiden US-Präsidentschaftswahlen - und sprechen sich entsprechend schnell herum: Probleme mit Wahlcomputern. Eine Mitarbeiterin einer unabhängigen Wahlbeobachtergruppe hat in den vergangenen Stunden in einem Callcenter gearbeitet - gemeinsam mit rund 100 Kollegen, die Meldungen über Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen entgegennehmen. "Ich allein habe Berichte über Pannen mit Wahlcomputern aus drei Wahllokalen in Ohio bekommen", sagt die junge Frau, die nicht namentlich genannt werden möchte. Ausgerechnet Ohio - der Staat, in dem die letzte Wahl zugunsten von George W. Bush entschieden wurde. Auch damals war es dort zu Pannen bei der Abstimmung gekommen.


[16.29 Uhr MEZ] Washington:

Die Wähler der kalifornischen Stadt Santa Ana waren bei den Wahlen am Dienstag mächtig in Fahrt. Ihre Stimme konnten sie direkt aus dem Auto in einem Drive-In abgeben. Ganz nach dem Vorbild von Schnellrestaurants mit Autoschaltern brauchten die Wähler nur ihre Scheibe herunterkurbeln und ihren Kandidaten am Automaten wählen. Ein Sprecher der Behörden sagte dem US-Radiosender NPR, man habe alles tun wollen, um den Wählern von Santa Ana Stress am Wahltag zu ersparen. Dafür erwarte man sich aber auch eine Rekordbeteiligung. Fehlte nur noch eines: Pommes und Coca-Cola.

Während am Dienstag so viele Amerikaner zur Wahl zugelassen waren wie seit 1964 nicht mehr, bekamen andere einen Riegel vorgeschoben: Für US-Bürger mit krimineller Vergangenheit waren in den Wahllokalen praktisch Handschellen angesagt. Geschätzte 5,3 Millionen durften nicht wählen, weil sie entweder aktuell eine Haftstrafe absitzen oder irgendwann einmal wegen eines Vergehens verurteilt worden sind. Gut zwei Millionen entlassene Häftlinge durften somit nicht über die Zukunft ihres Landes mitentscheiden - auch dann nicht, wenn ihre Straftat schon Jahre zurückliegt.

Wer wählt, kriegt einen Kaffee: Die US-Kette Starbucks hat jedem, der am Dienstag bei der Präsidentenwahl seine Stimme abgegeben hat, gratis Kaffee ausgeschenkt. Wähler konnten direkt aus dem Wahllokal in den nächsten Kaffee-Shop stolpern und sich nach der Wahl einen heißen Becher abholen. "In bester demokratischer Tradition", erklärte der Konzern.

Stimmabgabe aus dem All: Die NASA-Astronauten Michael Fincke und Gregory Chamitoff schweben derzeit rund 354 Kilometer über der Erde - ihre Stimme für die US-Präsidentschaftswahl konnten sie dennoch abgeben. Und zwar elektronisch. Die beiden Raumfahrer loggten sich in ein digitales System ein, machten ihr Kreuz und beamten ihre Stimme aus dem Weltall zur Erde. In der 50-jährigen Geschichte der NASA hätten erst vier Astronauten an Präsidentschaftswahlen teilnehmen können, hieß es auf der NASA-Webseite.

dpa


[16.25 Uhr MEZ] Marc Pitzke, Chicago:

Schlagzeilen der Chicagoer Morgenzeitungen an den Kiosken und Verkaufsständen:

  • "Daily Herald": "Your Day To Decide" ("Ihr Tag der Entscheidung")
  • "Chicago Sun-Times": "It's Time" ("Es ist Zeit")
  • "New York Times": "A Sea Change for Politics as We Know It" ("Ein Zeitenwechsel für die Politik, wie wir sie bisher kannten")
  • "Hoy" (spanisch): "La hora de la verdad" ("Die Stunde der Wahrheit")
  • "USA Today": "Decision Is In Voters' Hand" ("Die Entscheidung ist in der Hand der Wähler")
  • "Chicago Tribune": keine Schlagzeile - nur zwei Schwarz-weiß-Porträts von Obama und McCain gegenübergestellt vor rot-blauem Grund

Zeitungsverkäufer Wayne Carothers, grauhaariger Schwarzer mit Bart, fleckiger Jeans und Kapuzenpulli, sagt: "Ich hoffe, Obama gewinnt - damit ich nicht länger Zeitungen verkaufen muss."

Über das Leuchtband am Studio des Fernsehsenders NBC5 am Chicago River tickert die Schlagzeile: "Auflage der Zeitungen im Schnitt um 4,6 Prozet gesunken".


[16.18 Uhr MEZ] Markus Becker, New York:

Bei Wahlen in den USA gibt es einen leckeren Brauch: den "Bake Sale". Vor Wahllokalen, vorzugsweise öffentlichen Schulen, verkaufen Schulkinder und Mütter Plätzchen und Kuchen - um den Etat der Schule aufzubessern. Michelle Gere, deren sechsjähriger Sohn die "Public School 199" in New York besucht, steht am Wahltag schon frühmorgens an ihrem Plätzchenstand. "Diese Wahl wird riesig, deshalb haben wir gleich mehrere Bake Sales aufgebaut", sagt sie. "Es werden viele Menschen kommen." Die Naschwerkoffensive hat einen unangenehmen Hintergrund: Wegen der Wirtschaftskrise stehen schmerzhafte Einschnitte in die Etats der öffentlichen Schulen an. "Wir rechnen mit einem Minus von zwei Prozent", sagt Michelle Gere. Wie die meisten Bewohner von New Yorks traditionell liberaler Upper West Side ist auch sie Obama-Wählerin - und siegessicher. "Ich kann kaum erwarten, wie sich das Land nach der Wahl wandeln wird."

Andere Anhänger Obamas sind sich weniger sicher. Vielen erscheinen die Umfragewerte zu gut, um wahr zu sein. "Die Umfragen bedeuten gar nichts", sagt Leonor Ayala, eine junge Journalistin des Nachrichtensenders NBC. "Berichte über einen Sieger glaube ich erst, wenn das letzte Wahllokal geschlossen hat."

In der "New York Times" kamen neulich gleich mehrere Psychotherapeuten zu Wort, deren Patienten über nichts anderes als ihre Angst um den sicher geglaubten Obama-Sieg sprechen wollten.

Das Trauma der letzten beiden Präsidentschaftswahlen, die trotz guter Umfragewerte für die Demokraten verloren gingen, sitzt tief. "Alle hoffen auf den Wandel", sagt Marcos Carrasco, Portier eines New Yorker Wohnhauses. Aber auch er mag den Umfragen nicht recht vertrauen. "Wenn sich die Tür der Wahlkabine schließen, kann alles anders aussehen. Die Menschen sagen vor der Wahl das eine und tun dann das andere."

Den schwarzen Wählern ergeht es kaum besser. In der "Washington Post" war am Dienstag von der "black angst" die Rede. Der deutsche Begriff wird im Englischen meist für Deutsche verwendet, die auch in einer noch so guten Situation schwarz sehen.

Immer wieder hätten Schwarze die Regeln beachtet und alles richtig gemacht, schrieb Kommentator Jonathan Capeheart. Aber die Angst, am Ende doch noch um den verdienten Lohn betrogen zu werden, "sitzt so tief, dass sie schon fast angeboren scheint".


[16.06 Uhr MEZ] Marc Pitzke, Chicago:

"Obama Wins", steht auf dem T-Shirt von James Zinecki. "Man kann sich ja Mut machen", grinst der Musikstudent, der im Downtown-Campus des Columbia College in Chicago zum Wählen antritt. Das Wahllokal an der Michigan Avenue ist fast leer, im Vergleich zu den langen Warteschlangen anderswo. Draußen weht ein Sternenbanner an einem Klappständer. "Vote here", steht auf einem Schild.

Die Uni - die direkt gegenüber vom Grant Park liegt, wo Obama am Abend seine Mega-Wahlparty hält - rät ihren Studenten, wegen der erwarteten Menschenmassen "aus Sicherheitsgründen in den Gebäuden zu bleiben". Jedes Wohnheim plant seine eigene "Viewing Party".

Nebenan ist das Hilton Chicago in den patriotischen Landesfarben blau-weiß-rot dekoriert. Überall in der Innenstadt wehen Fahnen.


[16.00 Uhr MEZ] Markus Becker, New York:

Die Republikaner versuchen, im Fernsehen letzte Treffer zu landen. Auf CNN schreit sich Obamas ehemaliger Mentor, der Pastor Jeremiah Wright, in Rage. "Verflucht seien die USA!" Dann erscheint Obama neben Wright: "Obama - zu radikal für die USA", sagt die Stimme aus dem Off.


[15.48 Uhr MEZ] Florida:

Europäische Wahlbeobachter fühlen sich behindert: Am Dienstag erfuhren sie, dass sie nur ein einziges, von den US-Behörden ausgesuchtes Wahllokal besuchen dürfen. "Wir alle halten das für ein inakzeptables Vorgehen", sagte der deutsche Bundestagsabgeordnete Patrick Meinhardt von der FDP. Er begleitet die Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die zurzeit in Fort Lauderdale in Florida ist.

"Einer Wahlbeobachterdelegation darf nicht vorgeschrieben werden, welche Wahllokale sie zu besuchen hat, geschweige denn, welche sie nicht besuchen darf", sagte Meinhardt. Gerade in Florida, dem Staat, in dem es bei den US-Wahlen im Jahr 2000 zu Unklarheiten gekommen war, hätte habe man sich ein höheres Maß an Sensibilität gewünscht.

dpa


[15.25 Uhr MEZ] Gregor Peter Schmitz, Chicago, Obamas Wahllokal:

Er ist auch an der Urne der erste. Es ist zwanzig vor acht Uhr morgens, Barack Obama steht in der Beluah Shoesmith Elementary School in Hyde Park, einem Wahllokal in Hyde Park, seinem Wohnviertel in Chicago. Das war selbst Thema im Wahlkampf, weil hier auch Bill Ayers wohnt, der Ex-Terrorist, dessen Kontakte mit Obama die Republikaner unablässig attackierten. Der ging hier zur Wahl, während die Reporter schon auf die Obamas warteten. Weil hier Jeremiah Wright sein Zuhause hat, Obamas Pastor, der ihn traute und seine Kinder taufte - aber auch "Gott verdamme Amerika" von der Kanzel schrie.

Doch jetzt ist das alles vergessen, die Amerikaner zelebrieren die Stimmabgabe seit eh und je wie eine Art heiligen Akt, der über Parteistreitigkeiten thront. Obama trägt einen eleganten gedeckten Anzug und Krawatte, als sei er gerade einem Modekatalog für US-Präsidenten entsprungen. Dabei hat er gestern Abend noch bis spät in die Nacht Wahlkampf geführt, gleich geht es weiter zum nächsten Auftritt. Frau Michelle steht an seiner Seite, sie trägt die Haare hochgesteckt, sie sieht noch ein wenig müde aus. Die Töchter sind dabei, die jüngere hat einen strahlend bunten Trainingsanzug an, die ältere plaudert angeregt mit dem Vater, während der mit dem Wählen beschäftigt ist, sie schielen ein wenig auf die TV-Kameras drumherum. Er ist die mögliche nächste "First Family" der USA. Es ist aber vor allem auch eine junge Familie.

Und doch: Obama sieht man die letzten 22 Monate an, seit er diesen verrückten Endlos-Wahlkampf begann. "Wie grau sein Haar geworden ist", sagt eine TV-Moderatorin. "Wir werden uns später die Bilder anschauen und uns daran erinnern, wie dunkel sein Haar war, als er seine Kandidatur erklärte. Wie jung er wirkte". Da ist Obama fertig, er geht auf den Ausgang zu, er bahnt sich den Weg durch die Menge, es dauert, er schüttelt Hände, er klopft Schultern. Die Kameras schwenken schon zu seinem Vize Joe Biden und seiner Frau, der hunderte Meilen fort in Delaware in just diesem Moment mit seiner Frau zur Wahl schreitet, auch hier perfekte Choreographie. Dann, ein paar Minuten später, Bill und Hillary Clinton in New York. Obama ist da schon unterwegs nach Indiana, einem der umkämpftesten Bundesstaaten. Fast alle Umfragen sehen ihn klar vorne. "Aber wir kämpfen weiter um jede Stimme", heißt es aus seinem Team.


[14.54 Uhr MEZ] Chicago/Hawaii:

Trotz ihres Todes wird die Stimme von Obamas Großmutter Madelyn Dunham zählen. Die 86-Jährige hatte noch kurz vor ihrem Tod per Brief gewählt. Eine Mitarbeiterin Obamas bestätigte dies am Dienstag: "Wenn man per Briefwahl gewählt hat, dann zählt die Stimme auch."

Dunham war am Montag nach langem Krebsleiden in Honolulu gestorben. Obama, Sohn einer US-Bürgerin und eines Kenianers, verlebte einen Teil seiner Kindheit auf Hawaii, wo er zeitweise bei seiner weißen Oma aufwuchs. Um die Großmutter noch einmal an ihrem Krankenbett auf Hawaii zu besuchen, hatte sich Obama Ende Oktober eine Auszeit im Rennen um das Weiße Haus genommen.

Seine Oma gehöre zu den "stillen Helden" im Land, sagte Obama nach ihrem Tod bei einer Wahlkampfveranstaltung. Diese "stillen Helden" seien nicht berühmt, sie suchten nicht das Licht der Öffentlichkeit, aber sie arbeiteten jeden Tag sehr hart.

AFP


Protokoll: Jan Hauser

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Fackus 04.11.2008
schon arg übertrieben dieser US-Wahl-Hype hier und in den anderen Medien. Da wird ein Thema aufgebauscht, das uns nur deshalb interessieren 'muss', weil uns das seit 60 Jahren so eingeredet wird. Besser wäre es, wenn wir Europäer [...]
schon arg übertrieben dieser US-Wahl-Hype hier und in den anderen Medien. Da wird ein Thema aufgebauscht, das uns nur deshalb interessieren 'muss', weil uns das seit 60 Jahren so eingeredet wird. Besser wäre es, wenn wir Europäer und selbst mehr füreinander und die anderen grossen Kulturnationen interessieren und begeistern würden. Das liegt näher und ist letzten Endes wichtiger. Denn: Egal wer's nu wird da drüben - die USA werden sich durch Veränderungen von innen nicht spektakulär bessern - da muss schon was anderes passieren. Europa sollte endlich mal vom falschen Zug abspringen und sich auf sich selbst besinnen - auch wenns zwischendurch etwas wehtut.
at78rpm 05.11.2008
...sind wir Amerikaner, so scheint es jetzt, bereit, ihn und seinesgleichen rauszuschmeißen. Ja, zu spät. Auch in den letzten Tagen seiner Präsidentschaft versucht Bush weitfolgende Beschlüsse über Umweltpolitik, [...]
...sind wir Amerikaner, so scheint es jetzt, bereit, ihn und seinesgleichen rauszuschmeißen. Ja, zu spät. Auch in den letzten Tagen seiner Präsidentschaft versucht Bush weitfolgende Beschlüsse über Umweltpolitik, Justizverwaltung, und Freiheit zu machen. Es wird ja lange dauern, bis der nächste Präsident die Gelegenheit hat, das alles aufzumachen. Wenn das überhaupt noch möglich ist.
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