Marianne Heuwagen, Direktorin des Deutschland-Büros von Human Rights Watch: Die neue US-Regierung sollte sich endlich darum bemühen, dass der Kampf gegen den Terror mit den internationalen Menschenrechten vereinbar ist. Denn die USA haben nicht nur ihr Ansehen und ihre moralische Führung in vielen Teilen der Welt verspielt - sie haben damit der Menschenrechtsbewegung dauerhaft Schaden zugefügt und sind den Schurkenstaaten alles andere als ein gutes Vorbild. Als allererstes muss die Regierung Obama Guantanamo schließen, den Terrorverdächtigen statt eines Militärtribunals ein rechtmäßiges Verfahren zugestehen und die übrigen Gefangenen ihrem Heimatstaat ausliefern.
Otfried Nassauer, Direktor des Berliner Informationszentrums für transatlantische Sicherheit: Bushs Erbe ist eine schwere Bürde. Schon einmal stand ein neuer US-Präsident vor einer Rezession, tiefgreifenden Problemen im Finanzsystem und den Nachwirkungen eines Krieges, der nicht gewonnen werden konnte. Jimmy Carter. Sein Rezept: Die Menschenrechte als einigender Wert des Westens, Multilateralismus unter Führung der USA und die Forderung nach mehr Lastenteilung in der Sicherheits- und Weltwirtschaftspolitik. Helmut Schmidt musste damit umgehen. Als ehemaliger Verteidigungs- und Finanzminister verstand er die Konsequenzen. Angela Merkel sollte den Altkanzler um Tipps bitten. Lastenteilung kann sehr teuer werden. Mancher Ratschlag, den konservative Transatlantiker Merkel geben werden, könnte die Lastenteilung noch teurer machen.
Margarita Mathiopoulos, Unternehmerin, Honorarprofessorin für US-Außenpolitik an der Universität Potsdam und FDP-Außenpolitikern: Abraham Lincoln hat die amerikanische Nation vor der Spaltung bewahrt. Franklin D. Roosevelt bewies während Europas schwärzesten Tagen des Nationalsozialismus und Kommunismus, dass auch in Zeiten tiefster Depression Demokratie und soziale Marktwirtschaft (New Deal) die bessere Alternative sind. Der 44. Präsident wird die amerikanische Nation moralisch wieder mit sich selbst versöhnen müssen, neue Regeln für einen ethischen und sozialen Kapitalismus aufstellen und den USA ein globales und menschliches Gesicht verleihen mit der nötigen außen- und sicherheitspolitischen Autorität, aber auch Sensibilität. Wenn es ihm dann noch gelingt, die Tugenden der Alten und der Neuen Welt zu revitalisieren, dann habe ich Hoffnung, dass die Idee des Westens noch eine Weile überlebt.
Omid Nouripour, Bundestagsabgeordneter Bündnis 90/Die Grünen: Ich hoffe, dass der Präsident den Brandherd im Nahen Osten löschen kann - und dafür sorgt, dass der Konflikt mit Iran nicht eskaliert. Ich wurde in Teheran geboren und bin mit dem ersten Golfkrieg aufgewachsen, als Jugendlicher floh ich mit meinen Eltern nach Deutschland - ich weiß also, wovon ich spreche. Ein Militärschlag gegen Iran würde nur einer Person nützen: Mahmud Ahmadinedschad. Er würde aus einem Krieg gestärkt hervorgehen und mit hoher Wahrscheinlichkeit wiedergewählt werden. Ahmadinedschad weiß das genau, deshalb provoziert er den Westen. Denn seine Macht bröckelt: Im Moment wollen ihn die Menschen wegen seiner desaströsen Wirtschaftspolitik eigentlich nicht mehr als Präsidenten haben. Ein Krieg würde unkalkulierbare Folgen für die gesamte Region haben, für Libanon, den Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate und Afghanistan. Es gibt viele Möglichkeiten, das Regime unter Druck zu setzen. Ein Militärschlag ist keine davon.
Wolfgang Ischinger, ehemaliger deutscher Botschafter in den USA: Es sind vor allem zwei Themen, die eine neue US-Regierung hoffentlich möglichst frühzeitig angeht: Der nächste US-Präsident kann nicht umhin, die Gelegenheit des Neuanfangs zu nutzen, um eine neue, effektive Beziehung zu Russland aufzubauen. Meiner Meinung nach hat es auf einer Reihe von Themenfeldern nicht genügend Gespräche zwischen Washington und Moskau gegeben. Und wenn der Dialog zwischen Russland und Amerika erst wieder funktioniert, dürfte dies auch für das Klima zwischen den USA und der EU nützlich sein. Das zweite wichtige Thema auf meiner Liste ist Iran: Es ist jetzt an der Zeit, direkt Gespräche zwischen Washington und Teheran aufzunehmen - auch wenn dort eine Regierung die Geschäfte führt, die wir manchmal nicht gerade schätzen. Wenn wir aber in dieser Weltgegend echte Fortschritte erreichen wollen - und zwar besonders bei der Nichtverbreitung von Atomwaffen -, dann kommen wir um direkte und umfassende Kontakte, wie es ihn seit 1979 nicht mehr gegeben hat, nicht länger herum.
Hans-Dietrich Genscher (FDP), ehemaliger deutscher Außenminister: Das Wichtigste ist, dass die USA die Illusion der Regierung Bush/Rice aufgeben, nach Ende des Kalten Krieges sei eine unipolare, auf Washington fokussierte und von dort dominierte Weltordnung entstanden. In Wahrheit geht es um eine multipolare Weltordnung der Gleichberechtigung und Ebenbürtigkeit – unabhängig von der Größe der Staaten. Das zu verwirklichen ist die gemeinsame Verantwortung der USA und Europas.
Claus Kleber, Moderator und Redaktionsleiter des "heute-journals" und ehemaliger ARD-Korrespondent in Washington: Echtes Interesse für die Wünsche und Sorgen des Rests der Welt wäre für den Weltenlenker angemessen. Wir hatten das lange nicht. Acht Jahre sind lang. Und wir werden es sicher bekommen. Von McCain hätten wir eher die Erfahrung bekommen, von Obama nun eher die echte Neugier und Bereitschaft, auf Andere (wir sind "Andere") zuzugehen. Also lege ich noch eines drauf: Ich wünsche mir einen Präsidenten, der den Glauben an Amerika aus der Lächerlichkeit holt - den Glauben an ein Land, das ein Beispiel sein kann, das Werte, die allen Menschen gemeinsam sind, nicht nur verkündet, sondern vertritt - und deshalb zum Beispiel Guantanamo schließt. Damit wäre ein Anfang geschafft, immerhin. Wir sind bescheiden (gemacht) geworden.
Willi Lemke, Sonderberater des Uno-Generalsekretärs für Sport, früher Manager von Werder Bremen: Lieber Barack Obama, ich freue mich sehr, dass Sie es geschafft haben, aus dieser historisch bedeutenden Wahl als Sieger hervorzugehen und ich gratuliere Ihnen herzlich zu Ihrem neuen Amt als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Angesichts der globalen Herausforderungen dieser Zeit sind wir mehr denn je auf internationale Zusammenarbeit und Diplomatie angewiesen. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit kommt den Vereinigten Staaten als Sportnation eine besondere Rolle zu, die Mittel des Sports sinnvoll einzusetzen, um Entwicklung, Frieden und antidiskriminierende Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene zu fördern. Ich bin davon überzeugt, dass Sie diese Aufgabe vorbildlich erfüllen werden, und wünsche Ihnen alles Gute für Ihre Amtszeit.
Oliver Bierhoff, Teammanager der deutschen Fußball-Nationalelf: Ich wünsche mir, dass der neue US-Präsident in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen es auf der Welt immer noch viele Krisenherde wie Irak oder Afghanistan gibt, den Menschen in den USA, aber auch seinen Partnern die Kraft und den Glauben vermittelt, die Dinge wieder in eine positive Richtung zu führen. Ich hoffe, dass er sich mit frischem Elan und Enthusiasmus nicht von den Mühlen der täglichen Arbeit und den politischen Gruppierungen bremsen lässt, sondern die notwendigen Punkte wie Wirtschaftsförderung, Umwelt, Integration und den Weltfrieden energisch mit einer klaren Linie angeht. Die USA stehen für mich auch immer für ein Volk, das in schwierigen Zeiten mit einem positiven Geist die Ärmel hochkrempelt. Dies ist nun auch unter den wertemäßigen und moralischen Aspekten unabdingbar. Der US-Präsident als Leitfigur eines ganzen Volkes muss dies fördern und vermitteln.
Gerald Asamoah, Bundesligaprofi bei Schalke 04 und Vize-Weltmeister 2002 mit ghanaischen Wurzeln: Ich wünsche mir, dass es dem neuen Präsidenten gelingen wird, durch seine Politik die USA wieder zu einem glaubwürdigeren und verlässlicheren Partner in der Welt zu machen.
Christian Frommert, Leiter Sportsponsoring bei der Deutschen Telekom: Ich wünsche mir nicht etwas von Obama, sondern ich wünsche ihm etwas: Dass er es wirklich schafft, Weltpolitik zu erden, sie erklärbar und transparent zu machen. Dass er die Kraft hat zu integrieren, zu vereinen, zu verbinden und zu überwinden. Er hat die Chance bekommen, die er sich mit Charisma und Eloquenz erarbeitet hat. Ich hoffe er hat sich nicht "ver-sprochen". Ich wünsche ihm, dass er sich vom Apparat nicht auffressen lässt, und von seinem Wärme ausstrahlenden "Change"-Management am Ende nicht nur ein kühles Management stehen bleibt. Ich bin skeptisch. Von nun an läuft es nicht mehr vom Reißbrett. Wenn diese Wünsche in Erfüllung gehen, dann ist allen geholfen.
Jan Frodeno, deutscher Olympiasieger 2008 im Triathlon, aufgewachsen in Südafrika: Meiner Ansicht nach wäre das wichtigste politische Ziel die Wiederherstellung eines ausgewogenen "Checks and Balances"-Systems in den USA. Die Exekutive hat unter George W. Bush zu viel Einfluss bekommen und teilweise den Kongress umgangen und die Uno oder Nato ignoriert. Ein inneres Machtgleichgewicht würde den USA als Weltmacht sowohl innen- als auch außenpolitisch wieder mehr Glaubwürdigkeit verleihen. Diese ist neben zahlreichen vermeidbaren und zu betrauernden Opfern der Bush-Ära das Wichtigste, was den USA und insbesondere dem Amt des Präsidenten verlorenen gegangen ist.
Ruprecht Polenz (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestags: Ich wünsche mir, dass der nächste Präsident das wiederherstellt, was man amerikanische "Soft Power" nennt: Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft. Ich wünsche mir, dass die Attraktivität der USA wiederbelebt wird und die Sympathiewerte des Landes in der Welt wieder steigen. Sie sind in den vergangenen acht Jahren arg unter die Räder gekommen. Das ist die Hauptaufgabe.
Hans-Ulrich Klose (SPD), stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages und Vorsitzender der deutsch-amerikanischen Parlamentariergruppe: Wir, der Westen, müssen zusammenarbeiten, um politische Lösungen für die Probleme und Konflikte der Welt zu entwickeln. Die USA unter neuer Führung sollten dabei wieder eine führende Rolle übernehmen. Führung erfordert Mut und die Bereitschaft zum Dialog. Beides erhoffe ich mir von dem 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.
Karsten D. Voigt, Koordinator der Bundesregierung für deutsch-amerikanische Zusammenarbeit: Erstens wünsche ich mir, dass der neue US-Präsident bei der Klimapolitik nicht europäische Initiativen abwehrt, sondern gemeinsam mit uns Initiativen voranbringt. Zweitens sollten Europa und die USA bei der Überwindung der Wirtschafts- und Finanzkrise an einem Strang ziehen. Außerdem sollten die USA drittens eine aktive Politik der Abrüstung und Rüstungskontrolle angehen. Viertens wünsche ich mir die Schließung von Guantanamo - und fünftens, dass der neue Präsident eine kritische, aber trotzdem kooperative Politik gegenüber Russland verfolgt. Allgemein sollten die USA ihre Alliierten vor wichtigen Entscheidungen intensiv konsultieren und nicht nur informieren.
Burkhard Schwenker, CEO Roland Berger Strategy Consultants: Das Wichtigste für den neuen Präsidenten: Festhalten am freien Welthandel und kein populistisches Einknicken – das ist aus europäischer (Export-)Perspektive lebenswichtig. Außerdem: Offensives Mitwirken an transparenten Finanzmärkten und Förderung einer klimaverträglichen Wirtschaft entlang internationaler Spielregeln.
Jürgen Trittin, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen: Obama hat den Wechsel versprochen. Aber: Der neue Präsident muss erst einmal "hinter dem Elefanten saubermachen". Nach den katastrophalen Bush-Jahren müssen die USA generalüberholt werden. Die Folgen der Finanzkrise sind zu bewältigen. Den US-Bürgern wünschen ich eine Überbrückung der Spaltung in Superreiche, gebeutelte Mittelschicht und verbreitete Armut. Jeder Bürger sollte krankenversichert sein. In Infrastruktur und neue Energie muss investiert werden. Die Welt wünscht sich von den USA ein Ende aggressiver militärischer US-Alleingänge, eine Wende hin zur Uno, eine Beachtung der Menschenrechte und die Schließung von Guantanamo. Vor allem aber die Mobilisierung der uramerikanischen Tugenden Optimismus und Tatkraft für die Bekämpfung des Klimawandels.
Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Als jemand, der lange Jahre in den USA gearbeitet und dort viele Freunde gefunden hat, bin ich enttäuscht vom Bild, das Amerika in den letzten Jahren abgegeben hat. Ich wünsche mir, dass der nächste Präsident seinem Land wieder zu dem Ansehen verhilft, das es verdient. Dies setzt voraus, dass die immer wichtigere Rolle der Wissenschaft für die Wohlfahrt moderner Gesellschaften dort wieder honoriert wird. Aber am bedeutsamsten wird sein, "Leadership" auf dem internationalen Parkett zu praktizieren, statt immer nur davon zu reden: beim Klimaschutz, beim Umbau der Energiesysteme oder bei der Sicherung der Welternährung. Wirklich führen kann man übrigens nur, wenn man die Fähigkeit zur Selbstironie zurückgewinnt.
Mojib Latif, Meteorologe und Klimaforscher am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften der Universität Kiel: Ich wünsche mir vom neuen US-Präsidenten einen offenen und fairen Dialog mit der Staatengemeinschaft über die großen Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht. Dazu gehören neben den wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragen selbstverständlich auch die großen Umweltprobleme, welche wir zu meistern haben. Insgesamt muss die Menschheit den Pfad der Nachhaltigkeit in allen Bereichen finden; die USA sollten dabei die Vorreiterrolle übernehmen. Die momentane Finanzkrise verdeutlicht, dass ethische Aspekte wieder mehr Gewicht gegenüber den ökonomischen Aspekten bekommen müssen, und die USA sind aufgerufen, diesbezüglich ein klares Signal zu setzen.
Hans von Storch, Meteorologe und Klimaforscher am Institut für Meteorologie der Universität Hamburg, Leiter des Instituts für Küstenforschung am GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht: Meine Wünsche haben zwei Dimensionen - die Werte, die vom neuen Mann vertreten werden, und seine analytischen Fähigkeiten. Bei den Werten erwarte ich Respekt vor den Menschenrechten und kultureller Vielfalt, vor dem internationalen Recht. Beim "analytischen Handwerk" erhoffe ich mir, dass der neue Präsident unterscheiden kann zwischen kulturellen Konstruktionen, die zu "passionate" Aktionismus und letztlich unnötigem Konflikt führen, und einer wissensbasierten "kalten" Analytik. Dass er die Bandbreite alle relevanten Probleme im Auge behält, und nicht den Horizont verkürzt auf ein zentrales Thema, sei es Terror, Klima oder das Wohlergehen des Kapitalismus. Und ja, dass Guantanamo umgehend geschlossen wird. Rumsfeld vor einem internationalen Gericht, das wäre auch befriedigend.
Heinrich Breloer, 66, Regisseur ("Buddenbrooks", "Todesspiel"): Der nächste US Präsident sollte nicht so ungebildet, ahnungslos, hemmungslos und selbstgerecht wie sein Vorgänger auf unsere komplexe Welt mit all den ungelösten Problemen zustolpern. Ich wünsche mir von ihm, dass er die Chance der weltweiten Krise nutzt, um die Menschen auf der Erde enger zusammenzuführen. Den Amerikanern muss er dabei einige bittere Wahrheiten sagen, zum Beispiel: Man darf gerade den ärmeren Menschen Häuser nur dann verkaufen, wenn sie eine faire Chance haben, die Schulden selber abzutragen. Sonst wäre es allen gegenüber ehrlicher, eine Schleife drum zu binden und sie zu verschenken.
Thilo Bode, Gründer und Geschäftsführer der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch: Das Prinzip, dass die Demokratie die beste Waffe gegen Terrorismus ist, sollte der neue Präsident von den Neokonservativen übernehmen - doch anders umsetzen: Nicht mit Waffen, sondern mit Druck auf autoritäre Regierungen und einer bewussten Stärkung der Zivilgesellschaften. Ich wünsche mir, dass der neue Präsident ein ehrlicher, aber unnachgiebiger Makler für einen Frieden zwischen Palästinensern und Israelis ist. Auch eine Initiative zur nuklearen Abrüstung steht auf meiner Wunschliste. Sie ist eine der wesentlichen Vorausetzungen für Frieden in der Welt. Und ich wünsche mir natürlich eine klimapolitische Offensive, die eingesteht, dass die USA als größter Emittent von Treibhausgasen pro Kopf auch am stärksten die Emissionen reduzieren müssen.
Achim Berg, Chef von Microsoft Deutschland: Egal, wer der nächste amerikanische Präsident wird: Ich wünsche mir vor allem, dass die neue US-Regierung sehr schnell arbeitsfähig wird! Die stärkste Wirtschaftsnation der Welt braucht einen raschen Wechsel und muss sich entschlossen den Herausforderungen der Finanzkrise stellen. In Zeiten in denen sich täglich neuer Entscheidungsbedarf ergibt, bleibt keine 100 Tage Einarbeitungsfrist. Außerdem hoffe ich, dass die durchaus positiven transatlantischen Beziehungen gestärkt werden. Das betrifft nicht nur wirtschaftliche, sondern auch sicherheitspolitische und ökologische Fragen, die nur im Schulterschluss gemeistert werden können. Und noch ein Punkt. Als deutscher Mitarbeiter eines amerikanischen Unternehmens, das seit 25 Jahren in Deutschland verwurzelt ist, glaube ich: Die US-Regierung kann sich von Deutschland und Europa auch Einiges abgucken: Ein spannendes Thema wäre hier zum Beispiel der Bereich des Datenschutzes ...
John Hulsman, Experte für transatlantische Beziehungen der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, zuvor Senior Fellow beim neokonservativen Think Tank Heritage Foundation, Autor: Die Quadratur des Kreises wird die wichtigste Herausforderung werden. An seinem ersten Arbeitstag im Oval Office wird Barack Obama sich in allgemeiner Bewunderung sonnen. Doch sobald er seinen Computer anschaltet, wird die Wirklichkeit auf ihn einstürzen. Sein erstes Treffen mit General Petraeus wird etwa so ablaufen: "Mr. President, als Soldat werde ich tun, was Sie mir sagen. Aber damit Sie es wissen: Wir können nur eine Brigade pro Monat aus dem Irak abziehen, und auch das nur, wenn es gut läuft. Der Abzug wird zwei bis drei Jahre dauern." Obama wird schlucken und an die riesigen Erwartungen seiner Basis denken, die sofort raus aus dem Irak will. Sein zweites Treffen mit Fed-Chef Ben Bernanke wird noch schlechter laufen. "Mr. President, nichts von dem, was Sie im Wahlkampf versprochen haben, ist machbar. Besonders Krankenversicherung für alle. Wir haben das Geld nicht." Das durchgängige Schauspiel in Obamas Präsidentschaft wird sein, wie die lächerlich hohen Erwartungen, die er geweckt hat, in die Mauer der Beschränkungen rasen, die Amerika jetzt binden - während eine Reihe von Mächten, voran China, zu den USA aufschließen.
Daud Ata, 28, Initiator und Leiter des Projekts "Bildung gegen Kriminalität" in Hamburg und 2008 Teilnehmer des transatlantischen Austauschprogramms "IntegrationXchange": Das Land braucht neue Hoffnung, und dazu muss ein neuer Wind wehen. Der neue Präsident muss die nötige Motivation und vor allem die Ausdauer für eine langwierige Reparatur mitbringen. Zuerst wird er die gespaltene US-Bevölkerung wieder zusammenführen müssen. Um den Menschen wirklich zu helfen, muss meiner Meinung nach ein neues Gesundheitssystem etabliert werden, das für alle Bevölkerungsschichten finanzierbar ist. Die große Anzahl der nichtversicherten Amerikaner ist eine Zumutung, dieser Zustand sollte so nicht mehr geduldet werden. Leider ist neben dem verschleuderten internationalen Ansehen der USA auch vom ausgeglichenen Haushalt der Clinton-Ära nichts übrig geblieben. Den neuen Präsidenten erwarten weitere große Baustellen, die aktuelle Finanzkrise oder der hoffnungslose Krieg in Afghanistan, um einige Beispiele zu nennen. Ohne tiefgreifende Maßnahmen sehe ich Amerika langfristig auf einem Abstiegskurs.
Uwe Steimle, 45, Schauspieler und Kabarettist: Meine größte Bitte an den neuen Präsidenten: kein Krieg! Das mag zwar zunächst wie ein Allgemeinplatz klingen, aber mir ist es damit bitterernst. Wir Deutschen haben selbst schon einmal erlebt, dass ein Krieg angezettelt wird, weil man pleite ist. Diese Gefahr sehe ich auch bei den USA. Damit kann man von vielen eigenen Problemen ablenken - und es ist auch eine Chance, Geld hereinzuholen. Denn bei so einem Krieg geht es natürlich vornehmlich darum, sich Ölquellen zu sichern. Und wenn ich daran denke, dass Pakistan die Atombombe hat, wird mir ganz bange. Darum noch einmal: Hauptsache kein Krieg!
Gerhard Delling, 49, ARD-Moderator: Der neue US-Präsident muss dafür sorgen, dass eine Finanzkrise, wie wir sie momentan erleben, nicht noch einmal möglich ist. Darüber hinaus hoffe ich, dass er nicht so voreilig Kriege ausruft wie sein Vorgänger und endlich eine neue Wertedebatte anstößt. Ich glaube, dafür ist es höchste Zeit. Augenblicklich ist in unserer Gesellschaft zu viel auf eine möglichst hohe und schnelle Rendite ausgelegt. Die Staaten müssen entscheiden, ob auch in Zukunft wirklich nur der materielle Erfolg im Vordergrund stehen soll. Da könnte der neue Präsident einen wichtigen Impuls in eine neue Richtung geben. Außerdem wünsche ich mir, dass der US-Präsident das Land vermehrt ökologisch ausrichtet.
Katerina Jacob, 50, Schauspielerin: Ich erhoffe mir vom neuen US-Präsidenten vor allem eine andere Umweltpolitik. Ich lebe viel in Kanada und bekomme recht hautnah mit, dass es in den USA überhaupt kein Umweltbewusstsein gibt, das ist wirklich eine Katastrophe. Mit Schuld daran ist sicherlich das schlechte Schulsystem, auch da muss einiges korrigiert werden. Außerdem muss der neue Präsident die medizinische Versorgung der US-Amerikaner verbessern, das ganze System liegt ziemlich am Boden. Da gibt es wirklich einiges zu tun.
Ulrich Pleitgen, 62, Schauspieler: Ich bin ein absoluter Gegner der Todesstrafe. Deshalb wünsche ich mir vom nächsten US-Präsidenten, dass er sie endlich abschafft. Außerdem müssen die USA raus aus dem Irak. Dort findet eine Art Vietnamisierung statt - es wird ein Dauer-Krieg geführt, der nicht zu gewinnen ist. Das Argument, man wolle Demokratie bringen, ist doch sowieso scheinheilig. Es geht einzig und allein ums Geschäft, ums Öl.
Hellmuth Karasek, 74, Journalist: Ich wünsche mir von dem neuen Präsidenten, dass er die durch all ihre Widersprüche zerrissene Weltmacht eint. Das ist auch für uns Deutsche wichtig, weil wir in Deutschland unter der "Pax Americana" wirtschaftlich, kulturell und demokratisch die besten Jahre erlebt haben. Hoffentlich kann der neue Präsident Amerika wieder zu seinem einstigen Ansehen verhelfen. In den vergangenen Jahren ist dieses zu einem großen Teil verspielt worden.
Wolfgang Menge, 84, Autor ("Stahlnetz", "Ein Herz und eine Seele"): Der neue Präsident muss vor allem Pakistan ganz genau auf die Finger schauen. Das ist eine sehr gefährliche Atommacht. Und innenpolitisch sollte er angehen, dass es pro Familie vielleicht nur noch eine Kreditkarte gibt. In den USA ist vom Kühlschrank bis zum Haus alles über Kredite finanziert - ein sehr gefährliches System, wie wir gerade zu spüren bekommen. Möglicherweise kann man es so ein bisschen in den Griff bekommen.
Susanne Fröhlich, 45, Autorin: Ich wünsche mir vom neuen US-Präsidenten eine Reformierung des Gesundheitssystems seines Landes, einen Wechsel in der Klimapolitik und ein Ende des Irak-Krieges.
Hans W. Geißendörfer, 61, "Lindenstraße"-Produzent: Ich wünsche mir vom Präsidenten: Intelligenz, Humanität, Visionen, die Gerechtigkeit und Gleichstellung der Rassen und Geschlechter als Ziel haben. Keinen Imperialismus, keine Übergriffe in die Belange anderer Nationen. Machtgebrauch als Mittel zum Frieden, nicht als Mittel zur Bereicherung, für Diebstahl, für imperialistische Ziele oder für Übergriffe in die Belange anderer Nationen. Nationales Bekenntnis zu Amerika als Primus inter Pares.
Axel Prahl, 48, Schauspieler: Ich denke, der neue Präsident sollte sich schnellstmöglich im Zuge der bevorstehenden neuen Weltordnung mit den Machthabern in China, Indien, Europa etc. an einen Tisch setzen und überlegen, was mit der Börse zu tun ist. Ob ein solches Instrumentarium, das sich nur mit hypothetischen Werten beschäftigt, die mit der realen Wirtschaft nichts zu tun haben und nur für einige wenige Menschen Vermögen schafft, noch zeitgemäß ist. Dieser globale Spielsalon gehört meines Erachtens abgeschafft.
Dieter Hildebrandt, 81, Kabarettist: Der neue Präsident sollte zuerst einmal die Finanzpolitik seines Landes in den Griff bekommen. Das ist eine riesige Krise, die sich auch auf uns auswirkt. Und ich erhoffe mir, dass er dafür sorgt, dass sich die USA aus dem Irak zurückziehen. Außerdem wünsche mir, dass der neue Präsident die Mittel seines Landes anders einsetzt und zum Beispiel mehr Geld für Afrika abzweigt, um dort den Hunger zu lindern.
Constanze Stelzenmüller, Leiterin des Berliner Büro des German Marshall Fund: Dear Mr. President, Sie sind jetzt - gratuliere! - der mächtigste Mann in einer globalisierten Welt. Das macht Sie, auch wenn wir Sie nicht wählen durften, irgendwie auch zum Präsidenten von uns allen. Deshalb hat die ganze Welt Hoffnungen und Forderungen an Sie. Wir wiederum wissen, dass schon vor Ihrer Wahl ganze Stäbe an Wunschlisten gearbeitet haben, die Sie auf Ihre ersten Auslandsreisen mitnehmen werden. Themen gibt's ja genug: Finanzkrise, Klimawandel, Afghanistan, Irak... Droht da nicht eine Erwartungskarambolage? Deshalb noch ein, nun ja, Wunsch von mir: Take it easy, Mr. President. Nehmen Sie sich Zeit, reisen Sie, sprechen Sie mit Amerikas Verbündeten, und hören Sie zu, bevor Sie handeln. Das wird die Verhandlungen über Wunschlisten (etwas) leichter machen.
Karin Haist, Leiterin des Bereichs Gesellschaft bei der Körber-Stiftung, zu dem auch der transatlantische Ideenwettbewerb "USable" gehört: Ohne Zweifel tritt der neue US-Präsident ein schweres Erbe an - Finanzkrise, Kriegseinsätze, marodes Gesundheitssystem, große soziale Gegensätze in einem gespaltenen Land. Schnelle Lösungen können wir uns von keinem Kandidaten versprechen, aber ich hoffe doch, dass der neue Präsident seinem Land den Glauben an sich selbst zurückgibt, an das, was Amerika ausmacht: Ein Land, das Krisen mit Optimismus begegnet und das für uns immer ein wichtiges Vorbild für Freiheitsrechte, Bürgerengagement und Gemeinsinn gewesen ist. Ein Land, das seinen Zuwanderern harte Arbeit abverlangt, ihnen aber die Chance gibt, dazuzugehören. Ein Land, das kein soziales Sicherheitsnetz hat, aber dessen Bürgerinnen und Bürger genau deshalb selbst initiativ werden. Wobei es, typisch amerikanisch, nicht nur um Hilfe für Benachteiligte geht, sondern auch um deren Bestärkung, um "Empowerment". Ich erhoffe mir vom neuen US-Präsidenten, dass er dieses Amerika neu inspiriert und in den zukünftigen transatlantischen Beziehungen auch dem zivilgesellschaftlichen Austausch eine Rolle zumisst. Nach der Bush-zentrierten deutschen Amerika-Kritik der letzten Jahre könnte so wieder das Bürgerland USA in den Blick geraten.
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