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Was die Welt erwartet Good Morning, Mr. President

9. Teil: Skandinavien

Hans Blix, langjähriger Chef der Internationalen Atom-Energie-Agentur, ehemaliger schwedischer Außenminister und Leiter der vergeblichen Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak: Auf der internationalen Bühne wird ein Präsident Obama auf arrogante Alleingänge verzichten, wie sie das Markenzeichen der Regierung Bush gewesen sind - und seinem Volk gleichzeitig erklären müssen, dass die gegenseitigen Abhängigkeiten unter den Nationen mit großer Geschwindigkeit zunehmen. Ein solches Gefüge verlangt gegenseitiges Verständnis und den Willen zur Kooperation. Ein konstruktiver Einsatz von multilateralen Institutionen wie der Uno ist in unserer Welt von heute eine absolute Notwendigkeit. Wo Interessenkonflikte geschlichtet oder konzertierte Aktionen vereinbart werden müssen, sind solche Mechanismen unverzichtbar. Obamas Gegner haben ihn verspottet, als er einräumte, auch mit den Gegnern Amerikas sprechen zu wollen. Seine Position ist aber die richtige, und er sollte seine Regierung auf dieses Prinzip unbedingt einschwören. Reden bedeutet nicht nachgeben. Die Regierung Bush hat tendenziell eher über andere als mit anderen gesprochen.

Hans-Henrik Holm, 57, Dozent an der Dänischen Journalistenschule in Arhus, erklärte den Elitestudenten in Berkeley Ende Oktober die Sicht europäischer Medien auf den US-Wahlkampf; verheiratet mit der Amerikanerin Nancy Graham-Holm, 66, ehemalige Redaktionsleiterin bei einem CBS-Lokalsender in Kalifornien, später Leiterin der Fernsehausbildung an der Dänischen Journalistenschule in Arhus
Hans-Henrik Holm:
Mr. President, Sie brauchen eine kühne Vision für das Land. Die Demokratie und Bürgerrechte müssen wieder vor die Sicherheitsbedenken gestellt werden. Besonders der amerikanische Journalismus hat eine schwere Zeit hinter sich. Übersteigerter Patriotismus und anschließend die gelenkte Information und der Spin, für den das Weiße Haus verantwortlich ist, führten zum Absterben des US-Journalismus. Sie müssen die landesweiten, öffentlich-rechtlichen Sender NPR und PBS stärken, die vielen als zu intellektuell gelten.
Nancy Graham-Holm: Der Präsident muss den sogenannten Krieg gegen den Terror beenden. Amerika braucht endlich eine realistische Sicht auf den Islam. Außerdem brauchen wir eine Krankenversicherung für jedermann. Ich lebe seit 20 Jahren in Dänemark und weiß, was das bedeutet. Diese Reform muss in den ersten 100 Tagen der Präsidentschaft beginnen, sonst wird daraus nichts. Dass ein Prozent der Bevölkerung auf 30 Prozent unseres Wohlstandes sitzt, das muss aufhören. Ich komme in unregelmäßigen Abständen in die USA und bin jedes Mal schockiert, wenn ich sehe, wie die Mittelschicht in diesem Land gesellschaftlich abrutscht.

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