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14.11.2008
 

Taliban-Terror in Afghanistan

"Mit Mullah Omar zu verhandeln ist absurd"

Die Anschläge werden häufiger, gezielter, aggressiver: Die Taliban terrorisieren weiterhin Afghanistan weiterhin. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht Außenminister Rangin Dadfar Spanta über Verhandlungen mit Terroristen, die Rolle der Verbündeten und den Grenznachbarn Pakistan.

SPIEGEL ONLINE: Herr Minister, vor ein paar Wochen war das Verhältnis zwischen ihrer und der britischen Regierung deutlich angespannt. Nachdem ein britischer General erklärt hatte, der Kampf gegen die Taliban sei militärisch nicht zu gewinnen, legten Sie den Engländern sogar nahe, Afghanistan zu verlassen. Ist der Besuch von Präsident Hamid Karzai bei Premierminister Gordon Brown ein Versöhnungstreffen?

Ausgebranntes Auto nach Bombenanschlag in Afghanistan: "Die Führung der Taliban ist geschwächt"
DPA

Ausgebranntes Auto nach Bombenanschlag in Afghanistan: "Die Führung der Taliban ist geschwächt"

Spanta: Die Engländer sind unsere Freunde, und wir sind ihnen dankbar für ihr Engagement. Bezogen auf die Truppenzahl und den Wiederaufbau sind sie zweitgrößter Unterstützer Afghanistans und sie bezahlen ein Vielfaches an den afghanischen Staatsetat, was wesentlich zur Stärkung und Stabilität der Regierung beiträgt.

Manchmal gibt es aber auch, was normal ist unter Freunden, Meinungsunterschiede. Dabei geht es nicht um Grundsätzliches, sondern um Herangehensweisen, wie die Probleme in Afghanistan zu lösen sind. Wenn es kürzlich Zweifel an den gemeinsamen Zielen gab, hat mein Kollege David Miliband dies in weiten Teilen durch seine Positionen auf seiner privaten Website wieder klargestellt. Das war sehr hilfreich.

SPIEGEL ONLINE: Was bereden Sie und Staatspräsident Karzai mit den Briten?

Spanta: Wir haben Schwierigkeiten in Helmand, was den Drogenanbau und die Bekämpfung von Terroristen angeht. Damit meine ich nicht nur die lokalen Taliban, sondern auch die mit ihnen verbündeten internationalen Qaida-Kämpfer und eine wachsende Zahl von Kriminellen. Wir sind fest überzeugt, dass wir diesen Krieg gegen die Taliban und al-Qaida gewinnen werden.

Wir glauben an den Prozess der Bildung eines moderaten, demokratischen Rechtsstaates in Afghanistan. Alle Verhandlungen mit den Taliban sollten also unbedingt unter Regie und Einbindung der afghanischen Regierung stattfinden - und wir schätzen es nicht, wenn Verbündete dies ohne Absprache in unserem Namen tun.

Wir wollen, dass die Engländer gemeinsam mit den anderen Alliierten Stärke zeigen und koordiniert kämpfen, so dass wir mögliche Verhandlungen aus einer gemeinsamen Position der Stärke heraus führen können.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es trotz der schlechten Nachrichten Anlass für Ihren Optimismus?

Spanta: Die internationale Gemeinschaft steht noch immer hinter unserer Sache in Afghanistan, die Amerikaner mehr denn je, davon sind wir auch nach der Wahl des neuen Präsidenten Barack Obama fest überzeugt. Es gibt eine positive Entwicklung in Pakistan. Die demokratisch gewählte Regierung will glaubwürdig den Terrorismus bekämpfen, koordiniert mit Afghanistan. Wenn das gelingt, haben die Taliban keine Rückzugsräume und keine Unterstützung mehr.

Entscheidend ist, dass die Führung der Taliban durch die Kämpfe schwer beschädigt wurde. Viele wichtige Kommandeure wurden getötet, es gibt sehr viele Tote und Verwundete unter den Fußsoldaten. Die Kommandostruktur der Taliban ist eindeutig geschwächt.

SPIEGEL ONLINE: Wie ernsthaft sind die Verhandlungen mit den Taliban? Haben Sie Kontakt zu Mullah Omar?

Spanta: Mit Mullah Omar zu sprechen ist absurd, er bekämpft die demokratisch gewählte Regierung und ist nicht bereit, die afghanische Verfassung anzuerkennen. Aber die Taliban sind keine homogene Gruppe. Da sind einerseits die Unzufriedenen, die uns und die westlichen Alliierten aus diversen Interessen bekämpfen, es gibt auch kriminelle Drogen- und Kidnapperbanden. Die überzeugten Taliban, darunter afghanische und internationale, teilen sich wiederum in Hardliner und diejenigen, die bereit sind, die Waffen niederzulegen.

SPIEGEL ONLINE: Die Amerikaner haben angefangen, die Taliban in den pakistanischen Stammesgebieten zu bombardieren. Ist das der richtige Weg zum Frieden?

Spanta: Es ist eine alte Forderung der afghanischen Regierung, die versteckten Rückzugsgebiete der Terroristen in Pakistan zu vernichten und wir betrachten dies als wirksame Maßnahme im Anti-Terror-Kampf. Nebenbei geschieht das in Übereinstimmung mit internationalem Recht, seit dem 11. September 2001 verlangt der Uno-Sicherheitsrat ausdrücklich von seinen Mitgliedstaaten, terroristische Basen überall zu bekämpfen.

SPIEGEL ONLINE: Die Pakistaner protestieren harsch gegen die Verletzung der Souveränität ihres Territoriums.

Spanta: Wir haben gute Beziehungen mit der neuen Regierung von Präsident Asif Zardari. Das ist ein großer Fortschritt. Wir glauben, dass sich unsere Interessen annähern. Die Taliban werden heute nicht mehr so stark wie früher von der Regierung unterstützt, wenn es auch noch immer Strukturen gibt, die Verbindungen mit ihnen pflegen. Wir hoffen jedoch, dass die Regierung von Präsident Zardari bald in der Lage ist, den gesamten Staatsapparat unter demokratische Kontrolle zu bringen.

Das Interview führte Susanne Koelbl

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