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22.11.2008
 

Staatskrise

Regierungsgegner in Thailand rufen zur "letzten Schlacht"

Von Thilo Thielke, Bangkok

Zwei verheerende Anschläge innerhalb von drei Tagen: Der Machtkampf in Thailand eskaliert zur Orgie der Gewalt. Oppositionelle rufen zur "letzten Schlacht", Gewerkschaften zum Streik. Mit zwei Großkundgebungen wollen sie Bangkok lahmlegen - es droht ein blutiger Sonntag.

Bangkok - Die Angreifer kamen im Schutz der Dunkelheit. Samstagmorgen, gegen 2 Uhr früh, preschten zwei Motorräder auf die Barrikade der Regierungsgegner zu, 200 Meter vor dem Hindernis stoppten sie plötzlich, dann feuerte einer der Vermummten vom Sozius einen Granatwerfer ab.

Das Geschoss, vermutlich eine Granate vom Typ M-79, schlug 200 Meter entfernt in einer kleinen Menschenmenge ein. Acht Menschen brachen blutend zusammen. Sie wurden sofort in das Ramathibodi-Krankenhaus in Bangkoks Innenstadt gebracht.

Noch immer ringt einer der Verletzten, der 22-jährige Anupong Samerpark, mit dem Tod, er muss künstlich beatmet werden. Zwischenzeitlich hatte die "Bangkok Post" sogar schon seinen Tod gemeldet.

Der Anschlag am Samstagmorgen lässt eine weitere Gewalteskalation in Thailands Hauptstadt befürchten: Seit Tagen spitzt sich die Lage in der Hauptstadt zu. Schon am Donnerstag war in den Reihen jener gelbgewandeten Aufrührer, die seit dem August das Regierungsgebäude besetzt halten, eine Bombe detoniert und hatte ein Todesopfer und 26 Verletzte gefordert. Das war unmittelbar nach dem Ende der sechstägigen Begräbniszeremonie für die bereits Anfang des Jahres gestorbene Prinzessin Glyani passiert, einer Schwester des von den Thais geliebten Königs Bhumipol Adulyadei.

Schon im Oktober hatte es Tote und mindestens 500 Verletzte bei Zusammenstößen gegeben. Doch die gezielten Anschläge auf die Belagerer des Regierungsgebäudes, die den Rücktritt der Regierung von Premierminister Somchai Wongsawat und recht unverblümt auch die Abschaffung der Demokratie fordern, lassen nun weitaus Schlimmeres befürchten.

Rebellen fordern ein Ende der "Marionettenregierung"

In Bangkok herrscht an diesem Wochenende höchste Alarmstufe. Für Sonntag haben die Rebellen, die sich etwas euphemistisch "People's Alliance for Democracy" nennen, zur Großdemonstration in Bangkok aufgerufen. Sie wollen um den Toten vom Donnerstag trauern und planen, ihren Protestmarsch zum Parlamentsgebäude zu führen. Sie rufen zur "letzten Schlacht", und in Bangkok kursieren derzeit Gerüchte, sie wollten nun auch das Parlamentsgebäude besetzen.

Schließlich, verkündete ihr Anführer Sondhi Limthongkul, könnten sie "nicht länger diese mörderische Regierung hinnehmen, die täglich Menschen auf grausame Weise umbringt", sie wollten der "Marionettenregierung ein Ende bereiten". Gleichzeitig wollen sich die üblicherweise rotgekleideten Regierungsfreunde am Stadtrand zur Kundgebung versammeln. Gut möglich, dass einige versuchen werden, den Marsch aufs Parlament zu vereiteln.

Auch die Gewerkschaften mischen sich wieder ein. Sawit Kaewwan, der Generalsekretär der "State Enterprise Labour Relations Confederation", einem Dachverband von 43 Gewerkschaften staatseigener Betriebe, hat der Regierung ein Ultimatum gestellt. Trete diese nicht bis zum Dienstag zurück, drohten landesweit "massive Streiks". Das hatte sie allerdings bereits Ende August angekündigt, ohne dass das Wirtschaftsleben in dem beliebten Reiseland komplett zusammenbrach.

Golfschläger-Typen und Hippies gegen arme Reisbauern

Es ist ein bizarrer politischer Kampf, der derzeit in Thailand tobt: Auf der einen Seite stehen Aufrührer, die überwiegend aus der Hauptstadt kommen, königstreu und armeenah sind und hinter denen die fünf reichsten thailändischen Familien stehen. Das sind Golfschläger-Typen, Hausfrauen und Hippies. Auf der anderen Seite steht die demokratisch gewählte Regierung, eine Koalition unter der Führung der "People's Power Party" - einer Partei, die ihre Basis bei den verarmten Reisbauern aus dem Norden des Landes hat und vom ehemaligen Premierminister und Telekom-Milliardär Thaksin Shinawatra finanziert wird.

Thaksin war im Herbst 2006 vom Militär weggeputscht worden. Seitdem mäandert er durch die Weltgeschichte. Zunächst fand er Zuflucht in England, wo er zwischenzeitlich den Premier-Leage-Club Manchester City erwarb und dann wieder veräußerte. Dann entzogen die Briten ihm und seiner Frau das Visum. Mittlerweile hat sich das schillernde Paar im thailändischen Konsulat in Hongkong scheiden lassen - wohl um leichter an eingefrorene Konten zu kommen. Schließlich war Thaksin im Oktober in Abwesenheit zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Nun soll er sich in Dubai aufhalten.

An Aufgabe scheint der umtriebige Ex-Premier trotz aller Rückschläge nicht zu denken. Am 13. Dezember will er sich erneut per Telefon in einer Ansprache an seine Anhänger wenden, die sich zu diesem Zweck in einem Fußballstadion versammeln werden. Er will Namen seiner politischen Feinde und deren Beweggründe nennen. In einer vorherigen Ansprache hatte er verkündet, nur die "Gnade des Königs" könne ihn nach Thailand zurückholen. Die einen betrachteten das als Majestätsbeleidigung. Andere als nur notdürftig verschleierte Absichtserklärung.

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