Kopenhagen - Das Votum ist deutlich: Die Bewohner Grönlands haben mit klarer Mehrheit für eine größere Unabhängigkeit von Dänemark gestimmt. 76 Prozent votierten bei einem Referendum für eine Ausweitung der Befugnisse der einheimischen Regierung, wie die Wahlkommission am Mittwoch mitteilte. Angenommen wurden damit auch Richtlinien für die Aufteilung der erhofften Einnahmen aus Ölvorkommen vor der Küste, außerdem wird Grönländisch als offizielle Landessprache anerkannt.
Knapp 40.000 Wahlberechtigte, zumeist Inuit, konnten am Dienstag darüber entscheiden, ob die Zuständigkeit unter anderem für Polizei, Justiz und Meeresumwelt künftig direkt auf der größten Insel der Welt liegt und nicht mehr in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Die Abstimmung galt als wichtiger Schritt hin zu einer völligen Unabhängigkeit Grönlands von Dänemark.
Der Ministerpräsident der Insel, Hans Enoksen, sprach von einem historischen Ergebnis. "Wir haben 'Ja' gesagt zu dem Recht auf Selbstbestimmung", sagte Enoksen. "Wir haben eine strahlende Zukunft vor uns, und wir werden für unser Land zusammenarbeiten." Die Zustimmung für die von Dänemark unterstützten Pläne fiel deutlicher aus als in Meinungsumfragen erwartet. Nach Angaben der Wahlkommission lag die Beteiligung bei rund 72 Prozent, 24 Prozent stimmten mit "Nein". Viele Grönländer waren in der traditionellen Tracht zur Abstimmung gegangen.
Der Entwurf für die Verteilung künftiger Öleinnahmen sieht vor, dass Grönland pro Jahr die ersten 75 Millionen Kronen (rund 10 Millionen Euro) erhält. Was darüber hinausgeht, wollen sich Grönländer und Dänen je zur Hälfte teilen. Im Gegenzug laufen die dänischen Subventionen von derzeit umgerechnet 460 Millionen Euro jährlich aus, die zwei Drittel der grönländischen Wirtschaft ausmachen.
Die Bohrungen nach Öl vor Grönland haben 1971 begonnen und bislang keine nennenswerten Vorkommen zutage gefördert. Doch hoffen die Grönländer immer noch auf Wohlstand durch den Fund von Öl oder Mineralien.
Grönland wurde 1775 eine dänische Kolonie und blieb das bis zur Verfassungsänderung von 1953, die aus der Kolonie eine Provinz machte. Seit 1979 ist die Insel ein halbautonomes Gebiet mit eigener Zuständigkeit in der Gesundheitsfürsorge, Bildung und Sozialeinrichtungen.
Jan M. Olsen, AP
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