Mittwoch, 10. Februar 2010

Politik



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27.11.2008
 

Terrorangriff auf Mumbai

Heftige Explosionen erschüttern Luxushotels - Deutscher unter den Toten

Dramatische Entwicklung in Mumbai: Laut Augenzeugen kam es in den Luxushotels Oberoi und Taj Mahal zu heftigen Explosionen. Das Oberoi steht in Flammen, dort sind noch etliche Geiseln gefangen. Unter den mehr als hundert Toten ist mindestens ein Deutscher.

Mumbai - Wilde Schießereien, explodierende Granaten, heftige Detonationen: Die indische Metropole Mumbai versinkt nach einem konzertierten Terrorangriff im Chaos. Mehr als hundert Menschen sind ums Leben gekommen, darunter ist mindestens ein Deutscher: der Münchner Medienunternehmer Ralph Burkei.

Burkeis Mitgesellschafter Ralph Piller bestätigte damit einen Bericht der Münchner "Abendzeitung". Burkei sei bei dem Versuch, sich aus dem Hotel Taj Mahal zu retten, abgestürzt und auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben. Burkei war ehemaliger Vizepräsident des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München und ehemaliger Schatzmeister der Münchner CSU.

Das Auswärtige Amt hat einen Krisenstab in Mumbai eingerichtet. Wie SPIEGEL ONLINE aus inoffiziellen Quellen erfuhr, sollen unter der Toten in Mumbai mehrere Deutsche sein. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte dazu: "Wir können das zurzeit nicht bestätigen." Bisher wisse man nur von einem toten und mehreren weiteren verletzten Deutschen. "Allerdings müssen wir davon ausgehen, dass weitere Deutsche unter den Betroffenen sind", sagte die Sprecherin.

Im besonders stark betroffenen Süden Mumbais seien drei laute Explosionen zu hören gewesen, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP. In indischen Medien hieß es, die Explosionen hätten sich in den Luxushotels Taj Mahal und Oberoi sowie in der Büro- und Wohnanlage Nariman House ereignet, die zuvor von mutmaßlichen Islamisten angegriffen worden waren. Indische Medien berichteten etwa zeitgleich über einen Einsatz von Sicherheitskräften gegen eine Gruppe von bewaffneten Männern, die im Narinam House einen Rabbiner als Geisel genommen hat.

Kamen Terroristen per Schiff?

Die Behörden gehen davon aus, dass die Terroristen per Schiff nach Mumbai gekommen sind. Die MV Alpha sei kürzlich aus dem pakistanischen Karatschi eingetroffen, sagte ein Sprecher Marine. "Die Marine hat das Schiff lokalisiert, es wird derzeit durchsucht", sagte er.

Der indische Ministerpräsident Manmohan Singh kündigte eine konsequente Reaktion auf die Anschläge an. Zur Terrorabwehr werde der Staat zu den härtest möglichen Mitteln greifen, sagte Singh in einer Ansprache an die Nation. Die Anschläge seien sorgfältig geplant und darauf angelegt gewesen, in der Bevölkerung Panik auszulösen.

Die Lage in der Stadt ist weiterhin unübersichtlich. Nach Angaben der Polizei wurde das Taj-Mahal-Hotel von Polizisten und Soldaten durchsucht. Geiseln fanden sie dort nicht mehr vor. Der Polizeichef des Bundesstaates Maharashtra, A.N. Roy, hielt es jedoch für wahrscheinlich, dass im Trident-Oberoi mehrere Geiseln festgehalten wurden. Zu der Angriffsserie hatte sich eine bislang unbekannte Gruppe namens Deccan Mudschahidin bekannt.

Im Luxushotel Oberoi werden noch immer etliche Geiseln vermutet. Dort halten sich nach offiziellen Angaben noch 100 bis 200 Menschen auf. Wie viele davon in der Gewalt der Terroristen sind, ist unklar.

Im Microblogging-Dienst Twitter überschlagen sich die Meldungen von Menschen, die im Zentrum Bombays wohnen. Mehrere Twitter-Nutzer geben an, im Oberoi hätten sich innerhalb einer guten halben Stunde sechs Explosionen ereignet.

VON BOMBAY ZU MUMBAI

Mitte der neunziger Jahre wurde die Finanz- und Wirtschaftsmetropole Bombay in Mumbai umbenannt. Auch andere Städte erhielten offiziell einen anderen Namen: aus Madras wurde beispielsweise Chennai. Mit diesem Schritt wollte man letzte Erinnerungen an die Kolonialzeit tilgen. "Mumbai" gehört zum Wortschatz einer der indischen Hauptsprachen, dem Marathi, und bedeutet "Mutter Mumba", nach einer hinduistischen Göttin.
Gegenüber vom Oberoi haben Scharfschützen auf den Dächern Stellung bezogen. Aus einem der Fenster des Hotels hängt ein Banner mit der Aufschrift "Rettet uns". Nach Angaben lokaler Fernsehsender haben Polizei und Spezialeinheiten eine Aktion zur Befreiung der Geiseln gestartet.

Auch das Taj Mahal war lange umkämpft. Vermummte Elitekräfte haben am Mittag (Ortszeit) das Hotel gestürmt und schließlich die Kontrolle erlangt. Einige Hotelgäste haben sich aber noch immer in ihren Zimmern eingeschlossen, in Geiselhaft sei dort aber niemand mehr, sagte ein Polizeisprecher. Nach Angaben von Soldaten, die das Hotel umstellt hatten, gingen die Einheiten gezielt von Zimmer zu Zimmer auf der Suche nach Angreifern und Sprengfallen.

Auch ein jüdischer Rabbi und seine Familie wurden offenbar von den Angreifern als Geiseln genommen. Die Familie sitze in einem Wohngebäude im Süden der Stadt fest, sagte ein Sprecher des jüdischen Verbands von Indien.

Maler Bisky entging Attentätern

Der deutsche Maler Norbert Bisky und sein Galerist Andreas Osarek, die sich zurzeit in Mumbai aufhalten, sind in Sicherheit - das bestätigte Osareks Berliner Galerie Crone gegenüber SPIEGEL ONLINE. Osarek brachte die Nacht im umkämpften Hotel Taj Mahal zu und konnte nach Angaben seiner Galerie erst um 5.30 Uhr Ortszeit evakuiert worden. Bisky war demnach nicht unmittelbarer Gefahr, da er sich am Mittwochabend in einem anderen Stadtteil zum Abendessen befand. "Nun sind beide in Sicherheit und es geht ihnen den Umständen entsprechend gut."

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SPIEGEL ONLINE; Google Earth
Unverletzt überstand auch der Europaabgeordnete Daniel Caspary (CDU) die Attacke. Er sei zum Zeitpunkt des Überfalls nicht im Taj-Mahal-Hotel gewesen, sagte Caspary dem Rundfunksender SWR. Alle seine Kollegen und Mitarbeiter seien in Sicherheit, einige seien auf "abenteuerlichen Wegen" aus dem Hotel entkommen. Die Menschen seien durch Küchen und Keller geflohen, in unmittelbarer Nähe habe es Schießereien gegeben. Das deutsche Generalkonsulat in Mumbai bemühe sich, alle Deutschen aus der Gefahrenzone zu bringen.

Gruppen schwerbewaffneter Angreifer hatten am Mittwochabend wild um sich schießend die beiden Luxushotels, ein beliebtes Restaurant, Krankenhäuser und einen Bahnhof gestürmt. Fernsehbilder zeigten Bewaffnete auf einem Pick-up, die während der Fahrt durch das Stadtzentrum von Mumbai in die Menschenmenge schossen. Bei den Angriffen auf mindestens zehn verschiedene Ziele sind mindestens 101 Menschen ums Leben gekommen, mehrere hundert weitere wurden verletzt. Unter den Todesopfern sind zwölf Polizisten. Polizeisprecher A.N. Roy sagte, unter den Toten seien drei ranghohe Beamte - darunter der Chef der Anti-Terror-Einheit.

Attentäter fordern Freilassung aller inhaftierten Islamisten

Ersten Angaben zufolge fordern die Attentäter die Freilassung aller in Indien inhaftierten Islamisten. Die Muslime in Indien sollten nicht länger verfolgt werden, sagte einer der im Hotel Oberoi verschanzten Angreifer am Donnerstag in einem Telefongespräch mit dem Fernsehsender India TV. Im Namen der Organisation Deccan Mudschahidin forderte er, alle in indischen Gefängnissen sitzenden radikalen Muslime freizulassen.

Mumbai ist wiederholt Schauplatz von Terrorakten gewesen, für die meist islamische Extremisten verantwortlich gemacht wurden. Bei einer Serie von Bombenexplosionen im Juli 2006 kamen 187 Menschen ums Leben. Seit Mai hat sich eine Gruppe namens Indische Mudschahidin zu mehreren Anschlägen bekannt, bei denen mehr als 130 Menschen getötet wurden - allein 21 waren es zuletzt im September in der Hauptstadt Neu-Delhi.

In Berlin erklärte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier: "Die Bundesregierung verurteilt die Anschläge in Mumbai auf das Schärfste." In Washington sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Fratto: "Wir verurteilen diese Angriffe und den Verlust von unschuldigem Menschenleben."

ANSCHLÄGE IN INDIEN

29. Oktober 2005

Drei Tage vor dem populären Hindu-Lichterfest Diwali werden bei einer Bombenserie in der Hauptstadt Neu Delhi mindestens 60 Menschen getötet und mehr als 250 verletzt.

8. September 2006

11. Juli 2006

19. Februar 2007

25. August 2007

13. Mai 2008

26. Juli 2008

30. Oktober 2008

26. November 2008

ffr/flo/AP/Reuters/dpa/AFP/ddp

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