Mumbai - Eliteeinheiten der indischen Armee haben nach eigenen Angaben das seit Mittwochabend umkämpfte Hotel "Oberoi" im Stadtzentrum gesichert. Der Leiter der Spezialeinheit sagte, die Lage sei unter Kontrolle. Die Einsatzkräfte hätten 24 Leichen entdeckt, zwei Terroristen seien erschossen worden.
Im Verlauf des Vormittags waren mehrere Dutzend Menschen aus dem Hotel in der indischen Finanzmetropole gerettet worden. Darunter waren auch mehrere Deutsche, zwei Mitarbeiterinnen des Auswärtigen Amtes und Mitarbeiter der Lufthansa. Wie viele Opfer es gibt, ist noch unklar.
Noch rätseln die Ermittler, wer hinter den offensichtlich koordinierten Angriffen stecken könnte. Der indische Außenminister Pranab Mukherjee sagte allerdings, erste Hinweise ließen darauf hindeuten, dass die Drahtzieher im Nachbarland Pakistan zu suchen seien.
Sein pakistanischer Kollege Shah Mehmood Qureshi sagte, beide Staaten stünden einem gemeinsamen Feind gegenüber. "Bringen Sie nicht die Politik mit ins Spiel", warnte er am Freitag während eines Indien-Besuchs. Der pakistanische Geheimdienst hat inzwischen zugesagt, Mitarbeiter zu Beratungen nach Indien zu schicken und sich mit den dortigen Kollegen auszutauschen.
Zu den Mutmaßungen der indischen Behörden passt allerdings eine Meldung der Nachrichtenagentur PTI. Diese hatte unter Berufung auf offizielle Quellen berichtet, drei Terroristen seien in der Nacht am "Taj Mahal"-Hotel festgenommen worden, darunter auch ein Pakistaner. Die Extremisten hätten angegeben, der berüchtigten muslimischen Terrorgruppe Lashkar-i-Toiba (Armee der Reinen) anzugehören. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Ein Sprecher von Lashkar-i-Toiba wies nach indischen Medienberichten jede Beteiligung zurück. Nach Überzeugung der indischen Sicherheitskräfte operiert Lashkar-i-Toiba von Pakistan aus. Die Terrorgruppe ist für zahlreiche Anschläge in Indien in den vergangenen Jahren verantwortlich gemacht worden.
Lage im "Taj Mahal" und im Jüdischen Zentrum noch unklar
Noch nicht unter Kontrolle ist die Situation an zwei weiteren Orten der Anschläge. Scharfschützen eröffneten den Angriff auf das Jüdische Zentrum, von einem Hubschrauber seilten sich neun Soldaten auf das Dach des Gebäudes ab. Zuvor hatten Soldaten das Zentrum umstellt. Bereits in den Stunden zuvor seien Explosionen und Schüsse aus dem Gebäude zu hören gewesen, hieß es. Die mutmaßlich islamistischen Terroristen sollen dort mehrere Geiseln in ihrer Gewalt haben, darunter nach Schätzungen des israelischen Botschafter auch sechs Israelis.
Das Luxushotel "Taj Mahal" wurde laut Polizeiangaben inzwischen fast vollständig geräumt, dort soll sich nur noch ein Angreifer verschanzt halten. Er bewegt sich laut Polizei zwischen zwei Stockwerken hin und her. Nach Angaben eines Armeesprechers hat der Mann vermutlich noch zwei Geiseln in seiner Gewalt. Alle übrigen Hotelgäste und das Personal seien inzwischen in Sicherheit.
Den vermummten Sondereinheiten boten sich beim Durchkämmen des Hotels grausige Szenen. Der Leiter einer Einsatztruppe sagte, er habe in einem Raum rund 50 Leichen liegen sehen.
Die Behörden rechnen aber mit einem raschen Abschluss des Einsatzes im "Taj Mahal". Man befinde sich "im Endstadium der Operationen", sagte Generalmajor N. Thumbiraj. Es sei "eine Frage von Stunden". Die Sicherheitskräfte seien angewiesen, langsam vorzugehen, um Opfer zu vermeiden. Im Hotel harrten weiterhin einige Gäste in Zimmern aus.
Terroristen griffen mit Sturmgewehren und Handgranaten an
Mumbais Polizeichef Hassan Gafoor gab die Zahl der Todesopfer bei den offenbar minutiös geplanten Anschlägen am Freitagmittag mit mindestens 143 an. Mehr als 320 Menschen wurden verletzt. Da die Einsätze an den beiden Hotels und dem Jüdischen Zentrum noch immer andauern, so Gafoor, könnten die Opferzahl weiter steigen.
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Die Angreifer waren nach Polizeidarstellung mit AK-47-Sturmgewehren und Handgranaten bewaffnet und kannten sich in dem betroffenen Viertel sehr gut aus.
jul/ffr/AP/dpa/AFP/Reuters
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