• Drucken
  • Senden
  • Feedback
28.11.2008
 

Terror in Mumbai

Behörden melden Tod von vier Deutschen

Stockwerk für Stockwerk arbeiten sich indische Eliteeinheiten durch die Mumbaier Hotels, in denen Terroristen mit Granaten und Sturmgewehren gewütet haben. Allein in einem Raum der Luxusherberge "Taj Mahal" lagen Dutzende Leichen. Laut Behörden sind mindestens vier Deutsche unter den Toten.

Mumbai - Die Zahl der Todesopfer in der indischen Metropole Mumbai steigt noch immer: Die Behörden melden mindestens 143 Tote. Nach Angaben des indischen Außenministeriums sind darunter mindestens vier Deutsche. Das indische Innenministerium hatte zuvor von drei toten Deutschen gesprochen. Einer davon ist ein Medienunternehmer aus München.

Das Auswärtige Amt (AA) in Berlin wollte zunächst die weiteren Opfer nicht bestätigen. Es verwies auf die noch laufende Identifizierung von Leichen in den überfallenen Hotels in der indischen Finanzmetropole. Dem Vernehmen nach war daran auch das Bundeskriminalamt (BKA) beteiligt.

Unter den insgesamt elf getöten Ausländern sind demnach ein Japaner, ein Jordanier, ein Kanadier, ein Italiener, ein Spanier und zwei Australier. Der Polizeichef der Stadt, Hassan Gafoor, rechnet damit, dass die Zahl der Opfer noch weitaus höher ausfällt. Nach Angaben des Außenministeriums sind unter den 25 verletzten Ausländern unter anderem drei Deutsche, sechs Briten, zwei Amerikaner und drei Staatsbürger aus dem Oman.

Das seit Mittwochabend umkämpfte Hotel "Oberoi" im Stadtzentrum Mumbais ist seit dem Mittag gesichert. Der Leiter der Spezialeinheit sagte, die Lage sei unter Kontrolle. Die beiden letzten verbliebenen Terroristen im Gebäude seien erschossen worden. Die Einsatzkräfte hätten bislang 24 Leichen entdeckt.

Im Verlauf des Vormittags waren mehrere Dutzend Menschen aus dem Hotel in der indischen Finanzmetropole gerettet worden. Darunter waren auch mehrere Deutsche, zwei Mitarbeiterinnen des Auswärtigen Amtes und Mitarbeiter der Lufthansa. Wie viele Opfer es gibt, ist noch unklar.

Am ebenfalls von Terroristen gestürmten Hotel "Taj Mahal" und am nahe gelegenen Nariman-Gebäude waren am Freitag weiterhin Schüsse zu hören. Am "Taj Mahal" befinde man sich "im Endstadium der Operationen", sagte Generalmajor N. Thumbiraj. Es sei "eine Frage von Stunden". Die Sicherheitskräfte seien angewiesen, langsam vorzugehen, um Opfer zu vermeiden.

Das "Taj Mahal" wurde laut Polizeiangaben inzwischen fast vollständig geräumt. Ein Angreifer hält sich allerdings hartnäckig verschanzt. Trotz stundenlanger Suche konnten die Einsatzkräfte den Mann noch nicht stellen. Er bewegt sich laut Polizei zwischen zwei Stockwerken hin und her und hat die Stromversorgung auf den Etagen gekappt, so dass die Beleuchtung nicht funktioniert. Nach Angaben eines Armeesprechers hat der Mann vermutlich noch zwei Geiseln in seiner Gewalt. Alle übrigen Hotelgäste und das Personal seien inzwischen in Sicherheit.

In den Stockwerken, die bereits gesichert sind, bieten sich den vermummten Sondereinheiten grausige Szenen. Der Leiter einer Einsatztruppe sagte, er habe in einem Raum rund 50 Leichen liegen sehen. Im ganzen Gebäude lägen Tote, überall sei Blut.

Aus dem Jüdischen Gemeindezentrum im Nariman-Gebäude, wo sich im Morgengrauen rund hundert Spezialkräfte aus Hubschraubern abgeseilt hatten, wurden nach Angaben der israelischen Generalkonsulin Orna Sagiv bislang keine jüdischen Geiseln befreit. Immer wieder waren Schüsse zu hören. Am frühen Nachmittag sprengten Elitesoldaten ein Loch in die Gebäudewand, um ins Innere vordringen zu können. Hunderte von Schaulustigen beobachteten das Geschehen, viele mit Ferngläsern, etliche kletterten auf Dächer. Am Nachmittag deutscher Zeit hieß es, ein israelischer Diplomat habe mitgeteilt, beim Sturm des Jüdischen Zentrums seien fünf getötete Geiseln entdeckt worden.

Noch rätseln die Ermittler, wer hinter den offensichtlich koordinierten Angriffen stecken könnte. Der indische Außenminister Pranab Mukherjee sagte allerdings, erste Hinweise ließen darauf hindeuten, dass die Drahtzieher im Nachbarland Pakistan zu suchen seien.

Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE; Google Earth

Sein pakistanischer Kollege Shah Mehmood Qureshi sagte, beide Staaten stünden einem gemeinsamen Feind gegenüber. "Bringen Sie nicht die Politik mit ins Spiel", warnte er am Freitag während eines Indien-Besuchs. Der pakistanische Geheimdienst hat inzwischen zugesagt, Mitarbeiter zu Beratungen nach Indien zu schicken und sich mit den dortigen Kollegen auszutauschen.

Zu den Mutmaßungen der indischen Behörden passt allerdings eine Meldung der Nachrichtenagentur PTI. Diese hatte unter Berufung auf offizielle Quellen berichtet, drei Terroristen seien in der Nacht am "Taj Mahal"-Hotel festgenommen worden, darunter auch ein Pakistaner. Die Extremisten hätten angegeben, der berüchtigten muslimischen Terrorgruppe Lashkar-i-Toiba (Armee der Reinen) anzugehören. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Ein Sprecher von Lashkar-i-Toiba wies nach indischen Medienberichten jede Beteiligung zurück. Nach Überzeugung der indischen Sicherheitskräfte operiert Lashkar-i-Toiba von Pakistan aus. Die Terrorgruppe ist für zahlreiche Anschläge in Indien in den vergangenen Jahren verantwortlich gemacht worden.

Die Terroristen hatten am Mittwochabend zehn Ziele in Mumbai mit Schnellfeuergewehren und Handgranaten angegriffen. Sie waren mit Schlauchbooten gekommen und hatten sich dann über die Stadt verteilt.

jul/ffr/asc/AP/dpa/AFP/Reuters

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Terroranschläge in Mumbai 2008

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP



TOP