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28.11.2008
 

Indien und Pakistan

Ausweitung der Qaida-Kampfzone

Ein Kommentar von Claus Christian Malzahn

Wir töten, wo, wann, wen und solange wir wollen - das ist der gruselige Subtext der Attentate von Mumbai. Falls tatsächlich Qaida-nahe Pakistaner dahinter stecken, muss die Regierung des islamischen Landes rasch handeln: Weder Indien noch Barack Obama werden einen solchen Triumph des Terrors dulden.

Noch fehlt das eindeutige politische Bekenntnis zur Terrorserie von Mumbai. Aber an ihren Taten sollt ihr sie erkennen: Die Morde zielten in der konkreten Selektion der Opfer bevorzugt auf Briten, Amerikaner und Juden. Es sind Anschläge, die eine entschlossene winzige Minderheit gegen den überwältigenden Mehrheitswillen in der größten Demokratie der Welt begeht. Sie tragen die so klare wie blutige Handschrift des politisch-militanten Islamismus.

Indischer Soldat vor dem Taj-Mahal-Hotel: Todeszone Mumbai
AFP

Indischer Soldat vor dem Taj-Mahal-Hotel: Todeszone Mumbai

Der unheimliche Subtext der Anschlagsserie von Mumbai besteht in der Omnipotenz der Täter. Sie können töten, wo und wann sie wollen und - fast - wen sie wollen. Der Terror schlägt nicht nur in einem einzigen grauenvollen Moment zu; er breitet sich aus, er dauert mehrere Tage. Ähnliches gab es zwar schon bei Angriffen auf westliche Wohnquartiere und Einrichtungen in Saudi-Arabien 2004, und auch der Kampf um die Rote Moschee 2007 im Zentrum Islamabads trug diese Züge. Dennoch - diesmal tobt der Terror in einer ganzen Stadt.

Die Angriffe treffen die indische Zivilgesellschaft, die trotz der immer wieder aufflackernden Konflikte zwischen Hindu-Mehrheit und muslimischer Minderheit im Großen und Ganzen funktioniert. Der Terror zielt auf ein Land, das mit dem Westen ökonomisch und politisch eng verbunden ist. Die Mission der Täter lässt sich kurz zusammenfassen: die weitere politische, wirtschaftliche und kulturelle Destabilisierung des gesamten Subkontinents.

Die Attacken sind der Versuch, den religiös befeuerten Krieg, der Afghanistan nicht zur Ruhe kommen lässt und inzwischen auch Teile Pakistans erfasst hat, auch nach Indien zu tragen. Dass die Angriffe im Sinne der Ideologie von al-Qaida sind, ist offensichtlich. Zwar ist unklar, ob die Führer des Terrornetzes den Sturm auf Mumbai befohlen haben, und vielleicht wird man diese Frage auch nie beantworten können – es wäre nicht das erste Mal. Doch darf man voraussetzen, dass die Mörder von Mumbai sich als Teil jener internationalen Bewegung verstehen, in der Aiman al-Sawahiri und Osama Bin Laden höchste Ämter versehen.

Pakistan als Dreh- und Angelpunkt des Terrors

Nun zeigen die angesichts der hemmungslosen Brutalität bis ins Mark erschütterten Inder nach Nordwesten: "Elemente mit Verbindungen nach Pakistan" seien verantwortlich für die Massaker, sagte der Außenminister. Mehrere Attentäter seien pakistanischer Abstammung, teilten die Behörden mit. Darüber hinaus hat die indische Regierung zwar keine belastbaren Beweise vorgelegt – was aber die Behauptung keineswegs abwegig macht, dass Pakistan in dem minutiösen Mordkomplott von Mumbai eine Rolle spielt.

Im Gegenteil: Erst im Sommer wurde die indische Botschaft in Kabul Ziel eines blutigen Anschlags. Westliche Agenten vermuten, dass der pakistanische Geheimdienst ISI darin verwickelt war. Auch in der Vergangenheit wurden bei Terroranschlägen in Indien oft pakistanische Gruppen verantwortlich gemacht.

Das soll nicht heißen, dass es in Indien keine "hausgemachten" Dschihadisten gäbe, die Anschläge begehen. In Pakistan aber finden Attentäter jenen Rückzugsraum, den sie brauchen, um eine Kampfzone auf einen ganzen Subkontinent auszuweiten.

Nach dem Abzug der britischen Armee und der Teilung des Subkontinents in Pakistan und Indien 1947 brachen zwischen den Nachbarländern bisher drei große Kriege aus, dazu mehrere bewaffnete Konflikte, der jüngste 1999. Wird gerade nicht geschossen, herrschen misstrauisches Nebeneinander und die politische Devise: Was meinem Nachbarn schadet, ist gut für mich. Der Feind meines Feindes ist mein Freund.

Solche aus Erzrivalität geborenen politischen Maximen kennt man aus Europa noch aus dem 19. Jahrhundert, als sich jede Nation für besser hielt als die nebenan. Auf dem Subkontinent muss man heute zu solch engstirnigen Vorstellungen aber noch den islamistischen Terrorismus des 21. Jahrhunderts als entscheidenden politischen Faktor addieren.

Gehirnwäsche für den Heiligen Krieg

Immerhin, der pakistanische Außenminister hat Indien heute seine Hilfe angeboten. Der ISI-Chef soll die ungeliebten indischen Kollegen in seine Karten gucken lassen. Das sind löbliche Ankündigungen. Doch es braucht viel, viel mehr als Worte, um Angriffe wie jetzt in Mumbai künftig zu verhindern.

Dass sich die Regierungen beider Länder inzwischen vorsichtig annähern, Streitfragen wie Kaschmir besprechen und nun aus Islamabad Beileidstelegramme nach Mumbai und Neu-Delhi geschickt werden, hat für das Gesamtproblem womöglich nur begrenzte Wirkung. Denn um den Kampf gegen den Terror zwischen Kabul, Karatschi und Mumbai nicht mit großer Wahrscheinlichkeit zu verlieren, muss erst die undurchsichtige militärische und politische Situation in Pakistan geklärt werden.

Ein wesentliches Problem sind die dortigen Stammesgebiete, in denen sich seit langer Zeit eine Todesindustrie etabliert hat - mit Hunderten Koranschulen, die man oft als islamistische Kadettenanstalten bezeichnen muss. Fünfjährige Jungs werden dort von ihren meist mittellosen Eltern abgeliefert; staatliche Schulen gibt es kaum, oder sie sind miserabel ausgestattet. Die Kinder lernen fortan den Koran auf Arabisch auswendig, meist ohne auch nur ein Wort dessen zu verstehen, was sie da repetieren. Denn sie sprechen ja Paschtu, kein Arabisch. Der Sinn besteht in der Konditionierung, der Zweck ist Gehirnwäsche - und das Ziel der Dschihad, in den die jungen Männer dann nach militärischer Ausbildung geschickt werden. Oft mitsamt eines Frontpasses, den der sogenannte Geistliche unterschreibt.

Wer die Existenz dieser Todes- und Terrormaschinerie anzweifelt, kann sie im Grenzgebiet zu Afghanistan hundertfach besichtigen, wenige Autostunden von Quetta entfernt. Aber nur, wenn er den Kontrollen und Straßensperren von Armee und Polizei ausweichen kann. Auch auf Betreiben des Geheimdienstes ISI schirmen sie eine Region ab, die man besser als ausgedehntes Kasernengelände des Dschihad zwischen bäuerlichen Dörfern bezeichnen sollte.

Wieso die Abschirmung? Darauf erhält man in Islamabad keine Antwort. Die pakistanische Regierung hat die Kontrolle über die Gegend längst preisgegeben.

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29.11.2008 von ariston: So ein Schwachsinn!

Natürlich die USA - das alte Feindbild! Die Verbündeten sollen den Kopf hinhalten??! Wie bitte? Wer hält den "Kopf" hin?? Deutschland ist noch nicht einmal in der Lage, sich selbst zu verteidigen. Wenn die Warmduscher [...] mehr...

29.11.2008 von mark anton: Islam ist Friede - dies ist die offizielle Version die hier verbreitet wird

in Wirklichkeit leidet die gesamte Welt nur unter einer Terrorplage unter dem Halbmond, ausgefuehrt von Islamisten. Mal fuer idiologische Ziele - Al Quaida, Taliban etc. Mal fuer finanzielle Ziele, Kidnapping, Schiffe [...] mehr...

29.11.2008 von Fackus: egal wer

Denke mal, das wäre den USA egal, wenn sie jemanden Schuldigen für irgendwas suchen. Siehe Guantanamo. mehr...

29.11.2008 von burninghands: Bin Laden ist TOT

Sollte er denn noch am Leben sein (http://www.cnn.com/2002/WORLD/asiapcf/south/01/19/gen.musharraf.binladen.1.19/index.html), wuerde das schlecht mit seiner Diabetes im Endstadium zusammenpassen. Er braucht(e) mindestens [...] mehr...

29.11.2008 von burninghands: Wehe den Geistern die sie riefen... ?

oder ist die ganze Empoerung und Besorgnis wieder nur gespielt, und das wahre Ziel hinter dem Spiel (auch des Spiegels) ist wieder ein anderes? - Die Taliban wurden von urspruenglich den USA gegen die russischen Besatzer [...] mehr...

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