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Indien und Pakistan Ausweitung der Qaida-Kampfzone

2. Teil: Ist Pakistan schon ein "failed state"?

Armee und ISI verschlingen einen Großteil des Staatshaushaltes und führen ein fraktioniertes Eigenleben. Verbindungen zu den Taliban, zu islamistischen Gruppen in Kaschmir und in Indien sind historisch gewachsen.

Selbst wenn die Regierung des Landes den politischen Willen aufbrächte, den Kampf gegen den Terror ernst zu nehmen, bleibt fraglich, ob Armee und Geheimdienst ihr unisono folgen würden. Es ist selbst dem jüngst abgetretenen Machthaber Pervez Musharraf nicht gelungen, den Terror im Land im Zaum zu halten. Und der langjährige General hatte im Gegensatz zu seinem gewählten Nachfolger Asif Ali Zardari nicht nur die politische, sondern auch die militärische Macht.

Es ist nicht Pakistans einziges Problem. Der Internationale Währungsfonds musste dem Land gerade mit vielen Milliarden aushelfen. Es ist so gut wie bankrott. Die politische Führung ist stellenweise korrupt - und eher einflusslos, was den militärisch-geheimdienstlichen Komplex betrifft.

Und irgendwo im Land lagern Atomwaffen. Die USA versicherten zwar stets, die Massenvernichtungswaffen in den Bunkern zwischen Karatschi und Lahore seien sicher. Aber das war, bevor US-Kampfhubschrauber über pakistanischem Gelände von ihren angeblich engsten Verbündeten im Anti-Terror-Kampf beschossen wurden.

Pakistan ist in politischer Hinsicht beinahe ein "failed state", ein gescheiterter Staat. Das sagt nur kein westlicher Staatsmann laut - weil ein solch offenes Eingeständnis die Lage auch nicht gerade erleichtern würde.

Die Pakistaner müssten jetzt handeln

Der nächste US-Präsident scheint über die realen Kräfteverhältnisse in Pakistan immerhin Bescheid zu wissen. Barack Obamas Rhetorik hob sich in dieser Hinsicht schon während des Wahlkampfs überraschend deutlich von seinem Konkurrenten John McCain ab. Der Republikaner rückte diplomatische Gespräche mit der Regierung in Islamabad in den Mittelpunkt. Obama brachte offen eine militärische Intervention in den Stammesgebieten ins Gespräch. Dass die US-Armee dort stärker als bisher militärisch intervenieren wird als bisher, scheint fest zur Agenda des 44. Präsidenten zu gehören. Dem angepeilten US-Abzug aus dem Irak könnte in einem Worst-Case-Szenario tatsächlich der Einmarsch in Pakistan folgen. Das muss in seiner vollen Dimension nicht einmal so gewollt sein - auch Vietnam war ja nicht als jahrelanger Krieg geplant.

Mit der pakistanischen Regierung wird Obama natürlich reden. Aber die Tatsache, dass er auf eigene militärische Stärke setzt, zeigt, dass er die politischen Kräfteverhältnisse in der Armee und Regierung Pakistans ebenso pessimistisch wie nüchtern beurteilt.

Schon die kommenden Wochen werden zeigen, zu welchen Anstrengungen beim Anti-Terror-Kampf die Pakistaner selbst noch in der Lage sind. Wenn sie ein Auftrumpfen der Amerikaner verhindern wollen, müssen sie jetzt handeln.

Clausewitz würde verzweifeln

Die Chancen freilich, die Dschihad-Zone mit ein, zwei, drei Militäraktionen zu bereinigen, sind sehr gering. Wer auch immer den Kampf dort nun endlich angehen will, sollte sich auf einen langwierigen Kampf einstellen.

Denn es ist schwer, einen Krieg zu gewinnen, in dem die Gegenseite einerseits weder moralische, militärische noch staatliche Grenzen akzeptiert - sich andererseits aber ständig hinter ihnen verschanzt. Selbst Clausewitz würde hier fast verzweifeln.

Das Ziel eines Krieges sei es, den Feind wehrlos zu machen, schrieb er. Aber wo soll man da anfangen, wenn man in den Stammesgebieten oft nicht einmal zwischen harmlosen Bauern und getarnten Kämpfern unterscheiden kann?

Die Dschihadisten, die Mumbai in eine Killing Zone verwandeln wollten, haben Hindus, Juden, Amerikaner, Briten, auch Deutsche auf dem Gewissen. Ihre Gesinnungsgenossen töten auch Muslime, jeden Tag – in Pakistan traf es kürzlich bei dem verheerenden Anschlag auf das Marriott-Hotel viele Festgruppen, die das Fastenbrechen zum Ramadan zelebrierten.

Man wird diese Todesschwadrone nur besiegen können, wenn die politischen Akteure des Subkontinents das grenzenlose Spiel ihrer Gegner durchschauen, wenn sie gemeinsam handeln und sich gegenseitig in die Karten gucken lassen. Das freilich setzt Vertrauen voraus - ein Gut, das zwischen Pakistan und Indien seit langer Zeit nicht mehr gehandelt wird.

Indiens Regierung wurde von der Wucht der Anschläge zwar voll erwischt und weiß im Moment noch nicht genau, wo sie ihre Energien im Anti-Terror-Kampf bündeln soll. Allerdings ist sie im Gegensatz zu ihren pakistanischen Gesprächspartnern offenbar im Vollbesitz ihrer Kräfte. Auch ihr kommt nun besondere Verantwortung zu.

Bemerkenswert ist, dass Indiens Außenminister "Elemente mit Verbindungen nach Pakistan" für das Massaker verantwortlich gemacht hat. Vor ein paar Jahren hätte es vielleicht noch "pakistanische Elemente" geheißen. Das ist im Great Game gegen den Terror auf dem Subkontinent ein ebenso wichtiger wie feiner Unterschied – und bei den deprimierenden Aussichten der Region ist man ja dankbar für jede hoffnungsschimmernde Nuance.

Vielleicht entschließen sich die beiden Regierungen zu einer Notgemeinschaft. Immerhin haben sie denselben Gegner.

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insgesamt 18 Beiträge
pj08 28.11.2008
Die Frage stellt sich hier, ob die Regierung von Pakistan überhaupt ein interesse daran hat etwas zu tun. Die Geschichte zeigt es, dass sie davon immer profitiert hat. Und wenn sie es tun will, wie will sie den selbst [...]
Zitat von sysopWir töten, wo, wann, wen und solange wir wollen - das ist der gruselige Subtext der Attentate von Mumbai. Falls tatsächlich Qaida-nahe Pakistaner dahinter stecken, muss die Regierung des islamischen Landes rasch handeln: Weder Indien noch Barack Obama werden einen solchen Triumph des Terrors dulden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,593373,00.html
Die Frage stellt sich hier, ob die Regierung von Pakistan überhaupt ein interesse daran hat etwas zu tun. Die Geschichte zeigt es, dass sie davon immer profitiert hat. Und wenn sie es tun will, wie will sie den selbst geschaffenen Terror beenden? Diese einzelnen Gruppen haben sich schon lange verselbstständigt. Den einzigen, den sie an den Kragen gehen kann ist der ISI, der Pakistanische Geheimdienst. Den zu kontrollieren, dabei hatte selbst Musharaf schwierigkeiten!!!
rabenkrähe 28.11.2008
..... Ich glaube nicht, daß die Frage eine Rolle spielt: Der Haß zwischen Pakistan und Indien ist derart groß, daß jede Unbill gerne dem jeweiligen Gegner in die Schuhe geschoben wird. Beweise dafür lassen sich zur Not auch [...]
Zitat von pj08Die Frage stellt sich hier, ob die Regierung von Pakistan überhaupt ein interesse daran hat etwas zu tun. Die Geschichte zeigt es, dass sie davon immer profitiert hat. Und wenn sie es tun will, wie will sie den selbst geschaffenen Terror beenden? Diese einzelnen Gruppen haben sich schon lange verselbstständigt. Den einzigen, den sie an den Kragen gehen kann ist der ISI, der Pakistanische Geheimdienst. Den zu kontrollieren, dabei hatte selbst Musharaf schwierigkeiten!!!
..... Ich glaube nicht, daß die Frage eine Rolle spielt: Der Haß zwischen Pakistan und Indien ist derart groß, daß jede Unbill gerne dem jeweiligen Gegner in die Schuhe geschoben wird. Beweise dafür lassen sich zur Not auch erfinden. Und leider auch denkbar, daß ein solcher Anschlag zu einer ganz heißen Sache eskaliert, die sich niemand wünschen kann und wünscht. rabenkrähe
ariston 28.11.2008
Egal, wer was "duldet". Es geht darum, endlich klar die Wurzeln des Terrors zu benennen, die Islamforscher längst aufgedeckt haben: der Islam selbst ist eine politische Ideologie, die alle Totalitarismen übertrifft. [...]
Zitat von sysopWir töten, wo, wann, wen und solange wir wollen - das ist der gruselige Subtext der Attentate von Mumbai. Falls tatsächlich Qaida-nahe Pakistaner dahinter stecken, muss die Regierung des islamischen Landes rasch handeln: Weder Indien noch Barack Obama werden einen solchen Triumph des Terrors dulden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,593373,00.html
Egal, wer was "duldet". Es geht darum, endlich klar die Wurzeln des Terrors zu benennen, die Islamforscher längst aufgedeckt haben: der Islam selbst ist eine politische Ideologie, die alle Totalitarismen übertrifft. Wenn wir sie nicht rechtzeitig bekämpfen, droht der Welt eine Katastrophe, die sie bisher noch nicht gesehen hat! Islam heißt Unterwerfung und nicht wie immer wieder behauptet wird: "Frieden". Wenn hier von Frieden die Rede ist, dann ist das der Friede des Friedhofs!
WernerHart 28.11.2008
Wer sich gegen Terrorismus wehren will, muss vor allem erst mal Ruhe bewahren und Augenmaß entwickeln. Die Absicht der Terroristen besteht schließlich darin, mit kleinstmöglichem Einsatz größtmögliche Verwirrung zu stiften, ein [...]
Wer sich gegen Terrorismus wehren will, muss vor allem erst mal Ruhe bewahren und Augenmaß entwickeln. Die Absicht der Terroristen besteht schließlich darin, mit kleinstmöglichem Einsatz größtmögliche Verwirrung zu stiften, ein Riesenland wie die USA beispielsweise durch Nadelstiche so zu reizen, dass es wütend durch die Gegend stolpert und über seine eigenen Beine fällt, wie Herr Bush das gerade vorgeführt hat. An Augenmaß scheint es mir in dem Artikel 'Ausweitung der Quaida-Kampfzone' jedoch zu fehlen. Viel zu aufgeregt finde ich die Beschreibung und vermisse vor allem eine realistische Einordnung. Fast 200 Tote hat es in Bombay gegeben. Das ist schlimm, könnte aber, selbst wenn es in Deutschland dazu käme, unsere Gesellschaftaftordnung nicht ernsthaft in Gefahr bringen. Schließlich haben wir längst damit zu leben gelernt, dass es jeden Monat 400 Tote auf unseren Straßen gibt, und trauen uns trotzdem weiter auf die Straße. Ein Anschlag mit 200 Toten ist objektiv keine Gefahr für unsere Gesellschaftsordnung. Nur wenn wir selber durchdrehen, kann eine Gefahr daraus werden. Deswegen sollten wir Ruhe bewahren und kluge Schritte wählen, um uns unserer Haut zu wehren. Wir sind die Stärkeren, wir haben es nicht nötig, uns in Hass und Panik hineinzusteigern, sondern können es uns leisten, die Terroristen viel unaufgeregter und wirkungsvoller zu bekämpfen, als der Artikel das nahe legt.
ich bin dafür, dass sich deutschland gegen zuviel zuwanderung aus islamischen gebieten verstärkt abschottet. wenn wir erstmal viele solcher menschen hier haben (die sich ja wie seit jahrzehnten erfahren) nicht richtig integrieren, [...]
ich bin dafür, dass sich deutschland gegen zuviel zuwanderung aus islamischen gebieten verstärkt abschottet. wenn wir erstmal viele solcher menschen hier haben (die sich ja wie seit jahrzehnten erfahren) nicht richtig integrieren, werden sie im laufe der zeit immer mehr ihre eigenen kulturen hier in unserem land aufbauen. und diese ist bestimmt eine komplett andere als wir sie jetzt haben. ich kann mir nicht vorstellen dass das hier jemand will.
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