Mumbai/Washington - Nach Angaben des Eigentümers des von Terroristen gestürmten Luxushotels "Taj Mahal" gab es vor der Anschlagsserie in der westindischen Finanzmetropole Mumbai Warnungen vor möglichen Angriffen auf das Hotel. Wie der Chef des Tata-Konzerns, Ratan N. Tata, dem US-Nachrichtensender CNN sagte, seien verschärfte Sicherheitsvorkehrungen in dem Haus jedoch vor kurzem teilweise wieder aufgehoben worden.
Ob die getroffenen Maßnahmen den Angriff hätten verhindern können, bezweifelt er allerdings. "Wenn ich bedenke, was wir hatten ... Es hätte nicht verhindern können, was passiert ist", sagte Tata, zu dessen Konzern die Taj-Hotelkette gehört.
Laut vorab veröffentlichten Auszügen des Interviews, das CNN am Sonntag ausstrahlen will, nannte Tata keine Einzelheiten zu den Anschlagswarnungen. Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme hätten aber beispielsweise keine Autos vor dem Haupteingang des Hotels parken dürfen, sagte er. Außerdem hätten Besucher dort durch einen Metalldetektor gehen müssen. Jedoch seien die Terroristen durch den Hintereingang in die Hotelküche gelangt.
"Sie wussten, was sie tun", sagte Tata. "Sie hatten alles geplant." Die erste Maßnahme der Attentäter sei gewesen, einen Spürhund und den dazugehörigen Hundeführer zu erschießen. Selbst Polizei und Armee seien überfordert gewesen vom strukturierten Vorgehen der Terroristen."
Das "Taj Mahal" war eines von insgesamt zehn Zielen, die von den Terroristen am Mittwochabend in Mumbai angegriffen worden waren. Die letzten Attentäter wurden am Samstag bei heftigen Kämpfen von Sicherheitskräften getötet. Mit Hunderten von Geiseln hatten sich die Angreifer in dem 105 Jahre alten Hotelgebäude verschanzt.
Als Reaktion auf die Anschläge hat Indiens Innenminister Shivraj Patil am Sonntag angeboten, von seinem Posten zurückzutreten. Patil fühle sich verpflichtet, die "moralische Verantwortung" für die Anschlagsserie zu übernehmen, hieß es aus Regierungskreisen. Demnach stellte er seinen Rücktritt Regierungschef Manmohan Singh in einem Brief anheim. Ob Singh das Rücktrittsgesuch angenommen hat, ist aber noch unklar. Patil war nach den Anschlägen in Mumbai heftig von den indischen Medien für die unsichere Lage im Land kritisiert worden.
Bei den offenbar gezielt gegen Ausländer gerichteten Angriffen wurden nach offiziellen Angaben seit Mittwochabend mindestens 195 Menschen getötet, darunter drei Deutsche. Das Auswärtige Amt bestätigte am Samstag weiter nur den Tod eines Deutschen. 295 Menschen wurden verletzt, mehr als 600 aus besetzten Gebäuden befreit. Die Terroristen hatten am Mittwochabend insgesamt zehn Ziele angegriffen, darunter die beiden Luxushotels "Taj Mahal" und "Oberoi Trident", das jüdische Gemeindezentrum, einen Bahnhof und ein Krankenhaus.
Wie der Sender NDTV unter Berufung auf Polizeiangaben berichtete, wurde die Anschlagsserie von langer Hand geplant. Eine andere Gruppe sei bereits vor vier Monaten nach Mumbai gereist, um alle möglichen Ziele gründlich auszukundschaften. Nach einem Bericht der Zeitung "Times of India" sollen mehrere Terroristen auch in dem jüdischen Zentrum in Mumbai, das später zu einem der Hauptanschlagsziele wurde, für kurze Zeit gewohnt haben. "Sie haben im Nariman-Gebäude zur Miete gewohnt und sich als malaiische Studenten ausgegeben", zitierte die Zeitung eine namentlich nicht genannte Polizeiquelle. Auch dies hätten Vernehmungen des gefassten Terroristen ergeben. Außerdem sei geplant gewesen, das Luxushotel "Taj Mahal" in die Luft zu sprengen.
Nach offiziellen Angaben gehen die Behörden bislang davon aus, das zehn Terroristen an den Anschlägen beteiligt waren. Neun von ihnen seien getötet worden.
Die Terroristen wollten nach Überzeugung des Vizepremierministers im Bundesstaat Maharashtra ein noch viel größeres Blutbad mit Tausenden von Toten anrichten. "Wir haben dermaßen viel Munition bei ihnen gefunden - es ist offensichtlich, dass sie vorhatten, 5000 Menschen umzubringen", sagte R.R. Patil nach Berichten der Agentur PTI.
ffr/dpa/AFP/Reuters/AP
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