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Angriff auf Mumbai Protokoll eines mörderischen Feldzugs

Brennendes Hotel "Taj Mahal": Angriff vom Meer aus
REUTERS

Brennendes Hotel "Taj Mahal": Angriff vom Meer aus

Epilog: Wer hat Schuld, wer hat versagt?

In einer E-Mail hat sich eine Organisation namens "Deccan Mudschahidin" zu den Anschlägen bekannt - doch Ermittler, Politiker und Medien in Indien halten dies für eine falsche Fährte. Da wolle sich nur eine unbedeutende Terrorgruppe wichtig machen, oder es solle Verwirrung gestiftet werden.

Dass hinter den Angriffen allerdings radikale Islamisten stecken, gilt als ausgemacht. Konkret wird in Indien die Gruppe Lashkar-i-Toiba aus Pakistan verdächtigt; auch einige Attentäter wie Azam Amir Kasav sollen aus dem jahrzehntelang verfeindeten Nachbarstaat stammen. Kasav soll sich zu Lashkar-i-Toiba bekannt haben.

Die Sicherheitskräfte halten eine "unheilige Allianz" zwischen dem islamistischen Studentenbund "Students' Islamic Movement of India" (Simi) und dem pakistanischen Geheimdienst ISI für die wahrscheinlichste Variante. Beide hätten einen Grund, Indien zu destabilisieren, sagen Insider: die jungen Muslime in Indien, weil sie sich unterdrückt fühlen und den Abriss der berühmten Babri-Moschee in Ayodhya rächen wollen; die "kriminellen Elemente in Pakistan", weil sie Indien den Aufstieg in den Kreis der wirtschaftlich, politisch und kulturell wichtigen Nationen neiden.

Erst die Unterstützung durch Simi und ISI versetze Lashkar-i-Toiba in die Lage, Anschläge wie jetzt in Mumbai zu verüben, argumentieren indische Politiker, Polizisten und Medien. Womöglich habe sogar al-Qaida die Finger im Spiel - jenes globale Terrornetzwerk, dem Lashkar-i-Toiba nacheifert.

Die pakistanische Regierung hat die Anschlagserie verurteilt und sich distanziert. Ob sie allerdings die volle Kontrolle über das Militär und den Geheimdienst ISI hat, steht seit langem in Zweifel.

Zunächst hat der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari zugesichert, dass der ISI-Chef persönlich zum Informationsaustausch über die Anschläge nach Indien reisen wird. Dieses Versprechen wurde allerdings rasch zurückgezogen - jetzt soll nur ein "Vertreter des ISI" kommen. Indische Zeitungen kritisierten das als Feigheit: Pakistans Machthaber seien offenbar nicht wirklich daran interessiert, Licht in die Sache zu bringen.

Indiens Schuldzuweisungen an Pakistan sind durch keine belastbaren Beweise unterfüttert. Die Indizien deuten allerdings darauf hin, dass Profis des islamistischen Terrorismus zumindest involviert waren. Die perfekte Vorbereitung, die präzise Koordination, das kühl kalkulierte Vorgehen - das spricht nicht für ein Werk von Anfängern.

Ein hochrangiger Sicherheitsexperte im indischen Außenministerium gibt die Schuld klar "kriminellen Elementen in Pakistan" und verweist auf Vernehmungen von Terroristen, die bei früheren Anschlägen verhaftet wurden. Schließlich haben islamistische Attentäter in den vergangenen Jahren immer häufiger zugeschlagen, über das ganze Land verteilt. "Wir haben in den vergangenen Jahren viel gelernt. Wir wissen mehr über den islamischen Terrorismus, als viele Menschen glauben", sagt der Experte und weist damit Kritik zurück, die Regierung habe der Gefahr tatenlos zugesehen.

Wieso die Attentate trotz aller Kenntnisse über die Islamisten und trotz der konkreten Vorzeichen nicht verhindert wurden - das müssen sich jetzt die indischen Staatsvertreter fragen lassen. Menschen demonstrieren, die Zeitungen stellen unbequeme Fragen: Wieso hat die Polizei so lange gebraucht, die Mordserie von Mumbai zu stoppen? Wie konnten so wenige Attentäter eine Millionenmetropole so lange mit Horror und Gewalt überziehen? Und vor allem: Wieso hat die Terrorabwehr so dramatisch versagt?

Indiens Innenminister Shivraj Patil und Sicherheitsberater M. K. Narayanan sind am Sonntag zurückgetreten. Die Regierung droht in eine schwere Krise abzudriften.

Ein weiterer Erfolg für die Terroristen.


Attentate in Mumbai - Protokoll eines mörderischen Feldzugs:

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