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Globale Bedrohung US-Kongress warnt vor Biowaffen-Terror

2. Teil: Warum Pakistan als Schaltstelle des Terrors benannt wird

Dieses Labyrinth sei mit "traditioneller Macht", wie sie die USA ausübten, kaum mehr zu kontrollieren: "Geld wird bewegt, Transaktionen werden getätigt, Informationen werden ausgetauscht, Instruktionen werden erlassen, und Anschläge werden mit einem Tastendruck entfesselt." Selbst Terroristen "ohne Zugriff auf eine industrielle Basis oder sogar eine wirtschaftliche Basis" könnten heutzutage "Waffen mit enorm zerstörerischer Kapazität" herstellen oder erwerben, heißt es da.

Als Schaltstelle dieser düsteren Bemühungen identifiziert die Kommission Pakistan - sie widmen dem Land ein ganzes Kapitel: "Würde man Terrorismus und Massenvernichtungswaffen heute auf einer Landkarte darstellen, dann würden sich alle Wege in Pakistan treffen."

Pakistan, das der Kommission zufolge rund 85 Atomwaffen-Sprengköpfe besitzt, sei zwar ein US-Alliierter. "Doch besteht die ernste Gefahr, dass es auch eine ungewollte Quelle eines Terroranschlags auf die Vereinigten Staaten werden könnte." Es sei zu erwarten, dass ein solches Attentat von den sogenannten Stammesgebieten unter Bundesverwaltung ausgehen werde - jener Region im Nordwesten, die zum Teil von al-Qaida und den Taliban kontrolliert wird.

"Empfängliche Umgebung für Radikalisierung"

"Die gärenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Missstände in Pakistan", heißt es, "haben eine empfängliche Umgebung für Radikalisierung geschaffen." Diese werde allen Anzeichen nach immer schlimmer. Das bisherige US-Engagement dort begrenze die Gefahren nicht.

Für die künftige US-Regierung ist das freilich nichts Neues: Obama hat das selbst schon moniert. Auch Verteidigungsminister Robert Gates, der sein Amt weiterführen soll, sagte am Dienstag, die Stammesgegenden Pakistans stellten "wohl die größte Bedrohung" für die USA dar.

Der Bericht hebt noch zwei weitere Staaten hervor, besonders wegen ihrer Atompolitik: Iran und Nordkorea. Erstmals seit dem Kalten Krieg sei die Welt deshalb mit einem "wachsenden nuklearen Risiko konfrontiert". Je mehr Regierungen sich atomare Kenntnisse aneigneten, um so höher werde die Gefahr, "dass solche Materialien an Terrorgruppen umgeleitet oder von ihnen gestohlen werden".

Am wahrscheinlichsten halten die Experten freilich einen Bioterrorangriff mit Bakterien (Anthrax), Viren (Ebola, Pocken) oder Giften (Ricin). Kommissionschef Graham erinnerte auf CNN an die Influenza-Epidemie, die 1918 Millionen umgebracht habe. Eine Bioattacke, sagte er, könnte das "um das Vielfache" multiplizieren.

Dutzende Empfehlungen für Obama

Die US-Regierung behandele die WMD-Bedrohung bisher aber nur als "zweitrangig", kritisierte der Bericht - obwohl sie seit 2001 fast 50 Milliarden Dollar in zivilen Bioschutz investiert habe. Stattdessen sei dadurch ein enormes Geflecht aus rund 400 hochkontaminierten US-Labors mit fast 15.000 autorisierten Mitarbeitern entstanden, das jetzt nur noch anfälliger sei. Auch gebe es keine einheitliche, staatliche US-Kontrollbehörde.

Bisher hat wohl noch keine Terrorgruppe genug Kenntnisse, um wirksame Biowaffen herzustellen und zum "Massentod" einzusetzen. "Aber sie könnten diese Fähigkeit schnell entwickeln", schreibt die Kommission - etwa, indem sie Fachleute rekrutierten: "Die USA sollten sich weniger darum sorgen, dass Terroristen zu Biologen werden, als darum, dass Biologen zu Terroristen werden."

Dem neuen Präsidenten Obama gibt die Kommission Dutzende Empfehlungen mit. Er müsse beim Schutz gegen Bio- und Atomterror "viel weitergehen" als Bush und dazu auch die Kraft der amerikanischen Diplomatie einsetzen.

Zur Verdeutlichung zitiert der Bericht ein Szenario des Grauens, entwickelt vom Homeland Security Council, der im Weißen Haus den Heimatschutz koordiniert. In diesem Szenario greifen Terroristen eine "dicht besiedelte Großstadt" mit einem Truck an, aus dem Anthrax in Aerosolform versprüht werde. Die ersten Anthraxfälle würden rund 36 Stunden später in den Notaufnahmen auftauchen. Erst danach komme es zu einem "rapidem Fortschritt von Symptomen" bei Tausenden Menschen.

Aber dann wäre es auch zu spät.

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