Aus Athen berichtet Gerd Höhler
Doch all das besänftigt die Wut der Autonomen nicht, wie die neuerlichen Verwüstungen am Sonntagnachmittag zeigten. Die Polizei blieb auf Distanz, "Defensive" lautet das von Innenminister ausgegebene Motto. Sie feuerten zwar Tränengaskartuschen auf die Autonomen ab, hielten aber Sicherheitsabstand und mieden den direkten Kontakt. Nichts wäre in diesem aufgeheizten Klima verheerender als ein weiteres Opfer.
Staatspräsident Karolos Papoulias kondolierte die Familie des getöteten Jungen, sprach davon, auch der Rechtsstaat sei verletzt worden - und übte damit indirekt Kritik an der Polizei. Auch Regierungschef Karamanlis schickte ein Beileidsschreiben an die Eltern des Jungen. Für den konservativen Premier könnte die Welle der Gewalt, die jetzt über das Land hinwegrollt, fatale politische Folgen haben.
Ohnehin geriet Karamanlis in den vergangenen Monaten immer tiefer in den Strudel einer ganzen Serie von Skandalen. Auch bei der Bewältigung der Finanzkrise macht Karamanlis nach dem Urteil vieler Griechen keine gute Figur, wie Meinungsumfragen zeigen. Im Parlament verfügt die konservative Regierung nur noch über eine hauchdünne Mehrheit von 151 der 300 Mandate.
Der Premier könnte nach Einschätzung von Beobachtern ohnehin gezwungen sein, im kommenden Jahr vorgezogene Parlamentswahlen herbeizuführen. Dass er die gewinnen kann, gilt aber als unwahrscheinlich: Bei der Sonntagsfrage liegen die oppositionellen Sozialisten seit Monaten mit wachsendem Abstand vor den Konservativen.
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