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09.12.2008
 

Schwere Krawalle

Brände verwüsten Athens Innenstadt

Geplünderte Geschäfte, eingeschlagene Scheiben, brennende Gebäude und Autos: Tausende Jugendliche haben in griechischen Städten randaliert, die Polizei setzte Tränengas ein. Vor allem in Athen kam es zu schweren Ausschreitungen - um Mitternacht hatte sich die Lage etwas beruhigt.

Athen - In der griechischen Hauptstadt Athen sind am Montagabend erneut Tausende Randalierer durch die Innenstadt gezogen und haben Geschäfte demoliert. Die Ausschreitungen entwickelten sich im Anschluss an eine Demonstration gegen den Tod eines 15-Jährigen durch Schüsse eines Polizisten.

In Dutzenden Geschäften wurden Brände gelegt oder Scheiben eingeschlagen, die Läden wurden geplündert. Gewalttätige Demonstranten verwüsteten alles, was ihnen in den Weg kam. Entlang der drei großen Einkaufsstraßen Panepistimiou, Stadiou und Skoufa sowie rund um den zentralen Syntagmaplatz brannten viele Geschäfte.

In dem vornehmen Viertel Kolonaki wurden den Berichten zufolge mehrere Geschäfte geplündert. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Randalierer vor. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums mussten zehn Menschen mit Atembeschwerden im Krankenhaus behandelt werden.

Verzweifelte Besitzer zerstörter Geschäfte riefen mit Tränen in den Augen um Hilfe. Die Feuerwehr wurde jedoch an einem Eingreifen gehindert, weil der wütende Mob die Einsatzfahrzeuge mit Brandflaschen attackierten. Resignierte Feuerwehrleute entgegneten auf die Frage, wo es brennt: "Fragen Sie uns lieber, wo es nicht brennt." Auch der etwa 20 Meter hohe Weihnachtsbaum der Stadt Athen wurde angezündet und brannte lichterloh. Dazu sangen sie die griechische Fassung von "O Tannenbaum".

"Hier herrscht Krieg. Holt uns hier raus", riefen verzweifelte Bewohner aus dem Zentrum Athens telefonisch um Hilfe.

Die Sicherheitskräfte zogen sich nach Angaben des Generalsekretärs der konservativen Regierungspartei ND, Lefteris Zagoritis, zeitweise zurück, um heftige Zusammenstöße zu vermeiden. "Glasscheiben sind wichtig, aber Menschenleben sind noch wichtiger", sagte er dem Fernsehsender NET.

Um Mitternacht entspannte sich die Lage leicht. Die Randalierer zogen sich zurück. Die ersten Autos fuhren wieder rund um den zentralen Syntagmaplatz, wie das Fernsehen zeigte. Die Polizei blieb weiterhin in höchster Alarmbereitschaft. Zahlreiche Randalierer hatten sich in der Technischen Universität verbarrikadiert.

Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis berief in der Nacht eine Sondersitzung des Ministerrates ein. "Unsere erste Sorge war und ist, Menschenleben zu schonen", sagte Innenminister Prokopis Pavlopoulos nach dem Treffen. Damit meinte er, dass es die Polizei unter den gegebenen Umständen nicht auf einen Nahkampf mit den Randalierern ankommen ließ, damit keine Menschen den Gefahren ausgesetzt werden.

Auch im Zentrum der nordgriechischen Metropole Thessaloniki wurden am Montagabend rund hundert Geschäfte geplündert. Die Randalierer zerschlugen Schaufenster und klauten Uhren, Schmuck und Kleidung, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Das Auswärtige Amt in Berlin riet Urlaubern, die von den Unruhen betroffenen griechischen Stadtzentren zu meiden.

In der britischen Hauptstadt London wurden fünf Demonstranten festgenommen, die vor der griechischen Botschaft gegen den Tod des 15-Jährigen protestiert hatten. Bei Protesten vor der griechischen Botschaft in der zyprischen Hauptstadt Nikosia wurden nach Polizeiangaben zwei Demonstranten verhaftet.

Der Chef der oppositionellen Partei der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok), Giorgos Papandreou, rief die Bürger des Landes für Dienstagabend dazu auf, Kerzen im Zentrum der Stadt zu entzünden, um an das Opfer der Polizeigewalt zu erinnern, wie es heißt. Zudem forderte er indirekt den Rücktritt der Regierung. "Alle jungen Menschen sagen heute: Es reicht mit dieser Regierung, die ihre Verantwortung nicht übernimmt", sagte Papandreou im Fernsehen.

Der 37 Jahre alte Polizist, der am Samstagabend den tödlichen Schuss auf den Schüler abgegeben haben soll, sagte aus, er habe lediglich drei Warnschüsse abgefeuert. Der Jugendliche sei von einem Querschläger getroffen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Polizisten Totschlag vor. Einer der Anwälte des Beamten trat zurück. Er lies verlauten, dass er einen "solchen Mandanten" aus Gewissensgründen nicht verteidigen könne. Über den mutmaßlichen Schützen wurde bekannt, dass er wegen seines harten Durchgreifens unter dem Spitznamen "Rambo" bekannt gewesen sei, berichtete der griechische Rundfunk.

asc/hen/dpa/AP/AFP/Reuters

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