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09.12.2008
 

Ausschreitungen in Athen

Griechische Regierung kündigt Härte gegen Randalierer an

Griechenlands Führung will durchgreifen: Nach einer Krisenrunde mit dem Staatspräsidenten kündigt Ministerpräsident Karamanlis ein entschlossenes Vorgehen gegen Demonstranten an. Athen erlebte schon die dritte Nacht der Ausschreitungen, 87 Menschen wurden festgenommen.

Hamburg/Athen - Nach den verheerenden Ausschreitungen in Griechenland hat Ministerpräsident Kostas Karamanlis ein hartes Durchgreifen angekündigt. "In diesen kritischen Stunden müssen alle Politiker die Chaoten isolieren und verurteilen. Das ist unsere Pflicht", sagte er nach einem Treffen mit Staatschef Karolos Papoulis. Ziel des Treffens war nach Medienberichten, die Einstimmigkeit aller Spitzenpolitiker zu sichern, damit die Polizei notfalls auch mit Härte die Ausschreitungen im Land beendet.

Zugleich kündigte der Regierungschef eine lückenlose Aufklärung an, um die Hintergründe des Todes des 15-jährigen Schülers aufzuklären. "Ich habe dem Präsidenten des Landes versichert: Wir werden keine Gnade für die Verantwortlichen zeigen", sagte Karamanlis. Die Ausschreitungen waren am Samstag ausgebrochen, nachdem der 15-Jährige im Athener Stadtzentrum von einer Polizeikugel tödlich getroffen worden war.

In den vergangenen drei Tagen hatten jugendliche Autonome weite Teile Athens und anderer Städte in Griechenland verwüstet. Auch in der Nacht zum Dienstag wüteten die Randalierer abermals.

Die Polizei in Athen hat nach den erneuten Ausschreitungen 87 Menschen festgenommen. Wie ein Polizeisprecher am Dienstag mitteilte, handelte es sich bei den meisten Festgenommenen um Plünderer, die am Montagabend nach Demonstrationen gegen die Tötung des 15-Jährigen durch die Polizei in mehrere Geschäfte im Zentrum der griechischen Hauptstadt eingedrungen waren. Der Polizei zufolge gingen die Randalierer auch mit Waffen gegen Polizisten vor. Die Waffen hatten sie demnach zuvor in einem Waffengeschäft entwendet. Bei den gewalttätigen Zusammenstößen wurden zwölf Polizisten verletzt.

Der 37 Jahre alte Polizist, der den tödlichen Schuss auf den Schüler abgegeben haben soll, sagte aus, er habe lediglich drei Warnschüsse abgefeuert. Der Jugendliche sei von einem Querschläger getroffen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Polizisten Totschlag vor. Einer der Anwälte des Beamten trat am Montag zurück. Er ließ verlauten, dass er einen "solchen Mandanten" aus Gewissensgründen nicht verteidigen könne. Über den mutmaßlichen Schützen wurde bekannt, dass er wegen seines harten Durchgreifens unter dem Spitznamen "Rambo" bekannt gewesen sei, berichtete der griechische Rundfunk.

Als Zeichen der Trauer sollten am Dienstag Schulen und Universitäten geschlossen bleiben. Die Beerdigung des Jugendlichen ist für 14 Uhr MEZ auf dem Friedhof im südlichen Athener Stadtteil Palio Faliro vorgesehen. Für den Nachmittag sind weitere Demonstrationen von Schülern und Lehrern angekündigt.

In der britischen Hauptstadt London wurden fünf Demonstranten festgenommen, die vor der griechischen Botschaft gegen den Tod des 15-Jährigen protestiert hatten. Vor der Vertretung hatten sich zuvor rund 40 Menschen versammelt, wie ein AFP-Reporter berichtete. Bei Protesten vor der griechischen Botschaft in der zyprischen Hauptstadt Nikosia wurden nach Polizeiangaben zwei Demonstranten verhaftet.

flo/AFP/dpa

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