Athen - Schulen blieben geschlossen, in Ministerien wurde die Arbeit niedergelegt, alle Flüge bis Mitternacht sind gestrichen: Ein Generalstreik hat weite Teile Griechenlands lahmgelegt. Ladenbesitzer haben ihre Fenster vernagelt - aus Angst vor neuen Gewaltakten.
Gewerkschaftsdemo in Athen: Steinewerfer lösen sich aus der Menge
Der Generalstreik kommt inmitten einer seit vier Tagen anhaltenden Welle von gewalttätigen Ausschreitungen. Auslöser war der Tod des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos, der von einem Polizisten erschossen worden war. Der Polizist gab an, nur einen Warnschuss abgegeben zu haben. Gegen ihn wird wegen Mordverdachts ermittelt. Die Gewaltwelle schwappte schnell auf mehr als zehn griechische Städte über.
Der griechische Polizist, aus dessen Waffe der tödliche Schuss auf den Jungen abgegeben worden war, wird nach Angaben seines Anwalts durch die ballistische Untersuchung der Kugel entlastet. "Die Untersuchung spricht für meinen Mandanten", sagte am Mittwoch der Rechtsanwalt des mutmaßlichen Schützen. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür bislang nicht.
Der 37-jährige Polizist hatte mehrmals ausgesagt, er habe drei Warnschüsse abgefeuert, das Opfer sei von einem Querschläger getroffen worden. Er hofft nun, nicht wegen Totschlags oder Mord, sondern nur wegen fahrlässiger Tötung belangt zu werden. Se inem 31-jährigen Kollegen wird bislang Beihilfe zum Totschlag vorgeworfen. Am Mittwochnachmittag sollten die beiden Polizisten, die sich in Untersuchungshaft befinden, dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden, berichtete das Staatsradio.
Am Rande einer Demonstration, bei der es um höhere Löhne ging, ist es nun zu neuen Ausschreitungen zwischen Autonomen und der Polizei in Athen gekommen. Die Randalierer lösten sich aus einer friedlichen Demonstration von mehr als 15.000 Menschen heraus und warfen mehrere Molotow-Cocktails und Steine auf die Polizei vor dem Parlamentsgebäude. Die Polizei setzte massiv Tränengas und Schlagstöcke ein, um die rund 300 Randalierer auseinander zu treiben, wie Augenzeugen berichteten.
Auch in Paris, Berlin, London, Den Haag und in Zypern protestierten Griechen. Der Generalstreik richtet sich wie bereits frühere Protestaktionen gegen Privatisierungen in der Wirtschaft, gegen die Rentenreform und den Anstieg der Lebenshaltungskosten. "Hände weg von unseren Rechten!", forderten einige Demonstranten. Auf einem Transparent stand: "Die Reichen sollen für ihre Krise zahlen".
Nach einer Demonstration vor dem griechischen Konsulat in Frankfurt ist es am Dienstagabend zu Ausschreitungen gekommen. Dabei ging unter anderem das Schaufenster einer Bank zu Bruch, außerdem wurden Mülltonnen und ein Bauzaun demoliert, wie die Polizei am Mittwoch berichtete. Sieben Demonstranten seien vorübergehend in Verwahrung genommen worden. Etwa hundert Menschen hatten zunächst friedlich vor dem Konsulat demonstriert. Danach zogen die Demonstranten in kleineren Gruppen durch die Stadt. Dabei kam es zu den Sachbeschädigungen.
Die Aufforderung der Regierung, den Streik abzusagen, hatten die Gewerkschaften abgelehnt. Die oppositionellen Sozialisten machen Karamanlis für die Krise verantwortlich. Er und seine Regierung hätten das Vertrauen der Bevölkerung verspielt. Als Konsequenz fordern sie vorgezogene Wahlen.
In Athen blieben viele Geschäfte geschlossen. Ihre Inhaber vernagelten die Fenster, um weitere Schäden durch Randalierer zu verhindern. Bushaltestellen und Müllcontainer sind schwarz von den Brandschatzungen, Telefonzellen zerstört, Autos ausgebrannt. An vielen Häusern gibt es Feuerspuren. Die Schäden der Gewaltwelle betragen Dutzende Millionen Euro.
cte/Reuters
Auf anderen Social Networks posten:
Den dt. Staatsschulden stehen allein über 4 Billionen Euro Privatvermögen in Geldform gegenüber, von übrigen Vermögenswerten ganz abgesehen. Wenn der Staat wollte und Staatsentschuldungszertifikate mit guter Rendite ausreichen [...] mehr...
Eine schöne Utopie, die daran scheitert, dass eine ganze Menge Leute dann ihre gutdotierten Posten verlieren würden. Da wurschtelt man doch lieber auf nationaler Ebene weiter, zeigt mit dem Finger auf die anderen, damit das [...] mehr...
Die Probleme der PIIGS-Staaten lassen sich ganz leicht lösen, indem sich die EU zur Union der Europäischen Staaten emanzipiert, mit gemeinsamer Finanz-, Außen-, Innen- und Sozialpolitik! Danach wäre der Euro stabil und beinah [...] mehr...
Gilt wohl nur für Griechen;-) Sehen so griechische Geschäftsgebahren aus? na was´n Wunder;-)) Er wird es gar nicht so weit kommen lassen, wenn ich jemandem Gels leihe, dann zahlt der auch zurück... pünktlich und gerne;-))) mehr...
Sicherheiten gibt es nicht. Wenn sie jemanden fünf mal Geld geliehen haben, und der erklärt ihnen, dass er die garantiert nicht zurückzahlt, leihen sie den noch mal Geld? Ach ja, für 100% Zinsen. Auch dann, wenn sie nicht einmal [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Ausschreitungen in Griechenland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH