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12.12.2008
 

Proteste in Athen

Demonstranten verwüsten Anwaltsbüro

Sechs Tage nach dem Tod eines Jugendlichen sind die Krawalle in Griechenland allmählich abgeschwächt - die Hauptstadt Athen kommt jedoch nur langsam zur Ruhe. Demonstranten verwüsteten das Büro des Anwalts der beiden inhaftierten Polizisten.

Athen - Noch immer kommt es in der griechischen Hauptstadt zu Unruhen. In Athen beteiligten sich etwa 4000 Menschen, vor allem Schüler, Studenten und Lehrkräfte, an einem Protestzug zum Parlament. Dabei waren gegen die Polizei gerichtete Sprechchöre zu hören.

An der Spitze des Zuges hielten Demonstranten ein großes Transparent mit der Aufschrift "Mörderstaat" hoch. Zu Beginn der Demonstration bewarfen Jugendliche Polizisten mit Molotow-Cocktails und Steinen, die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. Die Fassaden zweier Bankfilialen wurden durch Steine und andere Wurfgeschosse beschädigt. Wenig später wurde die Demonstration jedoch ohne weitere Zwischenfälle fortgesetzt.

Im Zentrum der Stadt wurde das Büro des Anwalts verwüstet, der im Zusammenhang mit dem Tod des Jugendlichen zwei Polizisten vertritt. Während des Angriffs einer Gruppe Jugendlicher sei niemand verletzt worden, hieß es aus Polizeikreisen. Der Anwalt Alexis Kougias sei während des Überfalls nicht im Büro gewesen. Die Randalierer riefen in Anspielung auf das Ergebnis der Autopsie des 15-jährigen Alexis Grigoropoulos: "Kougias wird durch einen Querschläger sterben."

Der durch häufige Fernsehauftritte bekannte Kougias hatte mit seiner Aussage für Empörung gesorgt, der Tod des Jugendlichen sei durch eine "Tat Gottes" herbeigeführt worden. Eine Autopsie hatte nach Angaben aus Justizkreisen ergeben, dass er durch einen Querschläger getötet worden sei.

In Thessaloniki, der zweitgrößten Stadt des Landes, zogen etwa 800 Schüler und Studenten durch die Straßen. Zu Beginn der Kundgebung warfen Jugendliche Steine und Orangen auf ein Polizeikommissariat. Am Ende einer Kundgebung mit etwa tausend Teilnehmern, zumeist Mitglieder linksradikaler Gruppen, griff eine Gruppe von Demonstranten Büros der Regierungspartei Nea Dimokratia mit Wurfgeschossen an.

Regierungschef Kostas Karamanlis lehnte einen Rücktritt erneut ab. Für ihn sei es "zu früh, um in Rente zu gehen", sagte er am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Sein Land brauche "eine beständige und verantwortungsvolle Regierung", vorgezogene Wahlen kämen nicht in Frage.

In Frankfurt am Main kam es nach einer friedlichen Kundgebung aus Solidarität mit den Protesten in Griechenland in der Nacht zum Freitag zu Ausschreitungen. Demonstranten bewarfen Polizisten und Einsatzfahrzeuge mit Steinen, Farbbeuteln und Flaschen, wie die Polizei mitteilte. Zwei Zivilbeamte wurden leicht verletzt. Die Polizei nahm die Personalien von acht Demonstranten auf und meldete zudem eine Festnahme.

amz/AFP

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