Teheran - Die iranischen Behörden haben am Sonntag ein Büro der Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi geschlossen. Dies berichteten iranische Medien unter Berufung auf das Innenministerium und die Teheraner Staatsanwaltschaft. Das Büro dient einer von ihr geleiteten Menschenrechtsgruppe als Versammlungsraum.
Die Behörden hätten die Schließung des Büros angeordnet, da es ohne entsprechende Genehmigung als Beratungszentrum in Menschenrechtsfragen genutzt worden sei, berichtete die Nachrichtenagentur Mehr. Deshalb seien die dort entfalteten Aktivitäten aus Sicht der Behörden illegal gewesen. Von dem Zentrum sei "Propaganda gegen das (iranische) System" ausgegangen, hieß es weiter.
Die Menschenrechtsgruppe wollte in dem Raum eine Feier zum 60. Menschenrechtstag abhalten. Dabei sollte der Aktivist Taki Rahmani geehrt werden, der in der Islamischen Republik unter dem Vorwurf von Umsturzbestrebungen 17 Jahre lang inhaftiert war.
Die zum Teil in Zivil gekleideten Sicherheitskräfte hätten keinen Durchsuchungsbefehl vorgelegt, sagte Ebadi. Das Gebäude sei geschlossen worden, sagte sie. Berichte über Festnahmen lagen nicht vor. Die Aktivistin kündigte an, die Gruppe werde ihre Arbeit fortsetzen, Rahmani werde zu einem späteren Zeitpunkt geehrt.
Die 61-Jährige hat sich wiederholt für die Rechte von Dissidenten, Aktivistinnen und Mitgliedern religiöser Minderheiten eingesetzt. Sie hatte eines ihrer Büros im Norden der Hauptstadt Teheran einem Menschenrechtszentrum überlassen und sich oft mit Vertretern ausländischer Regierungen getroffen.
Bislang wurden die Aktivitäten der Friedensnobelpreisträgerin weitgehend toleriert, obwohl ihre Organisation im vergangenen Jahr verboten worden war. Weder die Regierung des reformorientierten früheren Regierungschefs Mohammed Chatami noch die des derzeitigen konservativen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad waren bisher gegen Ebadi eingeschritten.
In Deutschland war Ebadi Anfang Oktober mit dem Toleranzpreis der Evangelischen Akademie Tutzing ausgezeichnet worden. Den Nobelpreis hatte sie 2003 für ihren Einsatz für Kinder- und Frauenrechte sowie Dissidenten erhalten.
phw/AP/dpa
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