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Gaza-Streifen Kriegsberichte per Telefon

2. Teil: "Ein paar Tage noch, dann werden wir hier hungern."

Am Sonntag habe es einen Exodus aus Dschabalija gegeben, erzählt Arce. Gruppen von 25, 30 Menschen seien aus den Häusern gekommen, in denen sie die Nacht über ausgeharrt hätten. Mit Tüten voller Brot und Wolldecken unter dem Arm hätten sie sich auf den Weg nach Gaza-Stadt gemacht. Unter den Flüchtlingen war auch Khaled Kahlut. Mit seinen Eltern, der Frau und fünf Kindern floh er aus dem Osten des Gaza-Streifens zu seinem Neffen in die Stadt.

Der ist Journalist, am Telefon erzählt er von der Odyssee seines Onkels. "Seit dem Morgen sind die lokalen Radiostationen und der al-Aksa-Fernsehsender der Hamas immer wieder gehackt worden", sagt Safuat Kahlut. Als kurz einmal der Strom wiederkam, habe er Nachrichten geschaut und es selbst gesehen: Der Bildschirm sei kurz Schwarz geworden, dann habe man Bilder von prominenten Hamas-Führern gesehen. In einer Art Comic-Clip hätten gezeichnete Scharfschützen auf die Bilder gezielt. "Hier spricht das israelische Militär. Dieses Mal seit ihr dran", habe eine Stimme auf Arabisch gesagt. Dann seien die Bewohner des Nordens des Gaza-Streifens aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen. Bis Sonntagnachmittag seien etwa 2000 Flüchtlinge in Gaza-Stadt eingetroffen und bei Verwandten untergeschlüpft.

Kein fließend Wasser, kaum noch Brot

Die Versorgungslage bereitet Kahlut die größten Sorgen. "Seit Tagen haben wir kein fließend Wasser mehr", sagt der 35-Jährige. Mit alten Coca-Cola-Flaschen holten die Menschen Wasser an den wenigen öffentlichen Anschlüssen, die noch in Betrieb seien. Es gebe kaum noch Brot: Der Weizen gehe langsam zur Neige, und Mühlen und Bäckereien hätten keinen Strom. Die Lage werde mit Sicherheit noch schlimmer werden, sagt Kahlut.

"Der Norden, den Israel erst bombardiert und jetzt eingenommen hat, ist die Kornkammer des Gaza-Streifens." Die meisten Lebensmittel für eineinhalb Millionen Menschen in Gaza seien bislang in der Kampfzone angebaut worden, auch die Viehzucht konzentriere sich dort. Jetzt drohe in Gaza eine humanitäre Krise nie da gewesenen Ausmaßes, eine Katastrophe. "Ein paar Tage noch, dann werden wir hier hungern."

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