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05.01.2009
 

Nahost-Konflikt

Israel nimmt Gaza-Streifen in die Zange

Israel setzt die Bodenoffensive im Gaza-Streifen trotz internationaler Proteste fort. Ministerpräsident Olmert erklärte die Aktion für unvermeidlich. Menschenrechtsaktivisten beschreiben die Lage der Zivilisten als so schlecht wie nie zuvor.

Gaza - Zwei Tage nach Beginn der Bodenoffensive im Gaza-Streifen setzt die israelische Armee ihre Angriffe auf Ziele der islamistischen Hamas-Organisation fort. Der israelische Rundfunk meldete am Montag, in der Nacht seien 30 Ziele in dem Palästinensergebiet angegriffen worden. Bislang zeige die Hamas keine Anzeichen einer Schwächung, meldete der Sender.

Israels Ministerpräsident Ehud Olmert lehnte ein Ende der Offensive in einer Reihe von Telefongesprächen mit ausländischen Staats- und Regierungschefs ab. Laut seinem Büro sagte er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), dass die Militäroffensive unvermeidbar sei. Dem russischen Präsidenten Dmitrij Medwedew sagte Olmert demnach, Israel könne seine Offensive erst dann beenden, wenn es seine Ziele erreicht habe.

Die islamistische palästinensische Hamas-Organisation will offenbar nach einer diplomatischen Lösung suchen. Fernsehberichten zufolge reist eine Delegation zu Gesprächen über den Gaza-Krieg nach Ägypten. Die Hamas hatte einen Waffenstillstand mit Israel für möglich erklärt unter der Bedingung, dass Israel seine Blockade des Gaza-Streifens aufhebt und die Grenzübergänge wieder öffnet. Ägypten hatte bereits in der Vergangenheit zwischen Israel und Hamas vermittelt.

Nach Angaben des israelischen Sozialministers Isaac Herzog sucht die Hamas möglicherweise nach einem "respektablen" Weg aus dem Konflikt. Die Hamas sei durch den israelischen Militäreinsatz unter "riesigen Druck" geraten, sagte Herzog dem US-Nachrichtensender CNN. Geheimdienstberichte ließen vermuten, dass die Bewegung nach einem Weg aus der Krise suche, bei dem sie ihr Gesicht wahren könne.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die israelische Offensive im Gaza-Streifen als die gravierendste seit der israelischen Besetzung 1967 bezeichnet. Die Nahost-Expertin der Organisation, Donatella Rovera, sagte der "Berliner Zeitung": "Die allgemeine Lage hat sich seit zwei Jahren kontinuierlich verschlechtert, aber dass die Menschen nichts zu essen haben, das gab es noch nie." Reis, Zucker und Brot seien im Gaza-Streifen kaum aufzutreiben.

Das Uno-Büro zur Koordinierung humanitärer Einsätze beklagte, die Militäroffensive spitze die humanitäre Krise in der Region weiter zu. Im Gaza-Streifen sei der Strom quasi komplett ausgefallen, die Krankenhäuser von Gaza seien auf Generatoren angewiesen, erklärte das Uno-Büro. Auch diese Generatoren drohten zusammenzubrechen. Seit zwei Tagen verweigerten die israelischen Behörden einem Ärzteteam des IKRK den Zugang zum Gaza-Streifen, um das wichtigste Krankenhaus der Region, das Schifa-Hospital, zu unterstützen. Dort seien im Falle einer Generatoren-Panne die Leben von 70 Patienten in Gefahr, darunter 30 Kleinkinder, die auf der Intensivstation auf Maschinen angewiesen seien, betonte das Uno-Büro.

Am Wochenende hatten die israelischen Soldaten Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht, aus denen militante Palästinenser zuvor Raketen auf Israel abgefeuert hatten. Dabei lieferten sie sich schwere Gefechte mit Hamas-Kämpfern. Am Sonntag gelang es den vorrückenden Einheiten nach palästinensischen und israelischen Berichten, den Gaza-Streifen zu spalten. Sie trennten den Norden mit der dicht besiedelten Stadt Gaza vom Süden ab.

Nach Palästinenserangaben starben allein seit Beginn der Bodenoffensive 50 Palästinenser, 200 seien verletzt worden. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza vom Sonntag starben binnen neun Tagen mindestens 520 Palästinenser, weitere 2500 wurden verletzt.

Einen Tag nach dem Einmarsch Israels in den Gaza-Streifen kam nach Armeeangaben ein Soldat um, 31 wurden verletzt. Der israelische Rundfunk meldete am Montag, am Vortag sei die Entführung eines Soldaten durch Hamas-Kämpfer vereitelt worden. Vier Israelis wurden seit Beginn der Militäroperation am 27. Dezember durch Raketenbeschuss militanter Palästinenser getötet.

ler/dpa/AFP/ddp

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