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06.01.2009
 

Israels Offensive

Truppen dringen tief in Gaza-Streifen vor

Die Kämpfe zwischen der radikalen Hamas und dem israelischen Militär werden immer heftiger - jetzt sind israelische Panzer Augenzeugen zufolge in Chan Junis eingerückt, in die zweitgrößte Stadt des Gaza-Streifens. In Dschablia starben drei israelische Soldaten durch "friendly fire".

Gaza - Die Stadt gilt als Hamas-Hochburg: Chan Junis im südlichen Gaza-Streifen. Augenzeugenberichten zufolge sind am frühen Dienstagmorgen israelische Panzer in die Stadt eingerollt. Es kam zu heftigen Feuergefechten zwischen dem Militär und Kämpfern der radikalen Islamisten. Kampfhubschrauber unterstützten demnach die israelischen Bodentruppen. Ein israelischer Armeesprecher wollte die Berichte zunächst nicht bestätigen.

Unterwegs zum Kampfeinsatz: Ein israelischer Panzer
AP

Unterwegs zum Kampfeinsatz: Ein israelischer Panzer

Die Kämpfe im Gaza-Streifen werden immer heftiger, in der vergangenen Nacht hätten die Feuergefechte zugenommen, hieß es in israelischen Berichten am frühen Dienstagmorgen. Das israelische Militär traf nach eigenen Angaben mehrere Ziele der islamistischen Hamas. Nach Angaben von Sanitätern starben in Dir el Balach zehn Palästinenser, als die israelische Marine einen Strand in dem Gebiet mit Mörsergranaten beschoss.

Drei israelische Soldaten wurden nach Angaben des Militärs durch eigenes Feuer getötet. Ein Gebäude, in dem sie bei Kämpfen mit bewaffneten Palästinensern Schutz gesucht hätten, sei versehentlich von einem israelischen Panzer mit einer Granate beschossen worden. 24 weitere Soldaten seien bei dem Zwischenfall in Dschablia am Montag verletzt worden. Damit stieg die Zahl der seit Beginn der Offensive getöteten israelischen Soldaten auf vier.

Israelische Medien berichteten am Dienstagmorgen unter Berufung auf Armeeangaben, dass bei den Kämpfen allein am Montag schätzungsweise hundert Palästinenser getötet worden seien. 80 Palästinenser seien festgenommen worden. Die Armee habe Gaza praktisch eingekreist. Kämpfer der Hamas hätten die vorrückenden Truppen mit Mörsergranaten beschossen. Auch am Montag feuerten militante Palästinenser nach israelischen Angaben wieder mehr als 40 Raketen aus dem Gaza-Streifen auf Israel ab.

Die arabischen Länder versuchten in New York, den Weltsicherheitsrat zu einer Erklärung zu bewegen, in der eine sofortige und nachhaltige Waffenruhe im Gaza-Streifen und deren Überwachung durch internationale Kräfte gefordert wird. In Einzelgesprächen unterbreitete die Arabische Liga Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon und Vertretern des höchsten Uno-Gremium entsprechende Vorschläge. Am Dienstag werden Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sowie die Außenminister Frankreichs und Großbritanniens, Bernard Kouchner und David Miliband, zu weiteren Gesprächen am Uno-Hauptsitz erwartet.

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Die Vorlage der Araber ruft nach Angaben des Liga-Generalsekretärs Amre Mussa auch nach dem Rückzug aller israelischen Truppen aus dem Gaza-Streifen, der Öffnung der Grenzübergänge, humanitärer Hilfe für die Bevölkerung und neuen Verhandlungen über einen Nahost-Frieden. Ban wollte die Vorschläge am Dienstag bei einem Mittagessen mit US-Präsident George W. Bush im Weißen Haus erörtern.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert schloss jeglichen Waffenstillstand im Gaza-Streifen aus, solange es keinen vollständigen Stopp der palästinensischen Raketenangriffe auf israelisches Gebiet gibt. Die Hamas müsse nicht nur aufhören, Raketen abzufeuern, sondern dürfe auch gar nicht mehr in der Lage dazu sein, sagte Olmert am Montagabend bei einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Israel könne keinen Kompromiss akzeptieren, der es der Hamas ermögliche, "in zwei Monaten wieder auf israelische Städte zu schießen".

Angesichts der anhaltenden israelischen Militäroffensive haben die Vereinten Nationen die humanitäre Lage im Gaza-Streifen als "zunehmend beängstigend" bezeichnet. Seit Beginn der Offensive gegen die Hamas Ende Dezember seien sauberes Wasser, Energie, Lebensmittel, Medikamente und andere Versorgungsgüter nicht mehr in ausreichendem Maß vorhanden, sagte der Leiter der Uno-Hilfsdienste, John Holmes, am Montag vor Journalisten in New York.

Holmes widersprach damit entschieden israelischen Politikern, die von einer ausreichenden Versorgungslage der Bevölkerung in dem palästinensischen Autonomiegebiet sprechen. Holmes beklagte auch die hohe Zahl von Opfern des Militäreinsatzes unter der Zivilbevölkerung. Bis zu einem Viertel der mehr als 500 Getöteten seien nach Schätzungen der Uno Zivilpersonen, sagte Holmes. Auch das Gesundheitssystem drohe angesichts der mehr als 2500 Verletzten zusammenzubrechen. Und die Lage verschlimmere sich mit jedem Tag, an dem die Kämpfe weitergingen.

Vertreter arabischer Staaten forderten am Montag bei einem Treffen mit den Mitgliedern des Weltsicherheitsrats die rasche Verabschiedung einer Resolution zur Beendigung der Kämpfe. Eine entsprechende Entschließung scheiterte vorige Woche am Widerstand der USA, die allein der Hamas die Schuld an der jüngsten Eskalation gaben.

hen/dpa/AP/AFP/Reuters

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