Gaza - Die Stadt gilt als Hamas-Hochburg: Chan Junis im südlichen Gaza-Streifen. Augenzeugenberichten zufolge sind am frühen Dienstagmorgen israelische Panzer in die Stadt eingerollt. Es kam zu heftigen Feuergefechten zwischen dem Militär und Kämpfern der radikalen Islamisten. Kampfhubschrauber unterstützten demnach die israelischen Bodentruppen. Ein israelischer Armeesprecher wollte die Berichte zunächst nicht bestätigen.
Unterwegs zum Kampfeinsatz: Ein israelischer Panzer
Drei israelische Soldaten wurden nach Angaben des Militärs durch eigenes Feuer getötet. Ein Gebäude, in dem sie bei Kämpfen mit bewaffneten Palästinensern Schutz gesucht hätten, sei versehentlich von einem israelischen Panzer mit einer Granate beschossen worden. 24 weitere Soldaten seien bei dem Zwischenfall in Dschablia am Montag verletzt worden. Damit stieg die Zahl der seit Beginn der Offensive getöteten israelischen Soldaten auf vier.
Israelische Medien berichteten am Dienstagmorgen unter Berufung auf Armeeangaben, dass bei den Kämpfen allein am Montag schätzungsweise hundert Palästinenser getötet worden seien. 80 Palästinenser seien festgenommen worden. Die Armee habe Gaza praktisch eingekreist. Kämpfer der Hamas hätten die vorrückenden Truppen mit Mörsergranaten beschossen. Auch am Montag feuerten militante Palästinenser nach israelischen Angaben wieder mehr als 40 Raketen aus dem Gaza-Streifen auf Israel ab.
Die Vorlage der Araber ruft nach Angaben des Liga-Generalsekretärs Amre Mussa auch nach dem Rückzug aller israelischen Truppen aus dem Gaza-Streifen, der Öffnung der Grenzübergänge, humanitärer Hilfe für die Bevölkerung und neuen Verhandlungen über einen Nahost-Frieden. Ban wollte die Vorschläge am Dienstag bei einem Mittagessen mit US-Präsident George W. Bush im Weißen Haus erörtern.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert schloss jeglichen Waffenstillstand im Gaza-Streifen aus, solange es keinen vollständigen Stopp der palästinensischen Raketenangriffe auf israelisches Gebiet gibt. Die Hamas müsse nicht nur aufhören, Raketen abzufeuern, sondern dürfe auch gar nicht mehr in der Lage dazu sein, sagte Olmert am Montagabend bei einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Israel könne keinen Kompromiss akzeptieren, der es der Hamas ermögliche, "in zwei Monaten wieder auf israelische Städte zu schießen".
Angesichts der anhaltenden israelischen Militäroffensive haben die Vereinten Nationen die humanitäre Lage im Gaza-Streifen als "zunehmend beängstigend" bezeichnet. Seit Beginn der Offensive gegen die Hamas Ende Dezember seien sauberes Wasser, Energie, Lebensmittel, Medikamente und andere Versorgungsgüter nicht mehr in ausreichendem Maß vorhanden, sagte der Leiter der Uno-Hilfsdienste, John Holmes, am Montag vor Journalisten in New York.
Holmes widersprach damit entschieden israelischen Politikern, die von einer ausreichenden Versorgungslage der Bevölkerung in dem palästinensischen Autonomiegebiet sprechen. Holmes beklagte auch die hohe Zahl von Opfern des Militäreinsatzes unter der Zivilbevölkerung. Bis zu einem Viertel der mehr als 500 Getöteten seien nach Schätzungen der Uno Zivilpersonen, sagte Holmes. Auch das Gesundheitssystem drohe angesichts der mehr als 2500 Verletzten zusammenzubrechen. Und die Lage verschlimmere sich mit jedem Tag, an dem die Kämpfe weitergingen.
Vertreter arabischer Staaten forderten am Montag bei einem Treffen mit den Mitgliedern des Weltsicherheitsrats die rasche Verabschiedung einer Resolution zur Beendigung der Kämpfe. Eine entsprechende Entschließung scheiterte vorige Woche am Widerstand der USA, die allein der Hamas die Schuld an der jüngsten Eskalation gaben.
hen/dpa/AP/AFP/Reuters
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